Weizen: Üppige Vorräte am Weltmarkt
Stabile Tendenz bei Getreide
LWK Niedersachsen, Hannover (20.01.12) - In dieser Woche hat sich auf den Getreidemärkten wenig verändert. Nach der jüngsten USDA-Schätzung rechnet man jetzt mit einem weltweiten Lagerendbestand 2011/12 von 210 Mio. t Weizen. Das wäre 1,5 Mio. t mehr als bei der vorangegangenen Dezemberschätzung und 10 Mio. t mehr als zum Ende des Wirtschaftsjahres 2010/11. Somit wäre davon auszugehen, dass vor der nächsten Ernte insgesamt noch fast 31 % des geschätzten jährlichen Weizenverbrauchs vorrätig sein werden. Das würde theoretisch 112 Tage reichen. So üppig war die die Vorratslage auch in den Niedrigpreisjahren des vergangenen Jahrzehnts nicht.
Während der hiesige Markt wegen der schlechten Ernte 2011 angespannt bleibt und Mühlen ebenso wie Mischfutterwerke oft kaum über den März hinaus gedeckt sein sollen, ist die Versorgungssicherheit international bei Weizen offenbar gut ausreichend, wenn man den amtlichen Schätzungen vertraut.
Anders sieht es bei übrigem Getreide aus. Bei Futter- und Industriegetreide reicht die Erzeugung wieder einmal nicht für die Deckung des Bedarfs aus, so dass die Lagerendbestände 2011/12 wahrscheinlich zum vierten Mal in Folge abnehmen werden auf etwa 14 % des geschätzten globalen Verbrauchs.
(Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/206/article/8351.html )
Bei einem Weizenendbestand, der für 31 % des jährlichen Verbrauchs ausreicht, ist noch reichlich Platz für eine Abwärtsbewegung der Weizenpreise.
@ Richard Ebert [#1]
Angebot: Einkauf heute ab Station: B-Futterweizen für 18,80 netto ! Somit unter den Preisen der Ernte!
MfG
Saubauer
@ Saubauer [#2]
Sollte der USDA - Bericht stimmen gibt es eigentlich nur eine Richtung.
Mfg
BB
@ Bauer Bernie [#3]
Vielleicht zur neuen Ernte!
Jetzt wird versucht das erreichte zu halten!
MfG
Saubauer
Kann mir mal jemand die Gründe für die stetige Aufwärtsbewegung der Matif- Kurse erklären??
Seit 4 Tagen geht es fast immer nur noch ! Die fundamentalen Daten sprechen doch eher für fallende Kurse.
Danke
Gruss Schinken
Hab gehört, daß angeblich Russland und die Ukraine für die nächste Zeit Ausfuhrzölle bei Weizen angedroht haben. Aber da wissen unsere Experten Bre und co sicher genaueres.
Ich will an dieser Stelle aber einmal auf eine andere regelmäßige Börsentendenz bei Weizen hinweisen.
Egal aus welchen Gründen auch immer, an der Börse wird fast jedes Jahr der Weizen im Januar stetig steigend notiert,die Tendenz hält bis in die ersten Februartage an, und dann gibt es regelmäßig (sehr oft)einen ordentlichen Preissturz.
Wenn man davon ausgeht,dass das auch in diesem Jahr so abläuft, wäre es richtig jetzt an der Börse Weizen zu verkaufen.
Märzweizen ist mittlerweile inerhalb 6 Wochen von 176 € auf heute über 210 € gestiegen,Maiweizen von 175 € auf 205 €/to gestiegen.
Hab heute Maiweizen für 205 € verkauft, schaun mer mal.
Gruß Paul
@#5 und #6
Der Preisanstieg von Getreide und Raps hat schon Mitte Dezember 2011 begonnen. Die hochgesetzten Jan-12-Schätzungsergebnisse des USDA haben zwar alle Marktteilnehmer in ihren Erwartungen überrascht, jedoch setzen sich die pessimistischen Einschätzungen der südamerikanischen Mais- und Sojaernte infolge der ungünstigen Witterungsentwicklung wieder durch. Die Kurse haben das ursprüngliche Niveau um den Jahreswechsel schon wieder erreicht. Das ist für eine Aufwärtsentwicklung eine erstaunlich kurze Zeit.
Was treibt die Getreide- und Ölsaatenkurse so schnell wieder in die Höhe?
Die Witterungseinflüsse bekommen zunehmend mehrere Gesichter:
• Die Trockenperioden ("La Nina") in Argentinien und Südbrasilien werden zwar von einigen durchziehenden Regenfronten unterbrochen, ohne daß der bereits eingetretene Schaden wieder korrigiert werden kann. Bei Temperaturen um die 35 Grad Celsius ist die erholende Wirkung der Niederschläge auch schnell wieder verbraucht.
• Im Falle des Maises ist die Schädigung so weit vorangeschritten, daß die Zunahme weitereren Schadens in weniger großen Schritten eingestuft wird. Erst nach den ersten verläßlichen Druschergebnissen wird demnächst das ganze Ausmaß der Minderernte deutlich werden.
• Im Falle der Sojabohne ist eine Differenzierung erforderlich.
o In den Früherntegebieten Brasiliens (u.a. Mato Grosso) steht der Erntedrusch an, wird aber durch Niederschläge verzögert. Erste Druschergebnisse in diesen Regionen sind weit überdurchschnittlich ausgefallen.
o Im brasilianischen Süden und in Argentinien hat die Trockenheit die Bestände stark in Mitleidenschaft gezogen, das Wachstum verzögert und die Blüh- und Kornbildungsphase stark beeinträchtigt. Neben den schon eingetretenen Schäden, werden weitere Ertragsminderungen erwartet. Argentinien (zweitgrößter Maisexporteur) ist wesentlich stärker betroffen als Brasilien.
o Die Aussaat von Zweitfrüchten bei Mais und Soja konzentriert sich in diesem Jahr nur auf besonders begünstigte Standorte mit ausreichender Bearbeitbarkeit des Bodens und genügender Feuchtigkeit für den Saataufgang.
• Die aufkommende Kältewelle überrascht in Europa (von Russland, über Ukraine bis in die östlichen EU-Länder) die üppigen Saatenstände mit geringer bis gar keiner schützenden Schneedecke. Das Risiko hoher Auswinterungsraten ist in jüngster Zeit sprunghaft angestiegen.
• Der Wintereinbruch in Russland hat die Transportmöglichkeiten für Ausfuhrgetreide aus hafenfernen Gebieten so gut wie gestoppt. Die hafennahen Läger sind weitgehend geräumt. Außerdem sind bereits knapp 20 Mio. t von den maximal vorgegebenen 24 Mio. t (sonst drohen Exportzölle) exportiert, so daß mit deutlich verringerten russischen Handelsaktivitäten für den Rest des Getreidewirtschaftsjahres zu rechnen ist. Die Exporteure in der EU und in den USA wird's freuen. Bei knapper eigener Versorgung aufgrund unterdurchschnittlicher Ernten 2011 werden die Inlandspreise anziehen.
• Eine Kürzung der Exporte gilt auch für die Ukraine, aber aus dem Grunde trockenheitsbedingter Ausfälle bei der Wintergetreide- und Rapsaussaat. Es gilt dort, genügend Vorräte zu behalten, um die erwartete Ernteminderung 2012 ausgleichen zu können.
• Die Kältewelle erfaßt auch weite Teile in anderen osteuropäischen Gebieten bis hinein nach Ostdeutschland, in denen bislang keine ausreichend schonende Schneedecke vorhanden ist. Auch hierzulande nehmen die Auswinterungsrisiken zu.
Die jüngsten Entwicklungen des Euro-Kurses haben dazu beigetragen, daß die dollarnotierten Kursschwankungen für den Euro-Raum deutlich abgemildert wurden. Der Rückgang der Exporte aus dem Schwarzmeergebiet führt zu spürbar ansteigenden Ausfuhraktivitäten aus den französischen Exporthäfen. Anhaltend hohe EU-Exporte für den Rest des Getreidewirtschaftsjahres verringern die ohnehin schon reduzierten Überhangbestände mit der Folge, dass sich das Pufferungspotenzial für die kommende Ernte 2012 verringert. Steigende US-Exporte stützen die Börsenkursentwicklung ab.
Die politischen Zuspitzungen im Zusammenhang mit dem Ölembargo für den Iran könnten nach Einschätzung der Weltbank zu Kurssteigerungen für Rohöl in einer Größenordnung von rd. 20 % reichen. Steigende Fördermengen aus Lybien und Tunesien sorgen zwar für einen gewissen Teilausgleich, wesentlich bedeutsamer sind jedoch mögliche Behinderungen des Öltransports in der Meerenge von Hormus durch iranische Störmanöver unterschiedlicher Intensität bis hin zu Seeminen. Ein erheblich höherer Rohölpreis wird das Agrarpreisniveau über den Zusammenhang mit der Nachfrage nach agrarischen Rohstoffen aus dem Bioenergiesekor mitziehen. Weitere Folgewirkungen für die Betriebsmittel Treibstoff, Dünger u.ä. liegen auf der Hand.
Fazit: (Zeitpunkt Ende Januar 2012)
Nach einer Talfahrt mit Hindernissen - ausgehend von Juni 2011 - haben die Getreide- und Ölsaatenkurse wieder Schwung für ein höheres Preisniveau erhalten. Die preisdrückenden Kräfte aus dem Schwarzmeergebiet sind abgelöst worden zugunsten preissteigernder witterungsbedingter Risikofaktoren um die weltweit gesicherte Anschlussversorgung im laufenden Wirtschaftsjahr sowie unmißverständliche erste Hinweise für den möglichen Ausgang der kommenden Ernte 2012 auf der Nordhalbkugel.
Für den weiteren Jahresverlauf ab März schaut man gespannt auf die Höhe der Maisaussaatfläche in den USA. Schon jetzt ist US-Maissaatgut knapp. Dafür wird umso weniger Soja angebaut werden.
Für die Welternte 2012 gelten folgende Vorgaben: Das Ernteergebnis muss für "durchschnittliche Preise" so hoch ausfallen, daß der durchschnittliche Verbrauchszuwachs in Höhe von 30 Mio t und eine Aufstockung der abgebauten Überhangbestände von weiteren 30 Mio t erreicht werden. Eine durchschnittliche Erntesteigerung beträgt jedoch nur 40 Mio t je Jahr mit großen jahresspezifischen Schwankungen. Die Schlussfolgerung daraus heißt: die Ernte 2012 muß überdurchschnittlich hoch ausfallen, d.h. größere Mißernten in zentralen Erzeugungsgebieten dürfen nicht auftreten (sind aber schon, wenn man sich die Ukraine anschaut)oder der Verbrauch muß durch eine weltweite Wirtschaftsrezession drastisch einbrechen.
Die Preise wachsen nicht in den Himmel, weil die globale Versorgungslage nur wenig unter dem mehrjährigen Sollwert liegt. Das prägende Problem des Jahres 2011/12 ist die gegensätzliche gute Weizen- und äußerst knappe Mais- sowie Ölsaatenversorgungslage. Ein möglicher Ausgleich zwischen den Überschuß- und Zuschußregionen kostet Transport, der das Notierungsniveau hoch hält. Die „mobilen“ Überhangbestände der Exportländer fallen deutlich kleiner aus als im Jahre 2010/11 und das ist maßgeblich für die weitere Preisbildung.
Bre
@ Bre [#7]
Sehr ausfühlich !
Danke so was bereichert das Forum.
MfG
Saubauer
Hier die Grafik von Mai Weizen:
@ Bre [#7]
Das ist eine schöne Zusammenfassung, vielen Dank!
Der Titel dieses Threads lautet: "Weizen: Üppige Vorräte am Weltmarkt". Diese Ausgangslage sollte man nicht ganz vergessen.
Die Weizenpreise in Chicago sind jetzt bereits wieder fast auf dem Niveau wie zum Zeitpunkt der Dürre in Russland im Jahr 2010. Ist das wirklich gerechtfertigt?
Zweifelsohne gibt es einige Faktoren, die den Anstieg bei Weizen erklären (z. B. drohende Ausfuhrbeschränkungen in Russland im Wahljahr).
Insbesondere zählt hierzu die Wetterprämie aufgrund der niedrigen Temperaturen in Osteuropa.
Vor allem die Ukraine scheint hier gefährdet, weniger wohl Russland. Siehe hierzu:
http://www.blackseagrain.net/photo/russia-grain-area-mostly-protected-during-frost-center-says
Aber das Ausmaß dieser Frostschäden wird erst in einiger Zeit deutlich werden. Eine Frage ist, ob der wesentlich durch eine Wetterprämie erfolgte Kursanstieg bei Weizen dauerhaft und längerfristig ist oder ob hier Korrekturanfälligkeit besteht.
@ peterg [#10]
Weizen: Üppige Vorräte am Weltmarkt: Die Weizenpreise in Chicago sind jetzt bereits wieder fast auf dem Niveau wie zum Zeitpunkt der Dürre in Russland im Jahr 2010. Ist das wirklich gerechtfertigt?
Wenn man das Verhältnis der Weizen- zu den Maiskursen an der CME verfolgt, stellt man im letzten Jahr eine starke Annäherung fallender Weizenpreise an die relativ festen Maisnotierungen fest. Der Hintergund wurde durch die jüngste USDA-Schätzung nochmal unterstrichen: Weizen ist mit 31 % stock to use ratio weltweit reichlich vorhanden und Coarse Grains sind mit 13,78 % stock to use ratio so knapp wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wenn man allerdings China aus den Endbeständen rausrechnet und sich nur die mobilen Überhangbestände der 7 großen Exportländer anschaut, fällt die "Reichlichkeit" schon deutlich bescheidener aus. Noch enger wird die Vorratslage, wenn man die Endbestände Russlands und der Ukraine unter Berücksichtigung der politischen Vorrangigkeit der Eigenversorgung (Inflation der Nahrungsmittelpreise vor den Wahlen) und angesichts der noch nicht voll überschaubaren Auswinterungsschäden mindestens halbiert.
Auch wenn es auf Weltebene ungewöhnlich ist, wird Weizen - wie in Europa üblich - auf seine Futterwertrelation zurückgesetzt.
Maßgeblich für die Weizenkurse bleibt jedoch das Stützniveau der Maisnotierungen. Eine Änderung hätte noch die argentinische Maisernte bringen können, aber die ist nach der jüngsten USDA-Schätzung um 4 Mio t auf immer noch beachtliche 22 Mio. t zurückgesetzt worden.
Neben den Auswirkungen der Kältewelle in West- und Osteuropa einschl Russland und der gleich zweimal durch Trockenheit und Auswinterung stark geschädigten Ukraine besitzen in 1. Linie die USA mit ihrem Maisanbau das Potenzial (40 % der Weltmaisernte) eine grundlegende Änderung des Preisniveaus herbeizuführen. Die US-Maisfläche dürfte aus Wettbewerbsgründen zur Sojabohne, aus der Freigabe von Flächen aus dem Erosionsschutzprogramm und im Vergleich zum Vorjahr mit unbestellten Flächen beachtlich zulegen können. Ob sich der unterdurchschnittliche Flächenertrag im Vorjahr wiederholt, bleibt vorerst offen. Andererseits herrscht eine "abnormally" und "severe" Trockenheit in einigen zentralen Maisanbaugebieten im Norden, die nach Berechnungen von Wetterforschern ähnliche Ausmaße annehmen können wie zuletzt 1988. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Missisippi runter.
China's Wetterkarte zeigt für die Getreidebauregion seit Mitte Dezember keine ausreichenden Niederschläge mehr an. Die großen chinesischen Getreidereserven werden im Regelfall nur bis 40% vom Verbrauch abgebaut werden, dann wird mit Importen ausgeglichen. Auch wenn der bisherige Verlauf bis jetzt noch noch keine große Bedeutung haben muß, sollte man die dortige Entwicklung im Auge behalten.
Das Risiko der Getreideversorgung für das Jahr 2012/13 hat aus heutiger Sicht eher zu- als abgenommen. Reicht das schon als "Rechtfertigung"?
MFG
Bre
@ Bre [#11]
Vielen Dank für den Kommentar:
"Reicht das schon als "Rechtfertigung"?
Eigentlich nicht so ganz!
Wenn man mögliche (wahrscheinliche) Exportbeschränkungen und Ausfälle durch Auswinterungsschäden
in Osteuropa oder Wetterprobleme als Argument nimmt,
so muss man fairerweise aber dann auch andere mögliche (wahrscheinliche) Gegenargumente berücksichtigen wie:
-große erwartete Anbauflächen für Weizen und Mais in den USA
-Reduzierung des Maisverbrauches in der Ethanolindustrie.
Die USDA hat jetzt die Welt-Weizen Ending-stocks jetzt auf ein Allzeithoch von 213.1 MMT gesetzt.
Ich verstehe natürlich, dass demgegenüber magere Bestände v. a. bei Mais stehen.
So dass hier eine zunehmende Substitution Weizen für Mais erfolgt.
Ich denke aber auch, dass es jetzt im Frühjahr in jedem Fall insbesondere bei Mais saisonal bedingt
mit den Kursen aufwärts gehen wird.
Gruß
peterg