Australisches Landwirtschaftsministerium: trotz El Niño gute Durchschnittsernte
Trotz aller Voraussagen eines intensiven El Niño-Wetterereignisses von Okt.-15 bis März.-16 schätzt das australische Landwirtschaftsministerium in seiner vierteljährlichen Ausgabe die kommende Getreideernte auf rd. 41 Mio. t um rd. 8 % höher ein als im Vorjahr. Das Ergebnis wäre fast identisch mit der guten Durchschnittsernte 2013/14.
Üblicherweise wirkt sich ein EL Niño-Wetter mit langanhaltender Trockenheit insbesondere in den südostaustralischen Anbauregionen aus. Das westliche Anbaugebiet Australiens bleibt im Regelfall wenig bis gar nicht betroffen. Das jahrzehntelang bekannte Wetterphänomen ist in seinen Auswirkungen allerdings unberechenbar. Es gibt Jahre mit mehr als 50 %igen Ernteausfällen und wieder andere Jahre mit nur geringfügigen Ernteminderungen.
Für das kommende halbe Jahr haben die agrarmeteorologischen Messdaten ergeben, dass überdurchschnittlich hohe Temperaturveränderungen auf dem Pazifischen Ozean zu einer hohen Intensität des Wettereignisses führen müssten. Andere Messwerte zu den Strömungsverhältnissen zwischen Indischen und Pazifischen Ozean lassen möglicherweise den Schluss zu, dass Australien weniger stark betroffen sein könnte. Die Hauptrichtung könnte auf einer etwas nördlicheren Bahn zu den südostasiatischen Inselgruppen und den südlichen Teilen des asiatischen Kontinents hinführen. Die Strömungsverhältnisse sind jedoch variabel. Änderungen sind jederzeit möglich.
Im Falle einer unbeeinträchtigten Durchschnittsernte schätzt das Australische Ministerium die Weizenernte auf eine Größenordnung von 25,3 Mio. t. Im Falle der Gerste kommt man auf rd. 8,6 Mio. t und für Raps werden 3,1 Mio. t veranschlagt.
Mehr als 70 % dieser Erntemengen sind für den Export bestimmt. Damit sorgt Australien in hohem Maße für die globale Anschlussversorgung ab Nov./Dez. 2015, wenn die übrigen Ernten auf der Nordhalbkugel bereits abgeschlossen sind. Abweichende Ernteergebnisse könnten zu erheblichen Störungen der Weltgetreideversorgung führen und damit die Preisentwicklung maßgeblich beeinflussen.
In den kommenden Monaten Sept./Okt.-15 findet die ertragsentscheidende Kornbildung und Kornfüllung statt. Ausreichende Niederschläge sind notwendig, um diesen Prozess erfolgreich zu gestalten. Das Ernterisiko bleibt hoch.