Ackerspezi
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12 Jahre 6 Monate

Weizen: Unterschiedliche Kursentwicklung in Chicago und Paris

Kann mir jemand mal erläutern, warum der CME-weizen für Dez. 2011 fast 10% über Dez. 2010 notiert, gleichzeitig der Nyse-Weizen Dez 2011 in Paris 10% niedriger notiert, als die vorderste Fälligkeit ?

Herzlichen Dank für erleuchtende Antworten!

Geschrieben von Ackerspezi am
Ackerspezi
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Will keiner oder kann keiner das Phänomen erklären ?

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Ackerspezi [#1]

In Paris gibt es keinen Dezember Weizen. Oder irre ich mich ?

Hier der Spread für März 2011 / 2012.

Schöne Grüsse, Richard Ebert

Bild entfernt.

Frittenbauer
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

@ Ackerspezi
Könnten sie die frage bitte neu formulieren.
Wie kann Nyse Weizen in Paris notieren?
Gruß FB

MZI
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ich würde mal sagen: weil Amerikaner weiter denken als die Nase lang ist...

Im Ernst - ich glaube nicht, dass es dafür eine Begründung basierend auf Hard-facts gibt. Aber eine echt gute Frage, die zum Nachdenken anregen sollte.

MZI

Ackerspezi
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Richard Ebert [#3]

OK, dann nehmen wir den März 2011 gegen März 2012: Laut Notierung CME: http://www.cmegroup.com/trading/agricultural/grain-and-oilseed/wheat.html
notiert März 2012 10% über März 2011. An der Matif sind die März 2012-Notierungen 10% unter der laufenden Notierung : Herr Ebert, schön, dass Sie wieder genesen sind; man merkt, wie abhängig das Forum von Impulsgebern ist.!! Können Sie die Kurven´verläufe von CME unD Matif Kursen auf Fälligkeit 2011 bzw. 2012 mal einstellen?? Wenn dem Spread so ist, müsste man Währungssicherungsgeschäfte machen und den CME Weizen gegen den Matifweizen stellen, oder sehe ich da was falsch??
Allen einen guten Rutsch...

Bre
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

@Ackerspezi

Der von Ihnen beobachtete Spread-Verlauf existiert schon eine ganze Weile und wird auch noch einige Zeit so bleiben. Das Phänomen hat sich zunehmend im Herbst vorigen Jahres aufgebaut. Ein Erklärungsversuch besteht darin, daß die Aussichten für die US-Winterweizenernte 2011 vergleichsweise ungünstig sind. In den Hauptanbaugebieten der USA den Great Plains war es bis in die jüngste Zeit hinein zu trocken. Die ursprünglichen Aussaatflächen blieben geringer. Insbesondere wird der Saatenstand so schlecht wie seit 25 Jahren nicht mehr beurteilt. Im wöchentlichen Ratingverfahren fallen nur 47 % der US-Saaten in die Kategorie von good to excellent; üblicherweise sind es fast 70 %. Zu geringe Niederschläge und teilweise auch eine fehlende Schneedecke machen die Saaten anfällig für winter kill. Erst in den letzten Tagen ist ein bißchen Bewegung in das Wettergeschehen gekommen, so daß Schlimmeres erst mal nicht zu befürchten steht. Sommerweizen als Ersatzfrucht fällt ertraglich stark ab. So besteht die Befürchtung, daß die Verfügbarkeit an US-Weizen im Jahr 2011 im ohnehin schon knapp versorgten Markt für Qualitätsware (siehe Australien-Effekt) noch problematischer wird. Der US-Weizenmarkt ist mit 60 Mio t (von 430 Mio t ) zwar klein, spielt aber beim Export mit 30 bis 40 Mio. t (30 bis 50 % Anteil am Welthandelsvolumen) eine Spitzenreiterrolle. Da in Russland (2008/09: 20 Mio t Export; 2010: 3,5 Mio t mit Exportstopp bis in den Juli 2011) ebenfalls aufgrund von Trockenheitsnachwirkungen nur 15 von 18 Mio ha hat bestellen können und der Saatenstand als sehr schwach und hoch auswinterungsgefährdet angesehen wird, wird die bedeutende Rolle der USA für die Marktversorgung nochmals verstärkt. Jüngste Informationen sprechen von geringeren Düngereinsatz im Frühjahr 2011 aufgrund der Erlösausfälle der russischen Farmer. Anders als in den übrigen Weizenanbaugebieten der Welt spielt US-Weizen fast nur als Qualitätsweizen eine Rolle, denn der überragende US-Mais (75 % US-Marktanteil) ist preislich um ein Drittel günstiger.

Im Vergleich dazu spielt der Weizen in Europa mit 140 Mio t (von ingesamt 280 Mio t Getreide) eine ganz andere Rolle. Mehr als die Hälfte des Weizens geht in den Futtertrog, auch wenn er Qualitätsweizen mittlerer Güte ist. Das Exportvolumen beim Weizen liegt zwischen 15 und 20 Mio t. Noch vor einigen Wochen wurde eine Ausdehnung der EU-Weizenflächen geschätzt, die unter günstigen Bedingungen auch in den Winter gekommen ist. Anders als in den USA wird der EU-Weizenmarkt bis jetzt mit positiv gestimmten Aussichten betrachtet. In den letzten 2 Wochen beurteilt man die Situation aufgrund fehlender Bestellungen in den östlichen Mitgliedsländern zwar etwas skeptischer, aber entscheidenden Einfluß wird die Situation erst im Februar/März erhalten, wenn erkennbar wird, wie die Saaten tatsächlich aus dem Winter kommen. Hierzulande ist der Aufmerksamkeitswert in Sachen spätere Handelstermine bei den Marktteilnehmern doch eher gedämpft.

Da die Amerikaner häufig ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein ihrer Weltbedeutung entwickeln, entstehen dort spekulative Überhöhungen eher häufiger und ausgeprägter als hierzulande. Die Pariser Börse wird sich daher fast immer (Ausnahme: einige Wochen im Herbst 2008) als vorsichtige Nachfolgerin verstehen.

Wie gesagt: ein Erklärungsversuch!

Spread-Geschäfte mit dem hohen Risiko der zukünftigen Euro-Kursentwicklung sind eine ganz heiße Nummer.

MFG
Bre

Richard Ebert
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12 Jahre 6 Monate

@ Bre [#7]

Tolle Erklärung - herzlichen Dank !

Hier der gewünschte Spread März 2011 / 2012 Weizen in Chicago:

Bild entfernt.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Neben den von Bre genannten fundamentalen Gründen gibt es technische Gründe durch die Neugewichtung von Weizen in den RICE Rohstoffindices:

NYSE Liffe’s Milling Wheat Futures Added To RICI® Index

Mondovisione.com (11.01.11) - NYSE Euronext, today announced that its Milling Wheat Futures Contract has been added to the benchmark Rogers International Commodity Index® (RICI®) for the first time. The index gives NYSE Liffe’s Milling Wheat a weight of 1%. NYSE Liffe’s Milling Wheat Futures is the second NYSE Liffe contract to join the index. The Rapeseed Futures contract was added to the RICI® index in January last year.

The index, which is designed to meet a growing demand for investment in commodities, represents the value of a basket of commodities consumed in the global economy, ranging from agricultural to energy and metals products. The value of this basket is tracked via futures contracts on 38 different exchange-traded physical commodities, quoted in five different currencies, listed on twelve exchanges in five countries.

Jim Rogers, Chairman of Rogers Holdings and founder of the Rogers International Commodity Index®, said: “We’re pleased to include the NYSE Liffe Milling Wheat Futures in the Rogers International Commodity Index®. We continue to review and maintain the Index to reflect the underlying market, which is a key reason why the RICI® is one of the most diverse, stable, and successful commodity indices in the market.”

Ian Dudden, Director, Commodity Derivatives, said: “We’re delighted that the RICI® Committee has including our Milling Wheat Futures in the index. Its decision reflects the fact that NYSE Liffe’s Milling Wheat Futures contract has now established itself as a global benchmark for the European wheat price. We saw record-breaking volumes in the contract in 2010 after prices soared following the drought and fires in eastern Europe last summer. We expect that volumes will grow further this year, as awareness of the contract continues to grow. Inclusion within the RICI® Index will undoubtedly help this process.”

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Gerüchteweise war am Markt zu hören, dass der USA Weizenanteil im Index um 1,25 % vermindert werden sollte.

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