17.
05.15
11:02

Alte - neue Ernte - Was könnte anders sein?

Erfahrungen aus dem Marktverlauf 2014/15 – Schlussfolgerungen für 2015/16

Das Getreidewirtschaftsjahr 2014/15 geht zu Ende. Grundlegende Änderungen der aktuellen Entwicklungen werden nicht mehr erwartet, sind aber nicht auszuschließen. Die bevorstehende Monate werden schließlich von den sog Wettermärkten mit Auswirkungen für das kommende Jahr geprägt.

Die weltweite Versorgungslage 2014/15 kann als gut durchschnittlich eingestuft werden. Der Versorgungsmaßstab „stock to use ratio“ errechnet sich auf 21,6 %, etwas höher als der mehrjährige Durchschnittswert von 20,3 %.  Demzufolge hätte das jahresdurchschnittliche Preisniveau leicht unter dem langjährigen Preisen liegen müssen. Aber es gab jahresspezifische Einflußfaktoren, die für erhebliche Schwankungen im Getreidemarkt gesorgt  haben.

Eine weltweite Rekordernte hatte in der Ernte und Nacherntezeit die Getreidepreise stark unter Druck gesetzt. Die Kurse mit Schwerpunkt B-Weizen fielen unter die mehrjährigen Durchschnittswerte. Einen besonderen Akzent setzte der hohe Anteil an Futterweizen, der den ohnehin gut versorgten Futtergetreidemarkt auf ein Niedrigpreisniveau herunterdrückte. Diesem Sog konnten sich anfangs die Brotgetreidequalitäten nicht entziehen. Die Preise zwischen den Qualitätsstufen spreizten ungewöhnlich auseinander.

Beginnend ab Okt. 2015 gab es einen starken Preisanstieg in allen Kategorien. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch die zunehmende Importnachfrage nach Qualitätsgetreide. Für die Euro-Länder kam der nachlassende Wert des Euro als Verstärkungsfaktor hinzu, der zu günstigen Wettbewerbsbedingungen für die EU-Getreideausfuhren beitrug. Letztlich begünstigte die ausfuhrbeschränkende russische Exportsteuer das EU-Ausfuhrgeschäft. Der Preishöhepunkt wurde um die Jahreswende überschritten.

Seit Jahresbeginn 2015 gingen die Getreidekurse durchweg auf Talfahrt. Die Befürchtungen um eine mögliche Versorgungsknappheit und die Risikoeinschätzungen der neuen Ernte erwiesen sich in diesem Zeitraum wenig begründet. Nach einem kleinen Zwischenhoch im April lieferten die ersten Prognosen für die Ernte 2015/16 eine beruhigende Einschätzung der kommenden Versorgungslage bestehend aus hohen Überhangbeständen bei etwas kleineren. aber immer noch gut durchschnittlichen Ernteergebnissen.

Ab Mitte Mai war es mit der Talfahrt zu Ende. Die günstigen Ernteprognosen bekamen erste Risse. Für das Getreidejahr 2015/16 wird mit 80 bis 90 %iger Wahrscheinlichkeit von einem El Nino- Jahr ausgegangen. Nach den langen Erfahrungen aus früheren Jahrzehnten wird das Wetterphänomen zu beachtlichen Beeinträchtigungen beim Wachstum und in der Ernte der globalen Getreideerzeugung führen. Besonders betroffen ist der Pazifische Raum, in dem die Wetteranomalie  sich hauptsächlich abspielt.

Für das östliche Australien wird mit schwerwiegender Trockenheit zu rechnen sein, wenn El Nino sich in voller Stärke präsentieren sollte. In Indien wird der dringend notwendige  Monsunregen verspätet und unzureichend ausfallen. In Indonesien betrifft der unzureichende Niederschlag vorrangig die Palmölerzeugung.

Die Hauptweizenanbaugebiete im südlichen Teil Russlands könnten ebenfalls durch unzureichende Niederschläge in den ernteentscheidenden Monaten Juni/Juli 2015 betroffen sein.    

Mit (zu) viel Regen muss der südwestliche Teil der USA rechnen. Eine solche Entwicklung vermindert nicht nur die Erntemenge auch die Getreidequalität vor allem in den Weizenanbaugebieten. 

In Argentinien und den südöstlichen Teilen Brasilien muss ebenfalls mit überdurchschnittlich hohen Regenmengen kalkuliert werden. Dabei bleibt offen, ob die Niederschläge schädigende Ausmaße erreichen oder nicht. Dagegen wird erfahrungsgemäß der nordöstliche Teil Brasilien unter Trockenheit leiden.

Die Intensität des Wetterphänomens fällt jedes Mal anders aus. Daher sind die Auswirkungen auch schwer zu kalkulieren.

Folgende Feststellungen dürften für das Getreidejahr 2015/16 zutreffen:

  1. Hohe Anfangsbestände sorgen für ein gutes Polster für den Fall von kleinen Ernteausfällen.
  2. Die bisher auf gut durchschnittlichem Niveau geschätzten Ernten können leicht in den Bereich unterdurchschnittlicher Ergebnisse abrutschen.
  3. Die letztendliche Ernte und Versorgungslage 2015/16 steht unter wesentlich größeren Risikovorzeichen als im abgelaufenen Jahr.
  4. Möglicherweise unterbleibt 2015/16 die im ablaufenden Jahr ungewöhnliche Preisspreizung.
  5. Die Preisschwankungen können neben der Versorgungsabhängigkeit auch durch politische und wirtschaftlich-finanzielle Faktoren wie Handelsbeschränkungen und Wechselkursänderungen größer werden. Dabei ist ein höheres als das aktuelle Preisniveau eher wahrscheinlich als umgekehrt.
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