Richard Ebert
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Wird Stroh knapp und teurer als Heu ?

Wird Stroh knapp und teurer als Heu ?

LWK Niedersachsen, Hannover (09.01.13) - Der starke Anstieg des Strohpreises nach der Getreideernte 2007 war durch die Angebotsverknappung aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen während der Getreideernte induziert. Wenn wie jetzt aber schon im Vorfeld der neuen Ernte intensiv darüber diskutiert wird, dass das verfügbare Stroh nicht reichen könnte, steigt schon mal der Preis. Dieser Trend wird eventuell sogar noch weiter befeuert durch die Spekulanten, die immer dort zu finden sind, wo sich vielleicht kritische Situationen ergeben könnten. Eines aber bleibt: Der Mindestpreis für Stroh wird sich weiterhin aus den Kosten des Nährstoffentzuges und den Bergungskosten bis zum Übergabeort bilden. Wer langfristige Geschäftsbeziehungen auf diesem Markt sucht und nicht den schnellen Euro, der sollte den angemessenen Strohpreis unter Berücksichtigung eines individuellen Zuschlages weiterhin unter Anwendung des nachfolgenden Schemas kalkulieren.

Als Basis für die Preisfindung beim Strohverkauf wurde früher meist der Wert für die durch die Strohabfuhr entzogenen Nährstoffe herangezogen, auf die bei Verkauf als Ballen vom Feld, angeliefert an ein Lager bzw. sogar aus dem eigenen Lager heraus dann noch die oft nur grob geschätzten Maschinen- und Lagerungskosten hinzu gerechnet wurden. Seit ein paar Jahren hat sich die Mentalität gewandelt. Die alte Praxis, sich darauf zu verlassen, Stroh quasi immer „on time“ günstig kaufen zu können und die Verkäufer auf Teilen der Lagerkosten sitzen zu lassen, wird zunehmend unsicherer. Da in der Ernte 2007 die Witterungsbedingungen für die Strohbergung ungünstiger als normal waren, wurde damals deutlich weniger Stroh gepresst als sonst. Die sonst üblichen Lagerbestände wurden abverkauft und wenn Lager erst einmal leer sind, muss deutlich mehr produziert werden als verbraucht; doch warum sollten Strohlieferanten erneut Bestände aufbauen, um sie möglicherweise dann zu niedrigen Preisen wieder abgeben zu müssen – am Strohverkauf war ja bislang nicht gerade gut zu verdienen.

Der nachfolgende Beitrag bleibt zwar für die Ermittlung eines angemessenen Strohpreises auch auf der kostenorientierten Kalkulationsebene, da sich aber die Nährstoff- und die Maschinenkosten doch deutlich geändert haben, erscheint eine Überarbeitung mit aktuellen Werten angebracht. Nur so lässt sich vermeiden, das Stroh unter Fortschreibung der früheren Beträge, die vielleicht aus alter Gewohnheit oder wegen der langjährigen Beziehungen, nun weiter zu einem Preis abgegeben wird, der aufgrund der gestiegenen Nährstoff- und Maschinenkosten nunmehr deutlich unter einem kostendeckenden Ansatz liegt..

Stroh ab Feld ist wieder deutlich teurer

Wer sich mit der Strohbergung nicht zusätzlich belasten möchte, weil er in der Zeit ohnehin durch Arbeitsspitzen gut ausgelastet ist und mangels eigenen Strohbedarfes sowieso nicht mehr über entsprechende Bergetechnik verfügt, kann das Stroh – wie bereits vielfach üblich – ab Feld zum „selber Pressen“-Preis verkaufen. Dennoch sollte er sich zumindest den Wert der durch die Abfuhr entzogenen Nährstoffe erstatten lassen.

Die pauschale Festlegung der Nährstoffgehalte gestaltet sich schwierig, da die entsprechenden Untersuchungsergebnisse hier Streubreiten von bis zu 100% in Abhängigkeit von Düngungsverhalten in den letzten Jahren, der Fruchtfolge, der Getreideart und auch der Bodenart aufweisen. Ausgehend von den in der Übersicht 1 dargestellten Pauschalwerten für die angenommenen durchschnittlichen Nährstoffentzüge von 5,5 kg Stickstoff, 3,5 kg Phosphat, 18 kg Kaliumoxid und 2,5 kg Magnesiumoxid pro t Stroh und einer durchschnittlich zu bergenden Strohmenge von 5,4 t pro Hektar (8,5 t/ha Kornertrag, 1:0,85 Korn-Stroh-Verhältnis und 75% Bergungsquote) ergeben sich z. T beträchtliche zusätzliche Nährstoffentzüge, die zu bewerten und auch auszugleichen sind. Diese Entzüge machen sich zwar sicher nicht sofort, aber vermutlich bereits mittelfristig über den verringerten Bodenvorrat in Form von Ertrags- und/oder Qualitätseffekten bemerkbar, so dass ein Ausgleich, z. B. über entsprechende Zufuhren an mineralischen Düngern, sinnvoll erscheint. Werden dafür in einer am unteren Limit orientierten Bewertung die Kosten der preiswertesten mineralischen Düngemittel und die Kosten eines Arbeitsganges für deren Ausbringung in Ansatz gebracht, so beläuft sich allein der Nährstoffwert auf 27,54 €/t Stroh und damit bei 5,4 t Strohentzug pro Hektar schon auf fast 150 € pro Hektar, genau wie die nachfolgenden Berechnungen alles brutto inklusive der jeweiligen Umsatzsteuer. Wer dann auch noch etwas daran verdienen will (25% Gewinnaufschlag), muss seinen Verkaufspreis schon mit 186 €/ha kalkulieren. Ausnahmen können sich hier ergeben wenn die durch die Strohabfuhr entzogenen Nährstoffe günstiger als durch die Gabe von Mineraldünger ersetzen lassen.

(Quelle und sehr ausführlich weiter lesen: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/360/article/21106.html )

Geschrieben von Richard Ebert am
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