Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Weizen: Weltweit steigende Nachfrage

Weltweite Weizennachfrage steigt laut EU-Kommission

Agrarheute.com / pd, Brüssel (14.11.09) - Auf dem Weltmarkt wird mehr Weizen als in den Vorwochen nachgefragt. Dies berichtete die EU-Kommission gestern im Verwaltungsausschuss in Brüssel.

Als Zeichen führte die Kommission die Weizenpreise an den US-Börsen heran, die zum ersten Mal in der Saison angezogen sind. Der soft red winter hat sich seit dem 29.10. um USD 21,- pro Tonne verteuert und kostete am Donnerstag USD 209,86 pro Tonne fob Golf. Der hard red winter zog in diesem Zeitraum um USD 17,- pro Tonne an. Größere Weizenmengen kaufe Ägypten weiterhin in Frankreich, berichtete die Kommission. In der EU verstärkt sich die Nachfrage infolge der Weizen-Ausfuhrlizenzen.

In der Woche zwischen dem 28.10. und dem 03.11. wurden in Brüssel Lizenzen für 220.000 Tonnen beantragt. In der darauffolgenden Woche verdoppelte sich die Menge auf 415.000 Tonnen Weizen. Für die Belebung der Gerstenausfuhren gibt es hingegen keinerlei Anzeichen. In der EU wurden ferner seit der Eröffnung der Intervention 950.000 Tonnen Getreide angeboten. Kaum Auswirkungen hatte die öffentliche Lagerhaltung jedoch bisher auf den österreichischen Gerstenmarkt. Unverändert bleiben zudem die Weizenpreise an der heimischen Börse.

Erste Interventions-Million fast erreicht

Seit der Eröffnung der Intervention wurden in der EU 950.000 Tonnen Getreide angeboten. Von dieser Menge entfallen 854.000 Tonnen auf Gerste und 96.000 Tonnen auf Weizen. Das meiste Getreide wird in Deutschland interveniert (276.000 Tonnen), gefolgt von Frankreich mit 159.000 Tonnen, der Slowakischen Republik mit 101.000 Tonnen, sowie Finnland und Ungarn mit jeweils 87.000 Tonnen. In Österreich summieren sich die Andienungen auf 11.000 Tonnen Gerste. Weizen wird in osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten mit hohem Transportkostenanteil beim Export interveniert. Die Kommission meinte im Ausschuss, sie habe mit solchen Mengen in der öffentlichen Lagerhaltung gerechnet.

Bisher kaum Auswirkungen auf österreichischen Gerstenmarkt

Eher wirkungslos blieb die Intervention bisher für den österreichischen Gerstenmarkt. Knapp 11.000 Tonnen wurden zwar laut AMA von der Eröffnung der Interventionsperiode am 01.11. bis zum Donnerstag dieser Woche bereits angedient, allerdings noch kein einziger Lagervertrag unterzeichnet und noch kein Kilogramm übernommen. Denn entweder, sagen die Lagerhalter, seien ihre Silos voll oder die von der EU gebotenen Lagersätze zu niedrig, und nationale Lagerkostenzuschüsse würden auch nicht gewährt.

Riskanter Poker um Futtergetreide

Die Weizenpreise in Österreich und ihre Wiener Notierungen blieben auch diese Woche bei einem relativ dünnen Geschäftsfluss unverändert. Die Mühlen sind offensichtlich für das Weihnachtsgeschäft und über den Jahreswechsel hinweg weitgehend mit Rohstoff gedeckt. Im Handel heißt es, dank des Nachfrageschwunges im Oktober liege die Vermarktung von den Mengen her wieder im Plan. Am Futtergetreidemarkt läuft aber offenbar ein riskanter Poker der Lagerhalter: Die von den Verarbeitern gerade noch akzeptierten und von Anboten aus dem benachbarten Ausland abgeleiteten Preise für Futterweizen und zuletzt auch Körnermais, wie sie in den jüngsten Notierungen an der Wiener Produktenbörse zum Ausdruck kommen, lösen dem Vernehmen nach aber bei den Anbietern noch immer keine Abgabebereitschaft aus. Diese schrauben stattdessen ihre Preisvorstellungen weiter in die Höhe.

Mais und Futterweizen

Die Erstnotierung von Futtermais an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche weist ein Preisband von 108,- Euro bis 109,- Euro pro Tonne ab Station aus. Damit notiert Mais - dieser sogar deutlich - ebenso wie Weizen zurzeit unter der europäischen Leit-Warenterminbörse Euronext.Liffe in Paris. In der Branche heißt es, die Pariser Terminnotierungen seien momentan aber "weit weg und nur wenig aussagekräftig für die Marktverhältnisse in der zentraleuropäischen Binnenlage". Somit, so hört man aus der Mischfutterbranche, würden bei Mais und Futterweizen zurzeit nur spärliche Aufkäufe im Inland getätigt und anscheinend alternative Importe überlegt. Umso mehr findet zurzeit aber die vergleichsweise noch immer billigere inländische Futtergerste ihren Weg in Mischfutterrationen, was diese Woche zu einer weiteren leichten Preisbefestigung geführt hat. Damit riskieren die Lagerhalter von Mais aber, auf ihrer Ware sitzen zu bleiben, sollten die Mischfutterwerke ihren Jahresbedarf aus alternativen Rohstoffen decken.

(Quelle: http://www.agrarheute.com/?redid=322838)

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
Graintrader
Mitglied seit
12 Jahre 1 Monat

@ Richard Ebert [#1]

Sehr interessant. Weil in einem Teil der Welt die Preise steigen, folgert die Kommission messerscharf, dass der Verbrauch steigt. Ob das nun wirklich Vertreter der Kommission waren oder ihnen die Aussage in die Schuhe geschoben wurde - die Preise sind mit Sicherheit nicht wegen eines höheren Verbrauchs gestiegen (man möge mir bitte den Markt zeigen, der mehr verbraucht !). Ursache waren "lediglich" ein Mix aus Fond Käufen (entweder zur short Abdeckung oder neue Positionsbildung), ein schwacher US Dollar und eine allgemeine Stärke im Commodity Markt. Dies bringt natürlich immer wieder Leute dazu aus Markttendenzgründen einzusteigen.
Dann noch zu behaupten, dass grössere Weizenmengen aus Frankreich nach Ägypten gehen, ist eine Veralberung der Allgemeinheit. Gerade erst wieder sind 295.000 to russicher Weizen nach Ägypten gelaufen. Die Menge, über die ex Frankreich berichtet wird liegt schon einige Zeit zurück und war auch nicht sehr groß. Die Ausfuhrlizenen bewegen sich im normalen Bereich und beinhalten eher das traditionelle Kleingeschäft nach Nordafrika und Co.
Schlimm wird es, wenn ohne wirkliche Ahnung Schlagzeilen verbreitet werden, die zu völliger Irritation führen können.
Denn eines ist sicher - es fehlen uns mindestens 10 Mio to Exportnachfrage, um eine vernünftige Entlastung bekommen. Aber die ist nicht da und kann auch nicht herbei "geschlagzeilt" werden.

paul
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Graintrader [#2]

Ich kann Ihrer Argumentation gut nachvollziehen, trotzdem, der Weizenpreis befindet sich im Aufwärtstrend. Und wenn Sie überzeugt sind, daß der Überfluss in der EU zu wieder fallenden Preisen führt, dann können Sie heute in Paris Maiweizen für 137 €/to verkaufen.

Aus charttechnischer Sicht steigt der Preis in nächster Zeit an.
Ich stehe seit acht Wochen auf der long- Seite.

Gruß Paul

Graintrader
Mitglied seit
12 Jahre 1 Monat

@ paul [#3]

Habe ich auch verkauft, weil der beste Chart wird irgendwann von der Realität
eingeholt :-))

paul
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Graintrader [#4]

Als wir vor 2 Jahren die Preisexplosion beim Weizen hatten, war vieles am Anfang auch nur Chartechnisch, erst als einige Staaten z.B. Indien die ersten Schiffsladungen Weizen tatsächlich als echte Ware zu den hohen Handelspreisen orderten, wurde auch am Kassamarkt der Börsenpreis zur Norm.

Außerdem wird der Preis in Europa die Entwicklung auf dem Weltmarkt immer mitmachen, da ist es egal ob Russland oder Frankreich in die Importstaaten liefert.
Warum sollten da bis zum Frühjahr nicht auch mal 160 €/to drin sein.

Gruß Paul

Graintrader
Mitglied seit
12 Jahre 1 Monat

@ paul [#5]

Ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und es können immer Umstände eintreten, die kurzfristig ein Bild verändern.

Höhere Preis können zwar in einem kurzen Zeitraum durch die Charttechnik entstehen, weil halt die Gläubigkeit da ist. Nur ist es doch ziemlich klar, dass dem auch ein gesunder Unterbau in Folge einer realen Mehr - Nachfrage entstehen muß. Sonst ist es so, wie mit der Abwrack Prämie - nach Auslaufen der Subvention (Chart) orientiert sich der Hurs wieder an den tatsächlichen Gegebenheiten.

Zudem sollte man bedenken, dass die jetzige Entwicklung ausschliesslich auf das Kaufverhalten von Fonds bedingt durch den schwachen Dollar zurückzuführen ist. Sollten diese mal wieder anderer Meinung werden, Positionen umschichten oder Gewinnmitnahmen durchführen, sind wir schneller wieder unter, als die meisten gucken können.

Solange wie wir auf der Welt mehr als genug Weizen haben, gibt es für Importländer keinen Grund zu hohen Preisen zu kaufen. Bestes Beispiel ist der gestrige Verkauf von Weizen aus der Türkei (normalerweise ein klassischer Importeur) mit sensationell niedrigen Preisen (€ 108 fob Hafen).

Und die EU ist gehandikapt durch den noch bestehenden Interventionspreis, so dass die Dumpingpreise ex Ostblock keinesfalls mitgemacht werden können.

So bleibt es dabei, dass wir unseren Weizen weitestgehend in Europa vermarkten müssen. Die Frage bleibt nur - wo ?

10 - 12 Mio to zusätzlich in den Verbrauch zu schieben, spricht nicht für eine Preissteigerung.

Trotzdem ist es für jeden interessant, der sich nicht mit physischer Ware auseinandersetzen muß, den Chart über die Börsen zu handeln. Es gibt derzeit eben zwei Märkte !

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?

Sie haben Fragen zu ZMP Live? Unser Team steht gerne hilfsbereit zu Ihrer Verfügung. Senden Sie uns gerne eine Nachricht:

Es gilt unsere Datenschutzerklärung