Monetäre Staatsfinanzierung führt zu Hyperinflation?

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Monetäre Staatsfinanzierung führt zu Hyperinflation?
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https://makroskop.eu/2018/02/wirtschaftspolitik-und-die-modern-monetary-...

Die Finanzierung von Haushaltsdefiziten durch die monetäre Staatsfinanzierung führt zu Hyperinflation und schränkt die Kreditaufnahme privater Investoren ein. Eine Analyse der Funktionsweise moderner Geldsysteme entlarvt solche Aussagen als das, was sie sind: neoliberale Mythen.

Jared Bernstein bezieht sich zustimmend auf einen älteren Artikel Paul Krugmans, in dem dieser sich kritisch mit der Modern Monetary Theorie („MMT, again“) auseinandersetzt. Bernstein übernimmt weitgehend dessen Kritik an der MMT:

  1. „Ein Defizit, das durch die Zentralbank finanziert wird, ist inflationärer als ein durch die Emission einer Anleihe finanziertes Defizit.“
  2. „Ein über die Zentralbank finanziertes Defizit führt zu einer Hyperinflation.“
  3. „Wenn Konsumenten mit Inflation rechnen, tendieren sie dazu, kein „Bargeld“ zu halten. Das führt zu Preiserhöhungen, was die Regierung dazu veranlasst, mehr Geld zu drucken, um an reale Ressourcen zu kommen, was wiederum eine höhere Inflation nach sich zieht.“
  4. Wenn also die Regierung versucht, ohne die Emission von Anleihen Ausgaben zu finanzieren, „wird die Währung zerstört. Dies würde nicht passieren, solange die Regierung in der Lage ist, ein solches Defizit durch die Begebung Anleihen zu finanzieren.
  5. „Die MMT-Leute irren sich einfach, wenn sie glauben, dass die einzige Frage, die man sich im Zusammenhang mit einem Haushaltsdefizit stellen muss, sei, ob es zur richtigen Menge an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage führt; selbst in einem Fiat-Money-System spielt die Finanzierbarkeit eine wichtige Rolle.“
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Hallo Benedikt. Guten Morgen.

Ob eine Zentralbank Staatsdefizite "direkt" finanziert, oder ob sie erst den Umweg über "Staatsanleihenankauf" wählt hat meines Erachtens nur den Unterschied, dass man auf zweitem Weg Zeit gewinnt, da die "Direktfinanzierung" ja vor dem breiten Marktpublikum "versteckt" werden kann.

Wenn sich ein Staat am freien -ohne Eingriffe in die dort bestehende Balance von Angebot und Nachfrage- Markt Geld "über seine Verhältnisse hinaus" beschaffen will, so werden die Zinsen dementsprechend steigen, da die Nachfrage nach Kapital am Markt immer weiter steigt. Dies ist sicherlich nicht inflationsfördernd, da der Staat die entsprechenden Mittel für Tilgung und Zinszahlung über Steuern und Einsparungen aufbringen muss. Das Geld behält damit seinen Charakter als stabiles Zahlungsmittel.

Beschafft sich aber ein Staat Kapital über die Ausgabe von Staatsanleihen am Markt, diese aber umgehend von der Zentralbank aufgekauft werden, um die Zinsen dauerhaft niedrig zu halten -also die Balance zwischen Angebot und Nachfrage zu verzerren-, wird der Staat keine Einsparungen vornehmen müssen, auch kann er eventuell auf Steuererhöhungen verzichten und sogar Steuern senken um die Wirtschaft zu stimulieren. Durch solche Eingriffe verliert Geld allerdings seinen Charakter als stabiles Zahlungsmittel, da ja der Preis für Geld nicht mehr realistisch am Markt bestimmt wird.

Die Staatsanleihen verschwinden in der Bilanz der Staatsbank, dem grossen Geldschwamm. Jeder weiss, das ein leichter Druck auf einen grossen vollgesogenen Schwamm genügt um eine Wasserpfütze zu erhalten.

Mir scheint, dass viele Marktteilnehmer den Knall immer noch nicht vernommen haben......

Viele Grüsse.

 

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Ich denke, die Luft wird noch
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Ich denke, die Luft wird noch lange nicht abgelassen.
Buffet hatte vor zehn Jahren mal langlaufende Optionen auf die führenden Indices gekauft.
Der wusste schon, was er tut.
Deswegen hatte ich meine Aktien so lange gehalten.
Das Spiel kann so lange noch weitergehen, wie sich nichts ändert.

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Ich stelle halt immer fest das Du auf Gegenargumentation nicht antwortest. 

Von einer Pleite sind die USA oder WIR doch noch weit weit entfernt.

Allein die Tatsache das in Deutschland das Vermögen des Staates (Immobilien, Beteiligungen usw.) ca 3 Bio Euro beträgt und die Verschuldung 2,6 Bio ist man von einer Überschuldung doch weit entfernt. Das die Schuldenquote bei 70 Prozent notiert (im Verhältnis zum BIP) und bei den AMIS aktuell bei 100 zeigt doch ebenfalls das das immer herbeizitierte Szenario des Pleitestaates weit von der Realität entfernt ist.

Das Szenario eines Staates wie Jugoslawien mit Staaten einer Wirtschaftskraft von Deutschland oder USA zu vergleichen ist wie Maus und Elephant.

 

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Was mich persönlich noch interessieren würde ist wie sich damals in jugoslawien die 

Löhne  entwickelt haben.  Konnten sie sich der Inflationsrate anpassen, oder blieben sie gleich ?

 

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Guten Morgen Benedikt.

In der jetzigen -aktuellen- Situation sind die führenden Industriestaaten freilich weit von einer "Pleite" bzw. einem "Staatsbankrott" entfernt.

Versteh mich bitte nicht falsch - aber ich kann nicht auf die Gegenargumente antworten, da diese ja -im aktuell gegebenen Umfeld- stimmen. Worauf ich aber warnend hinweisen will ist, dass dieses aktuelle "künstlich geschaffene Umfeld" nicht bis in alle Ewigkeit aufrechterhalten werden kann, da zum Zeitpunkt x die Rechnung präsentiert "werden" wird.

Du hast Recht - die aktuellen Daten zu Staatsvermögen vs. Verschuldung vs. BIP zeigen nichts von bedrohlich nahem Staatsbankrott.

Aber.....

....dieser aktuelle Zustand wurde meines Erachtens "künstlich" hergestellt. Direkte Eingriffe seitens der Zentralbanken in das freie Marktgeschehen. Flutung mit Liquidität, QE, ultra-niedrige Leitzinsen...etc.

Wie würde es heute mit der Bewertung von Staatsvermögen vs. Verschuldung vs. BIP aussehen, wenn sich die Zentralbanken seit 2008/2009 aus dem ganzen damaligen Schlamassel herausgehalten hätten ? Das ganze schuldenbasierte Kartenhaus wäre wohl schnell in sich zusammengefallen, mit all den schlimmen Konsequenzen auch für das Staatsvemögen, die Verschuldung und das BIP......

...und wo sind wir heute ? Die Leitzinsen "dürfen" nicht soweit steigen, wie sie eigentlich steigen müssten, um wieder in einen "normalen Bereich" zu kommen, da dadurch die Staatsschulden "unfinanzierbar" werden. Jeder kann sich das ausrechnen.

Wiegesagt Benedikt, bitte nicht missverstehen, aber das ist nunmal meine Meinung bzw. meine Sicht auf die Zukunft. Du analysierst das Jetzt unter den gegebenen Umständen aber absolut richtig. Daher habe ich keine konträre Antwort darauf, da Du ja Recht hast.

Mein Standpunkt ist aber, dass die aktuell stabilen gegebenen Umstände auf sehr tönernen Füssen stehen. Die Staatsschulden sind offensichtlich "nicht mehr" am freien Markt (!) finanzierbar - deshalb die "Hilfe" der Zentralbanken. Die Zinsen bzw. Finanzierungskosten werden nach Gutdünken von den Zentralbanken in die gewünschte sehr niedrige Preislage gebracht.

"Normal" ist das -auch im Rückblick auf die Finanzierungspraxis vor 2007- nicht......und eine Wirtschaft, die mit Ausnahmeregelungen mit Ausnahmekonditionen läuft hat "leider" eine fragile Basis. Wie stabil ist solch eine Basis, wenn ein neuer ökonomischer Schock in der Zunkunft auftreten sollte. Wie können Zentralbanken darauf reagieren als die Zinsen noch weiter zu senken und da hier schon der Boden erreicht ist, wohl neue QE Massnahmen durchzuführen um damit ihre Bilanzen noch weiter aufzublähen.

Rosige Aussichten sehen meines Erachtens anders aus....

Um noch auf Dein zweites Posting zu antworten. Die Löhne entwickelten sich in YU in den 1980er Jahren negativ. Lohnsteigerungen blieben immer hinter der Inflationsrate zurück, sodass ein Einkommensverlust eintrat, der die auf 100 indexierten Löhne in den 1970ern auf einen Wert zwischen 60-70 fallen liess. Das war das Ergebnis von Leben auf Pump während der "goldenen" 1960er und 1970er Jahre. Die Rechnung wurde dann Anfang der 1980er präsentiert.

Naja, die ganzen Diskussionen bringen etwas Aktivität in das Forum - gibt eventuell auch neue Denkanstösse und Ideen. Machen wir das Beste daraus......

Schönen Tag noch und viele Grüsse.

 

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marktbeobachter

Ich verstehe Deine Argumentation schon, keine Frage, und ist auch ok so.

Das irgendwann diese Art der aktuellen Finanzpolitik kippen kann ist ebenso klar, alledings und das musste ich auch lernen sind die neoliberalen Zäpfchen ordentlich vorhanden die man nachwievor in den Arsch des Kapitalismus stecken kann.

Das Problem ist nicht das Ende vorherzusehen, das Problem ist den Zeitpunkt zu erkennen und dann auch danach zu handeln.

Die Beste Idee und der Beste Gedanken sind an der Börse einen Dreck wert wenn Sie zum falschen Zeitpunkt plaziert werden. Es nützt niemand Recht gehabt zu haben und dabei am Ende Pleite zu sein.

Alles wäre einfacher auf der Welt wenn wir die Profite aus der Produktivität gerechter aufteilen würden. Leider ist das nicht mehr als ein nobler Gedanke in einer verkommenen Welt.

 

 

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auch Pensionskassen in USA
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auch Pensionskassen in USA und EU wären noch viel Ärger in den Miesen, wenn die Indices tiefer liegen würden. bis jetzt konnte man die Performance durch sinkende Zinsen und damit steigende Anleihe Bewertungen schön positiv darstellen. wenn die Zinsen jetzt langsam steigen gehen die Indices runter und die Anleihekurse ebenfalls. das wird kaum durch die kurzen höheren Zinsen inUSA kompensiert werden. die Leidtragenden sind damit die Pensionisten. diese werden so wie nach 2008 ordentlich über deutlich verringerte Pensionszahlungen neben 0 Zinsen am Sparbüchl geschoren werden. das ist die andere Seite der niedrigen Zinsen auf Anlegerseite und mal nicht von der Staatschuldverspektive, sagt SPOMI.

 

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"neoliberalen Zäpfchen ...
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"neoliberalen Zäpfchen ... stecken"

Zäpfchen bedeutet Aktion, man tut etwas. Und ja, die Zentralbanken tun und machen.

Neoliberal bedeutet totale Freiheit, man läßt die Dinge sich frei entwickeln.

Ein Widerspruch in sich.

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@zorrie
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@zorrie

Ich denke, das war metaphorisch gemeint.

Neoliberal bedeutet auch nicht totale Freiheit, sondern nur "Freiheit", bis zum Marktversagen, spätestenss hier greift nach Lehrbuchtheorie der Staat ein.
Eine Theorie, die es in der Realität nicht gibt
In der Realität regiert immer der Kapitalismus, mit vorgetäuschter Neoliberalität.
Das sind die angeblichen Zäpchfen.
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Der Politikwissenschaftler
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Der Politikwissenschaftler Wolfgang Krumbein hat ein Buch geschrieben, das die monetäre Staatsfinanzierung als ein Steuerungsinstrument für eine soziale und ökologische Produktionsweise identifiziert. Ein Buch, dem schon deshalb viele Leser zu wünschen sind.

 Die historischen Evidenz belegt, dass die Standardbehauptung, die monetäre Staatsfinanzierung würde in Übereinstimmung unweigerlich zu Inflation führen, falsch ist. Sie belegt damit aber auch, dass die auf der sogenannten Quantitätstheorie basierenden Inflationstheorie unhaltbar ist.

https://makroskop.eu/2018/03/staatsfinanzierung-durch-notenbanken/

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