Scheisse, schon wieder hat er Recht.

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Scheisse, schon wieder hat er Recht.
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Ich lesen den Mist in den Mainstreammedien schon lange nicht mehr. Warum soll man sich mit ökonomischen

Dünnbrettbohrern befassen wenn es Leute gibt deren ökonomische Kompetenz weit über den Tellerrand hinausgeht.

Die Lage in Europa wird jetzt durch Italien wirklich ernst, ernster als man sich das im Moment noch vorstellen kann.

 

 

https://makroskop.eu/2018/05/o-bella-ciao-bella-ciao-bella-ciao-ciao-ciao/

 
Von Heiner Flassbeck

Die Dummheit des Nordens in Sachen Schulden trifft Italien schon wieder ins Mark und provoziert noch radikalere „Lösungen“. Wann wird man jemals verstehen?

Ob Petra Gerster wohl wusste, was sie sagte, als sie gestern in der heute-Sendung des ZDF den ersten Beitrag zu Italien mit dem Satz (hier) einleitete, Italien habe derzeit 2300 Milliarden Schulden und die neuen Populisten, die in Rom an die Macht gekommen seien, wollten tatsächlich teure Reformen durchführen. Ihr Kollege Claus Kleber meinte wenig später in seiner unvergleichlichen Mischung aus Ignoranz und Arroganz sogar, dass man die Italiener jetzt von Brüssel aus „an die Kandare“ nehmen müsse, wenn die Eurozone Bestand haben solle.

In diesen Tagen feiert die makroökonomische Dummheit wieder fröhliche Urständ. Und es Dummheit zu nennen, ist keine Über- sondern eher eine Untertreibung. Natürlich ist es immer noch die Dummheit der schwäbischen Hausfrau, die partout nicht verstehen will, dass es keine Verbesserung einer Wirtschaftslage irgendwo geben kann, ohne dass die Schulden steigen. Sie will insbesondere nicht verstehen, dass sich auch in Deutschland die Wirtschaftslage nur bessert, wenn die Verschuldung steigt. Im deutschen Fall ist es allerdings die Verschuldung des Auslandes, die dabei benötigt wird. Die ist uns aber wurscht egal, über die regen wir uns nur auf, wenn wir – oh Schreck – auf einmal feststellen, dass die anderen noch höher als zuvor verschuldet sind.

Es wird wirklich gefährlich

Bisher war das zwar für aufgeklärte Menschen Grund, über die politische und gesellschaftliche Ignoranz in volkwirtschaftlichen Fragen zu klagen, aber jetzt ändert sich die Bedeutung dieser Debatte grundlegend. Denn jetzt artet die von den Medien massiv verstärkte kollektive Dummheit im Norden Europas in eine politische Kontroverse aus, die nicht nur Europa, sondern vermutlich die Demokratie schlechthin massiv beschädigen, wenn nicht am Ende sogar zerstören wird.

Was da an Unsinn in den „hochmoralischen“ und „hochgesetzestreuen“ Ländern des Nordens jeden Tag hinaus posaunt wird, trifft diesmal nämlich nicht auf eine naive und am Ende willfährige Klein-Regierung wie in Griechenland. Diesmal trifft es auf eine Regierung in einem großen Land, die von den Bürgern explizit gewählt wurde, um die europäische Einbindung Italiens zu überprüfen und auch explizit in Frage zu stellen für den Fall, dass sich mit Brüssel keine Änderung dieser Einbindung verhandeln lässt. Und es trifft – jedenfalls auf Seiten der Lega – auf eine Partei, die über die ökonomische Kompetenz verfügt, sich mit dem traditionellen Europa auch intellektuell zu messen, was nichts anderes heißt, nördliche Dummheit auch offen als Dummheit identifizieren zu können.

Wenn die „Rechtsradikalen“ zur Radikalität getrieben werden

Noch entscheidender wird sein, dass die Lega mit Matteo Salvini über einen Vorsitzenden verfügt, der die Chuzpe und die Brutalität besitzt, sich nicht von den Brüsseler Bürokraten und den Diplomaten der anderen Länder ins Bockshorn jagen zu lassen. Für ihn kann Widerstand aus Nordeuropa nur bedeuten, auf die nächste Gelegenheit zu setzen, nämlich Neuwahlen, um so stark zu werden, dass ihn nördliche Attribute wie „fremdenfeindlich“ und „rechtsradikal“ überhaupt nicht mehr interessieren müssen.

Ich will nicht wiederholen, was ich an anderer Stelle zur wirtschaftlichen Situation in Italien und zu dessen Perspektiven gesagt habe (hier und hier zur politischen und zur wirtschaftlichen Lage vor allem hier).  Dass man sich jedoch im Norden weigert, über berechtige Anliegen des Südens auch nur nachzudenken, hat die Lage dahin gebracht, wo sie heute ist. Das war klar vorhersehbar. Am 5.12. 2016 schrieb ich:

„Dadurch, dass Deutschland mit dem Beharren auf den unsinnigen Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes aus rein ideologischen Gründen auch den nachfrageseitigen Weg aus der Krise blockiert, gibt es schlicht keinen Weg aus der Krise. …

 Die Ausweglosigkeit der europäischen Krise ist der direkte Weg in den Nationalismus. Daher ist es keine Übertreibung zu sagen, dass Deutschland den Nationalismus im Süden unmittelbar zu verantworten hat. Den im Norden hat es mittelbar zu verantworten, weil erst das Leugnen jeder deutschen (und österreichischen) Schuld den Weg für die rechten Parteien öffnet, frech zu behaupten, die Faulen im Süden würden uns Produktiven im Norden nur auf der Tasche liegen.

 Nun muss man nur noch im Lichte dessen anschauen, wie selbstgerecht die deutsche Politik und die deutschen Medien mit der europäischen Frage und der deutschen Schuld umgehen. Dann kann man verstehen, wie groß in ganz Europa die babylonische Sprach- und Sachverwirrung ist. Die sachlichen Zusammenhänge in eine Form zu bringen, die es der Politik erlaubt, wenigstens einige Schritte in die richtige Richtung zu machen, ist eine Aufgabe von herkulanischem Ausmaß. Das italienische Beben wie den Aufstieg des österreichischen Nationalismus hätte man mit etwas Weitsicht und Einsicht verhindern können. Doch Weitsicht und Einsicht ist nicht das, was der politisch-medial-akademische Komplex in Deutschland und Europa liefern könnte.“

 Genau so ist es gekommen. Doch von Einsicht im Norden gibt es weiterhin keine Spur. Immer die gleiche dumm-hochnäsige Haltung, das Pochen auf die (objektiv falschen) Regeln und das Ignorieren jeder Regel, die einen selbst betrifft. Die Art und Weise, wie sich Deutschland mitsamt seiner „freien Presse“ und seiner „freien Wissenschaft“ über die rechtlichen Vorgaben in Sachen Begrenzung der Leistungsbilanzüberschüsse hinwegsetzt, ist kaum mehr in Worte zu fassen.

Wir sind ja der Ausbund an Klugheit und Solidität und hüten uns deshalb, mit den anderen auch nur in einen Dialog zu möglichen eigenen Fehlern und Fehlern der Vergangenheit einzutreten. Doch wer heute einer demokratische gewählten neuen Regierung gleich welcher Couleur trotz vollkommen berechtigter ökonomischer Anliegen einen Dialog mit offenem Ausgang verweigert, wird einen nationalistisch-faschistischen Sturm ernten, gegen den das, was wir jetzt erleben, nur ein laues Lüftchen ist.

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Zu Claus Kleber muss man
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Zu Claus Kleber muss man wissen das er auch Mitglied in der Atlantik-Brücke ist. Diese hat seit Jahrzehnten einen mächtigen Einfluss wie der folgende Artikel deutlich macht.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=41456

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