Weizen: Viele Gründe sprechen für fallende Preise
Wie geht es weiter bei Weizen ?
Von Marc Nitzsche
Rohstoff-Trader.de (01.04.09) - In den vergangenen zwölf Monaten ist der Preis für US-Weizen um über 50 Prozent kollabiert, nachdem er zuvor bis auf 1.200 US-Cents pro Scheffel gestiegen war. Nicht wenige Marktteilnehmer sind daher der Auffassung, dass jetzt ein guter Zeitpunkt zum Aufbau von Long-Positionen gekommen ist.
(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.rohstoff-trader.de)
Risk of Freeze Damage in Oklahoma and Kansas Wheat
Wheat will be exposed to potentially damaging temperatures tonight when temperatures fall into the low and mid 20s F.
http://www.stormx.com/agriculture/wake-up-report/2009/04/risk-of-freeze-damage-in-oklahoma-and-kansas-wheat/
@ peterg [#2]
http://www.usairnet.com/weather/maps/current/kansas/temperature/
@ peterg [#2]
Wenn das alles sein soll, was an bullishen Argumenten da, ist es nicht viel. Vor einigen Jahren hätte dies noch einen Einfluß gehabt aber in den schnelllebigen Zeiten die Informationen binnen 24 Stunden verdauen und mit Ländern ( Ostblock / Australien )die immer grössere Mengen an Weizen in den Markt pumpen, wird es schwierig eine Trendwende zu erwischen.
Und (alter Spruch): Greife nie in ein fallendes Messer !
Grüß Gott,
als vor zwei Jahren um diese Zeit der Frühjahrsfrost Schäden im US-Weizenertrag verursachte, reagierte der US-Markt, soweit ich mich erinnern kann, deutlich stärker als vorgestern. Eigentlich gab es ja überhaupt keine Reaktion vorgestern. (Allerhöchstens noch minimal im KW/W-Spread).
Bezüglich der "bullishen" Argumente, sagen wir mal so:
Im Augenblick gibt es halt keine. US-Export schwach. US-Lagerbestände hoch. Der Frost war andererseits sicher nicht vorteilhaft für Weizen in Oklahoma und Kansas. Die genauen Folgen werden wir aber natürlich erst viel später sehen. Ferner besteht in den südlichen und südwestlichen Hartweizenanbaugebieten der USA eine ausgeprägte Trockenheit, die vermutlich zu deutlichen Ertragseinbußen führen wird. Siehe hierzu:
http://www.stormx.com/agriculture/wake-up-report/2009/04/shocking-decline-in-hard-red-winter-wheat-ratings/
Wie sind eigentlich die Ertragsprognosen bezüglich Winterweizen in Europa bzw. Deutschland in diesem Jahr ?
Soweit ich gelesen habe soll deutlich weniger Weizen angepflanzt worden sein. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die hohen Lagerbestände rascher abschmelzen als wir momentan denken.
Aber mit Ihrer Schlussbemerkung haben Sie recht. Ich beachte z. B. momentan sehr genau die WN9/WZ9-Spreads, die ich im Depot habe. Solange sich hier überhaupt nichts rührt, ist sicher Vorsicht geboten.
Gruß
peterg
Hallo zusammen,
Die Weizen-Ernten in Europa werden sicherlich 5-8 % niedriger ausfallen als im Rekordjahr 2008. Die Gründe sind vielfältig.
Langer Winter - verkürzte Vegetationszeit
Hohe Düngerpreise - verringerter Einsatz
niedrige Weizenpreise - generell niedrigere Intensität
Aber was machen die 5 - 8 % weniger aus? Meiner Meinung nach nicht viel. Denn die Übertragbestände sind einfach gigantisch. Die höchsten seit mehr als 5 Jahren und da hatten wir Preise, die noch 30 % niedriger lagen.
Viele Grüße
Thomas
@ bbw [#6]
Entstand der hohe "Übertrag" durch die gigantische Preishausse Anfang 2008 und dem im folgenden Erntejahr höheren Anbau ?
Grüsse
Marzell
@ Marzell [#7]
Bei " Überhängen " muss man sehr genau unterscheiden.
In der EU ist im westlichen Teil eine höhere Menge durch zwar etwas höheren Anbau (bedingt durch haussierende Preise), insbesondere aber durch höhere Erträge entstanden. Im Vergleich zu den wetterbedingt schlechten Vorjahren, gab es gute bis sehr gute Aufwuchsbedingungen.
Im östlichen Bereich war neben den guten Witterungsbedingungen die Ursache eine grosse Flächenausdehnung, da mittlerweile die Exporte Richtung Westen funktionierten und damit sehr lukrativ waren.
Hauptgrund waren aber grosse Anbauländer wie Russland (die zu dem Zeitpunkt noch mehrere Millionen to unverkauft liegen hatten), das mit Flächenausdehnung und verbesserter Produktion erhebliche Zuwächse verzeichnen konnten; ebenso wie die Ukraine, Kasachstan, Weissrussland etc. Gleiches galt für die USA, Kanada und insbesondere für Australien, die über 11 Mio to mehr produzierten als im Vorjahr. Generell konnte man sagen, dass witterungsbedingt überall auf der Welt erheblich mehr geerntet wurde.
Wenn man sich jetzt über die Übergänge in Deutschland wundert und beschwert, so muß klar auf das Vermarktungsverhalten aller Anliegerstaaten verwiesen werden, die jede Möglichkeiten nutzten, um während der Saison soviel wie machbar in Richtung Westen vermarkteten, während die hiesigen Landwirte grösstenteils vor sich hin träumten und sich von einer Hoffnung in die andere retteten.
So wurde hier fast nicht bemerkt, dass die Importe sich im Mengeverhältnis 1 : 1 gegen die deutsche Ware richtete, denn letztlich war es den Verarbeitern und Exporteuren egal woher der Weizen kam.
Man sollte daher nicht so sehr den Focus auf die Westeuropa richten, wo sich letztlich nur marginal was ändert. Was von Bedeutung ist, dürfte insbesondere Osteuropa sein, denn mit jeder noch noch so geringen Verbesserung der Anbautechnik, stehen uns weitere enorme Mengenzuwächse ins Haus.
@ Graintrader [#8]
Wie sagte vor gut 20 Jahren ein Marktlehre-Professor an der Uni Bonn: Wenn der (damals noch) Ostblock mal ans produzieren kommen, gehen in Westeuropa die Lichter aus.
Gruß
Geno-Bauer
@ Geno-Bauer [#9]
Absolut richtig und man sollte sich wirklich von dem Gedanken trennen, dass wir hier der Nabel der Welt sind.
@ Graintrader [#10]
Ich darf noch ergänzen, dass die deutschen Landwirte im EU-Vergleich steuerlich benachteiligt sind. Ich denke hier in diesem Falle z.B. an das unterschiedliche Subventionsniveau im Bereich Argardieselsteuer. Auch sollte man nicht den dramatischen Währungsverfall in den nicht EURO-Staaten, Russlands usw. außer acht lassen. Das macht Ihre Aussage deshalb nicht unrichtiger, nimmt ihr aber ein wenig an Schärfe.
aus: "Commodity news for tomorrow" vom 28.5.2009
(der Rückgang von 7% der good-to-excellent Crop conditions in Kansas ist m. E. besonders interessant. Wie bewerten denn die Profis (Landwirte) im Forum diesen Artikel ?)
Early US HRW Wheat
Harvest Results Meet
Low Expectations
Forecasts for disappointing hard red
winter wheat yields in the southern U.S.
Plains are becoming a reality as grain
elevators receive their first tastes of the
2009 crop.
Yields from early cutting in Texas
and Oklahoma are low, as expected, due
to stress from dryness and spring freezes,
grain elevator managers said. The quality
of the crop looks fine so far, they said,
but it will take more time to get a broader
sense of its qualities.
In Kansas, the country’s top HRW
wheat-growing state, crop condition ratings
fell last week as producers entered
the final stretch before harvest. Despite
the decline, growers feel lucky they
avoided severe freeze damage that hit
states farther south, said Aaron Harries,
director of marketing for Kansas Wheat.
Cutting in Kansas should begin around
June 12 in southern areas, he said.
“We’re pretty happy that we’re going
to get a decent crop,” said Harries, who
attributed the ratings decline to excessive
rain in south-central areas.
The U.S. Department of Agriculture
said 45% of U.S. winter wheat was in
good-to-excellent condition as of
Sunday, down from 48% a week earlier.
Kansas saw its good-to-excellent rating
fall to 47% from 54%.
Plantings of HRW wheat, used to
make bread, fell across the Plains for the
2009 crop following a drop in wheat
prices. HRW wheat production is estimated
at 871 million bushels, down from
1.035 billion last year, according to the
USDA.
Kansas is expected to produce 340
million bushels, down from 356 million
last year. Oklahoma is expected to produce
about 80.5 million bushels, down
from 166.5 million last year.
Cassidy Grain in Frederick, Okla.,
took in its first load of wheat
Wednesday. The load of roughly 800
bushels had an average yield of about
7.5 bushels per acre, said Chase
Cassidy, who works at the elevator in
southwest Oklahoma.
“It’s not looking very good,” he said.
“That was kind of expected. We’ve only
got one load in so we really don’t have a
clear picture of what’s out there.”
The average test weight was 58
pounds per bushel, which is below the 60
pounds needed to receive a “number one
grade” designation, Cassidy said.
Moisture was 12%, he said.
Wheat grades reflect the physical
quality and condition of a sample and
thus may indicate the general suitability
of a sample for milling. The U.S. grade
of a sample is determined by measurement
of several factors, including test
weight and damaged kernels.
By the end of the season, Cassidy
Grain will probably take in about 95%
less wheat than it did last year, when a
bumper crop funneled roughly 3 million
bushels to its door, owner Mike
Cassidy said. Less than 10% of the
acres that were planted in the area
around Frederick are expected to be
harvested due to damage from the
weather, he said.
Another Frederick-based elevator,
Tillman Producers Coop, took in its first
load of wheat Tuesday night and found
it met expectations for a poor crop.
Yields were “really low,” office manager
Lori Varner said. The test weight on
the load of roughly 300 bushels was 59
pounds per bushel, and moisture was
12%, she said.
“It’s looking pretty bad,” she said.
“There’s not going to be much cut.”
The USDA projects the average
yield in Oklahoma for 2009 will be 23
bushels per acre, down from 37 bushels
last year. The average yield for Texas is
estimated at 27 bushels, down from 30
bushels last year. Texas is expected to
produce 64.8 million bushels this year,
down from 99 million last year, according
to the government.
@ peterg [#12]
Ich glaube nicht, dass irgendwelche Crop Ratings, gleich welcher Art, im Moment überhaupt eine Rolle spielen. Leider muß ich auch meine bisherige Aussage der fallenden Preise revidieren. Fundamental bleibe ich bei meiner Meinung aber wie wir derzeit in fast allen Marktsegmenten (ausser bei Autos) sehen, schert sich weder Tod noch Teufel um etwas fundamentales. Die Märkte sind voller Phantasie und reagieren nur noch darauf - siehe Beispiel Aktien und Öl -. So zerrt man derzeit alle Nachrichten zur Rechtfertigung der seit Wochen steigenden Preisen ans Tageslicht und ist sich auch nicht zu blöd, mit reduzierten Syabohnenerträgen und steigenden Ölpreisen zu argumentieren. Als Händler bin ich nicht mehr in der Lage auf Basis seriöser Erkenntnisse meine Preise zu gestalten, sondern bin gezwungen, immer riskanter zu spekulieren. Ich fürchte mich nur vor den Folgen, die auf die Unternehmen zukommen, die sich das nicht leisten können.
Nochmal - Fundamental sollten die Preise südwärts gehen.
@graintrader
Aber irgendwas muss doch im Busch sein; oder will keiner mehr verkaufen; wenn ich sehe; dass Körnermais ffr. Süd-Oldenburg mit 175Eruo/to; Weizen mit 152 Euro/to ( für Spätherbst 158 Euro/to) gehandelt wird..
Oder gibt es die angeblichen Übermengen in den Lägern garnicht ( wie bei den Schweinen; wo "angeblich" die Hälften schon draussen lagern müssen; weil Kühlhäuser voll...)?
In dem Sinne
MFG
Mühlenbach
@ Muehlenbach [#14]
Gut erkannt. Ich habe es selber lange nicht glauben wollen aber auch Entwicklungen in anderen Ländern deuten daraufhin, dass die statistischen "Überhänge" so in Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Wenn man sich vor Augen hält, wie die Zahlen ermittelt werden, ist dies kein Wunder. Und wir haben uns alle lange in der Gläubigkeit der Zahlen auf sicherem Boden gewähnt. Und das ist auch der Grund, warum es zu der angeblichen Verkaufsverweigerung kommt ... es ist schlichtweg nicht mehr genug da !
@ Graintrader [#15]
Wo liegt denn das Problem bei der Ermittlung der Zahlen?
@ wollewatz [#16]
Wer schon mal bei einer Coceral Sizung dabei war, weiß wie dies zugeht. Neben einigen Basiszahlen einigt sich der Kollege aus dem einen Land mit dem aus dem anderen Land diskussionsmässig, dass dort doch viel mehr Weizen, Oliven etc sein müssten. So wird solange hin und her diskutiert, bis man sich auf eine Zahl geeinigt hat. Erschreckend - aber so sieht die Praxis aus. Ich bin überzeugt, dass bei der Wettervorhersage die Trefferquote grösser ist.
Wenn man schon einmal erkannt hat, dass die sogenannten fundamentalen Daten nicht so sicher/verlässlich sind wie der deutsche Statistiker bisher geglaubt hat, ist man schon einen Schritt weiter. Wer schaut nun mal schon nach Asien wo immerhin 40% des Weizens produziert und verbraucht werden. Die Unsicherheiten in Ländern mit besseren statistischen Voraussetzungen sind auch nicht viel kleiner, Anbau, Erträge, Witterung und Vorratsmeldungen werden auch von vielen Einflüssen überlagert.
Und letztlich ist da noch der Verbrauch, der in Abhängigkeit der Preise und finanziellen Verhältnissen sehr beweglich ist.
Wenn man ein Geschäft gemacht hat bzw. es machen will, muss man es absichern wenn man aus der Spekulation raus will. Von daher kommt den Terminmärkten eine große Bedeutung zu wie schon kluge Händler vor mehr als hundert Jahren erkannt haben.
@ Graintrader [#13]
Sehe ich da einen Wiederspruch zu Ihren Aussagen in #15 und #17?
Wenn die Vorhersagen denn wirklich so ungenau sind. Wie könne Sie dann sagen, dass es fundamental runter gehen muss? Woran orientieren sich dann Ihre fundamentalen Faktoren/ Erkentnisse?
Die Erhebung der Erträge läuft bei den großen Händlern und deren Muttergesellschaften hier nicht anders. Jedes Jahr das gleiche Spiel, wenn die Preise über dass errechnete Niveau steigen. Dann wird ein Rundruf in die Regionen gestartet mit der Suggestiv-Frage: "Die Bestände sehen doch gut aus bei euch, oder?" Die Antwort ist unerheblich, der positive Trend wird als PM verbreitet.
Fakt ist dass in vielen Gebieten Osteuropas viel zu wenig Regen gefallen ist.
Fakt ist auch, dass bis zur Ernte noch viel passieren kann. Auch in Westeuropa muss dringend Regen fallen um nachhaltige und größere Schäden in der Kornfüllungsphase zu vermeiden. Da ist die Lage schon akut.
Ich würde mich auf gar keine Fall auf die jetzigen Prognosen der aufnehmenden Hand verlassen. Die spielen ihr Spiel gerade, um günstiger an Ware zu kommen.
Die große Frage ist doch auch ob China und Russland wirklich dass haben, was Sie vorgeben zu haben -ich glaube nicht.
Vortex
P.S.: Hier noch eine interessante Einschätzung:
http://www.aktiencheck.de/artikel/analysen-Marktberichte-1922617.html
Habe mich heute bei Chicago-Weizen September long engagiert 2xYWU9 zu 556 (versuche also nur kleine Brötchen zu backen, SL bei 538, 1. Ziel 620).
Argumente
Pro:
-Saisonalität
http://www.mike-kock.de/
-COT
http://snalaska.net/cot/current/charts/W.png
-Anziehende Basis bei Full Carry-Markt (Bauern verdienen durch Lagerung Geld)
-Fundamental: Unsichere Qualität der neuen Ernte
http://www.farmfutures.com/ME2/dirmod.asp?sid=F8F0FC025243413D80DEE92F3B36AD60&type=gen&mod=Core+Pages&gid=3EB0BCEF713D4DC3A4C8BB74F595A275
-Technisch (Widerstandszone zwischen 540 und 550)
Contra:
-Kommende Erntezeit
-Morgen großer Agrarbericht
-Sehr gute Aussaatbedingungen in Australien
Gibt es Meinungen hierzu ?
Gibt es Meinungen zum Zeitpunkt ? (Könnte der morgige Bericht großen Einfluss auf Weizen haben ? Wenn ja welchen ?)
@ peterg [#21]
Bin derzeit mit einem Long-Engagement bei Weizen vorsichtig.
Vor einem wichtigen Bericht bin ich nicht gerne groß investiert.
Weizen ist noch mehr als Mais oder Sojabohnen vom US-Dollar abhängig, und kurzfristig scheint der nicht zu fallen.
Gemäß den Seasonal Charts des MRCI ist zwar über 15 und 30 Jahre das Jahrestief um den 05.-10.07., über die letzten 5 Jahre ging es von Anfang Juli bis Mitte August gen Süden.
Falls es noch einmal hoch geht, beabsichtige ich aus dem Geld liegende Calls zu verkaufen.
Mit besten Grüßen, Ernest