Weizen weiterhin unter Druck
An der europäischen Leitbörse Matif in Paris zeigen die Pfeile für den Future auf Mahlweizen zur Lieferung im März 2013 nach unten. Heute, am 7. Januar, wurde dieser Kontrakt gegen 14:30 für rund 244 Euro/t gehandelt; das bedeutet einen Abschlag von gut 10 Prozent im Vergleich zum Preis von Ende November 2012. Seitdem verlaufen die Kurse in einem charttechnischen Abwärtstrend. Während der ersten Handelswoche des neuen Jahres war das Wechselkursverhältnis zwischen dem Euro und dem US-Dollar ein wichtiger Faktor für die Preisentwicklung. Und Charttechniker weisen aktuell darauf hin, dass das Währungspaar in den kommenden Wochen wahrscheinlich einen Trendwechsel vollziehen dürfte: Damit stünde der seit dem zweiten Quartal des Jahres 2011 anhaltende Abwertungstrend des Euro zur Disposition. Wenn sich tatsächlich ein Aufwertungstrend etablieren sollte, dann bedeutete dies eine Verteuerung von EU-Weizen im Export und somit zumindest von dieser Seite weiteren Preisdruck auf dem Binnenmarkt der Gemeinschaft.
Außerdem gehen die Fundamentalanalysten auch mit Blick auf das voraussichtliche Weltmarktangebot an Weizen im kommenden Wirtschaftsjahr 2013/14 mit Verweis auf eine wahrscheinlich steigende globale Anbaufläche bislang eher von sinkenden Weizenpreisen aus. So rechnet beispielsweise die Rabobank für das vierte Quartal 2013 mit einem Weizenpreis von 7,00 US-$/Scheffel (195 Euro/t). Heute, am 7. Januar, notierte Septemberweizen an der Warenterminbörse in Chicago gegen 7:00 Uhr Ortszeit noch für 7,78 US-$/Scheffel (216 Euro/t) und Dezemberweizen für 7,90 US-$ je Scheffel (220 Euro/t). Wenn die Analysten der Rabobank Recht haben, dann ist also mit einem weiteren Preisabschlag von bis zu 11 % zu rechnen. Vor diesem Hintergrund können Abschlüsse von Vorverträgen und Absicherungsgeschäfte an der Warenterminbörse für Teilmengen der neuen Ernte immer noch attraktiv sein. Für den Matif-Novemberkontrakt wurde bereits in der ersten Dezemberhälfte 2012 ein charttechnisches Verkaufsignal ausgelöst. http://www.Cereals-Value.de
Seit dem 4.12.2012 haben in den USA die kommerziellen Weizenverwerter ihre Longpositionen auf ca. 117000 Kontrakte (Futures und Options) verdoppelt!
Eine derartige Bewegung in dieser kurzen Zeitdauer ist in den letzten 6 Jahren ganz ungewöhnlich.
Eine ähnliche Veränderung sah man etwa im Sommer 2010 (Dürre in Russland).
Kann in diesem Forum jemand etwas dazu sagen?
Hat vielleicht BRE irgendwelche Informationen (Trockenheit in USA, La Nina?).
@ peterg [#2]
lt. Bloomberg waren diese Woche verdoppelte Exportverkäufe in den USA und eine weiter anhaltende Trockenperiode mit einer prognostizierten Dauer von 3 Monaten dafür verantwortlich. Die US Weizenernte soll nach Schätzungen um ca. 5% rückläufug sein, charttechnisch sei ein Boden gefunden. Gruss SPOMI
@ peterg [#2]
Die jüngste USDA-Schätzung zu den Weltagrarmärkten hat ein Umdenken ausgelöst. Bis Anfang dieses Jahres 2013 herrschte eine tendenzielle Abwärtsmentalität vor, die das erreichte Kursniveau angesichts der Versorgungslage für angemessen hielt und bereits große Erwartungen an die kommenden Ernten knüpfte. Wie üblich orientierte man sich an langjährigen Durchschnittsentwicklungen und ließ konkrete Faktoren weitgehend außer Betracht.
Dazu gehören die sehr schwachen Überhangbestände am Ende dieses Wirtschaftsjahres und die teils erkennbaren, teils noch völlig ungewissen Witterungsrisiken.
Die gegenwärtige Versorgungslage ist wesentlich knapper einzustufen als es in den aktuellen zukunftsorientierten Börsenkursen zum Ausdruck kommt. Ein wichtiges Indiz dafür sind die Kassakurse, die sich von den Börsenkursen nach oben abgesetzt haben. Hintergrund ist die Beobachtung, dass die tatsächlich lieferbaren Warenmengen in den Vorratssilos nur begrenzt zur Verfügung gestellt werden.
In Südamerika weist man darauf hin, dass die Maisaussaat in Argentinien infolge Dauerregens erheblich verzögert stattgefunden habe und dadurch Höchsterträge unwahrscheinlich sind. Seit ca. 8 Tagen ist es in wichtigen Anbaugebieten trocken geworden. Jetzt ist die Zeit der entscheidenden ertragsbildenden Phase für Mais und demnächst Sojabohnen. Die Wettervorhersagen prognostizieren für die nächsten 14 Tage keine ergiebigen Niederschläge. Die Temperaturen bewegen sich etwas oberhalb von 30 Grad Celsius. Erst Ende Jan-13 wird wieder mit Regen gerechnet. Argentinien ist nach den USA der zweitgrößte Maisexporteur. Ob die „kleine“ Maisernte in Brasilien einen ausreichenden Ausgleich schafft, ist noch offen. Die indischen Weizenexporte könnten für etwas Luft sorgen.
Ein entscheidender Grund liegt auch in den sog. „mobilen“ Überhangbeständen der 7 wichtigsten Exportländer. Mit nur 85 Mio. t fällt die Versorgungslage im Vergleich zum bisherigen Höchstpreisjahr 2007/08 nochmal um 30 Mio. t kleiner aus. Entsprechend gering ist die Risikoabfederung.
Dem Grunde nach erkennbare Beeinträchtigungen der kommenden Ernten sind bereits im südlichen Russland und auf der Krim mit beachtlichen Auswinterungsschäden festzustellen, beide Gebiete mit starker Exportorientierung.
Der schwache Winterweizensaatenstand in den USA ist hinlänglich bekannt. Sorgen macht die anhaltende Trockenheit im Hinblick auf eine ausreichende Auffüllung der Bodenwasservorräte im corn belt der USA. (siehe Vorschau des Climate prediction Center)
Verunsicherungen im Hinblick auf die chinesische Versorgungssicherheit gehen auch von den steigenden chinesischen Weizenpreisen aus. Wie sicher sind die Ernteergebnisse? Die chinesischen Endbestände liegen knapp unter der Schwelle von 35 % stock to use ratio, üblicherweise ein Signal für zusätzliche Importaktivitäten.
Ins Bild passen auch die wegen Überschwemmungen nicht bestellten Wintersaaten (30 %) in Großbritannien, auch wenn ihre Bedeutung begrenzt ist.
Für 2013/14 ist eine überdurchschnittlich große Ernte erforderlich, um einen verringerten Wachstumsbedarf (weniger Mais für US-Bioethanol, weniger Futter für einen verringerten Tierbestand) zu befriedigen. Eine nur knapp durchschnittliche Ernte allein reicht nicht aus, um von der derzeitigen angespannten Versorgungslage wegzukommen.
Die hohen Erwartungen an die kommenden Ernten werden mit fortschreitender Entwicklung zunehmend in Frage gestellt. Die Ernte- und Preisrisiken 2013/14 sollte man nicht unterschätzen! Größere Ernteausfälle in 2013/14 hätten angesichts der Ausgangslage beachtliche Preisreaktionen zur Folge.
MfG Bre
@ Bre
Vielen Dank an einen excellenten Schreiber!
JBH