30.
12.14
10:01

Agrarmärkte zum Jahreswechsel: Getreidemarkt 2015

Agrarmärkte zum Jahreswechsel

Gute Ernten 2014 – Gedämpfte Ernteaussichten 2015 –  höheres Preisniveau

Das zurückliegende Jahr 2014 hat weltweit gute Ernten geliefert. In der EU, USA und China sind Rekordernten eingefahren worden, in anderen Gebieten wie z.B.  Schwarzmeerregion sind es mindestens überdurchschnittliche Ergebnisse gewesen. Enger sind die Verhältnisse in Australien ausgefallen. Aber in keinem Anbaugebiet ist es zu drastischen Ernteausfällen gekommen. Das hat eher Seltenheitswert. 

Maßgeblich für die guten Ergebnisse sind die überdurchschnittlichen Flächenerträge, während die Anbau- und Ernteflächen weitgehend konstant geblieben sind. Höchste Hektarerträge kommen neben den ertragsbeeinflussenden Maßnahmen wie Dünger und Pflanzenschutz durch günstige Witterungsentwicklungen während der Produktions- und Erntephase zustande.

Hohe Anfangsbestände aus dem Vorjahr und eine große Ernte liefern zusammen eine überdurchschnittliche Angebotsmenge auf dem Weltgetreidemarkt. Die globale Nachfrage ist zwar auch gestiegen, bleibt aber in den Grenzen einer stetigen Bedarfssteigerung für die unmittelbare menschliche Ernährung, einem gemäßigt steigenden Tierfutterverbrauch und der nicht mehr boomenden Industrieverwendung, vor allem im Bioenergiesektor.

Die Versorgungslage erlaubt einen Aufbau der weltweiten Vorratsbestände, der zu einer Absenkung des Preisniveaus beigetragen hat. In der Nacherntephase war unter dem undifferenzierten Eindruck einer großen Erntemenge der Preisdruck besonders stark spürbar. In der Folgezeit stellten sich zunehmende Engpässe in bestimmten Sparten und Regionen heraus, die auch bis ins Jahr 2015 hineinreichen.

Ein Zentrum der Befürchtungen um die eigene Versorgungssicherheit ist Russland, dass trotz guter Ernten zu hohe Ausfuhren aufgrund seiner schwachen Währung erwartet. Exportbegrenzungen über Ausfuhrsteuern und anderen Kontrollmaßnahmen sollen den Ausverkauf verhindern. Die Importländer aus dem Mittelmeerraum müssen sich zwangsläufig auf weniger preiswerte Exportregionen umstellen.

Die EU gehört aufgrund seiner Rekordernte 2014 und seines schwachen Euro zu den Gebieten, die wettbewerbsfähig genug sind, den Bedarf für den Rest des Getreidewirtschaftsjahres zu decken. Allerdings führt das diesjährige Problem eines ungewöhnlich hohen Futterweizenanteils zu Engpässen in der Verfügbarkeit der für den Handel geforderten Weizenqualitäten. Das hat wesentlich zu den Preisauftrieben im Herbst  2014 beigetragen und wird auch für das 1. Halbjahr 2015 zum prägenden Merkmal der Markt- und Preisentwicklungen werden.    

Die Ernte 2015 wird von verschiedenen Institutionen deutlich schwächer eingeschätzt. Übereinstimmende Meinung ist die Feststellung, dass eine mehrfache Wiederholung von witterungsabhängigen Rekorderträgen höchst unwahrscheinlich ist. Bei nur wenig veränderten Anbau-/Ernteflächen und im Trend liegenden Ertragszunahmen werden niedrigere Ernteergebnisse um 2 bis 3 % für das Jahr 2015 vorhergesagt. Für die Prognosen gibt es eine Reihe von handfesten Hinweisen, die die Annahmen untermauern.

In Teilen Russlands wird die Winteraussaat infolge Trockenheit und schwacher Bestände mit geringer Winterhärte bereits jetzt mit 15 bis 20 % Ernterückgang eingeschätzt. In der Ukraine rechnet man mit einer deutlich abgeschwächten Ernte 2015 aufgrund des sparsamen Einsatzes der inflationsbedingt teuren Betriebsmittel für Saatgut, Düngung, Pflanzenschutz und Treibstoffen. In den USA bleiben die Winterweizenflächen bereits hinter dem Vorjahr zurück. Der US-Maisanbau muss befürchten, dass die preisgünstigere Sojabohne einen zusätzlichen Teil der Flächen für sich beanspruchen wird. In anderen Teilen der Welt führt das Wetterphänomen EL Nino zu Trockenschäden, wie z.B. in Australien.

Folgt man den entsprechenden Hochrechnungen für die Versorgungslage im Jahre 2015 stellt sich heraus, das die zu erwartende schwächere Ernte durch die hohen Überhangbestände zum Teil zwar ausgeglichen werden, aber nicht ausreichend sind, einen durchschnittlichen wachsenden Bedarf im globalen Getreidesektor zu decken. Im Ergebnis wird es wieder zu einem Abbau der Vorratsläger im Verlaufe des Getreidewirtschaftsjahres 2015/16 kommen. Bestandsabbau ist aber immer  ein  hinreichendes Signal für Preissteigerungen.  

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