MARS prognostiziert für 2016 höhere Getreideerträge in der EU
Das agrarmeteorologische Institut der EU (MARS) erhöht seine Vorhersage zu den Ertragsaussichten in der EU um 1,3 % gegenüber der Vormonatsschätzung. Der durchschnittliche Getreideertrag wird auf 5,5 t /ha eingestuft und liegt damit rd. 3,3 % über dem 5-jährigen Mittelwert von 2011 bis 2015. Die Weizenerträge sollen um 4,5 % und die Wintergerste sogar um 7 % besser ausfallen.
Die Grundlage für die Schätzungen liefern zunächst Trendberechnungen, die im vorliegenden Fall jedoch durch die Klimadaten in der Zeitspanne vom 20. März bis 20. April 2016 teilweise ergänzt wurden. Für den Mais bleibt es vorerst bei Trendaussagen.
Allerdings macht das Institut Unterschiede zwischen einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Angefangen von Schweden über Dänemark und den südosteuropäischen Ländern sowie für Spanien werden überdurchschnittlich gute Ergebnisse mit Steigerungen oberhalb der 4 % Marke vorhergesagt. Hintergrund sind ausreichende Niederschläge sowie günstige Temperaturentwicklungen.
Für Finnland über die baltischen Staaten bis nach Polen hinein haben unzureichende Niederschläge und Frosteinbruch Mitte des Monats Januar zu Beeinträchtigungen der Bestandsentwicklungen geführt. Dennoch werden auch für die nordöstlichen Regionen der EU noch durchschnittliche Ertragsprognosen abgegeben.
Für Großbritannien, Frankreich und Italien bleiben die Prognosen im Rahmen der oberen Spannbreite der Durchschnittserträge. In England werden 8,2 t/ha, in Frankreich 7,5 t und in Italien immer noch knapp 4 t/ha erwartet.
Für Deutschland werden 8,2 t im Durchschnitt vorhergesagt, während in Polen mit 4,4 t Durchschnittsertrag einige Abstriche wegen der regionalen Auswinterung und der unterdurchschnittlichen Niederschläge gemacht werden mußten.
In jüngster Zeit stellt sich jedoch die Frage, ob und inwieweit der Vegetationsvorsprung infolge des milden Winters und Frühjahrs durch die aktuelle Kältewelle schon wieder verloren gegangen ist. Das Pflanzenwachstum der letzten beiden Wochen war nur minimal.
Entscheidend für die Ertragsbildung sind jedoch die Witterungsbedingungen in der Zeitspanne von Mitte Mai bis Ende Juni. Während dieser Phase entscheidet sich die Zahl der letztlich ährentragenden Halme, die Ährengröße und nicht zuletzt die Ausprägung der Kornfülle. Insoweit bilden die Vorhersagen erste Orientierungshilfen, die im weiteren Verlauf weiter beobachtet werden müssen.