01.
06.15
07:14

Aussichten für den Getreidemarkt 2015/16

Ausreichende Getreideversorgung (!?)– Ernteschätzungen 2015/16 unter Vorbehalt

In der jüngsten Mai-Ausgabe der monatlichen Schätzungen zum Weltgetreidemarkt kommt der Internationale Getreiderat (IGC) auf größere Zahlen als noch vor einem Monat. Damit schließt der IGC an die vorangegangenen höheren Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA)  und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen  (FAO) auf.

Welt-Getreide

USDA

12.   Mai2015

FAO

07.   Mai 2015

IGC

28.   Mai 2015

in Mio. t

2015/16

Änderung

2015/16

Änderung

2015/16

Änderung

Erzeugung

1.996

-15

2.009

- 55

1.968

- 43

Verbrauch

1.997

+14

2.014

+ 18

1.981

+ 4

Endbestand

429

+1

458

- 9

426

-14

Stock to use ratio

21,4 %

-0,2

22,7 %

-0,9

21,5 %

-0,7

 Bei allen Unterschieden der einzelnen Schätzinstitutionen mit ihren verschiedenen Erhebungs- und Auswertungsmethoden kommt man sich in der entscheidenden Beurteilung der Versorgungslage relativ nahe. Die weitgehend  übereinstimmenden Ergebnisse lauten:

-       Die Ernte 2015/16  wird kleiner ausfallen als im Vorjahr, aber immer noch über dem mehrjährigen Durchschnitt liegen,

-       Der Getreideverbrauch liegt tendenziell höher, der Verbrauchszuwachs bleibt unter den Steigerungen  früherer Jahre

-       Die Endbestände verändern sich in einem begrenzten Rahmen und liegen mit ihren absoluten Zahlen auf jahrelang nicht gekannte Höchststände

-       Das preisbestimmende Verhältnis Endbestand zum Verbrauch (stock to use ratio) ist etwas kleiner als im Vorjahr, liegt aber noch über dem langjährigen Mittel von 20,2 %.

Sollte sich diese Prognosen im Grundsatz bestätigen, ist mit Getreidepreisen mindestens auf den Durchschnittsniveau  des ablaufenden Jahres zu rechnen. Aber  . . .

Für die Beurteilung von Preisniveau und Preisverlauf sind noch einige Warnungen  der aktuellen und zukünftigen Wetterentwicklungen für die entscheidende Kornbildungsphase herauszustellen:

  • Zurzeit drohen zu hohe Niederschläge im südlichen Teil der Great Plains,  die die US Weizenernte hinsichtlich Menge und Qualität  zu mindern.
  • In Kanada wird in einigen Provinzen  mit empfindlicher Sommertrockenheit gerechnet.
  • In den zentralen Anbaugebieten Russlands steht eine längere Phase von niederschlags-armen Wochen in der ertragsentscheidenden Zeitspanne bevor.
  • In Indien ist die Weizenernte ziemlich verregnet. Einbußen hinsichtlich Menge und Qualität werden aus den umfangreichen Vorratsbeständen gedeckt. Qualitätsweizen wurde bereits eingeführt. In jüngster Zeit herrscht eine ungewöhnliche Hitze. 
  • Das Wetterphänomen El Nino wird zumindest in Ostaustralien für Trockenheit-bedingte Ernteeinbußen sorgen. Schon jetzt leiden die Bestellungsarbeiten unter zu wenig Niederschlag. Die Weizenkurse an der Sydney-Börse liegen 30 % über den Chicago-Notierungen.
  • In China wird EL Nino  im Norden (Getreide) zu Trockenperioden und im Süden (Reis) zu Überschwemmungen führen. Das chinesische Wetteramt geht von einer mittleren Intensität aus.
  • Wie hoch die Auswirkungen in Argentinien und Südost-Brasilien von El Nino mit Starkregen zu erwarten sind, bleibt angesichts der Unberechenbarkeit noch offen.
  • In mitteleuropäischen Raum  macht sich das Niederschlagsdefizit in den Pflanzen-beständen mit deutlichen Hinweisen auf Ertragsminderung bemerkbar. Im vergangenen Jahr wurde infolge Regenfällen zur unpassenden Zeit viel Futterweizen geerntet. Entsprechend groß war die Preisspreizung zwischen den Qualitätsstufen.

Die zukünftigen Ernteschätzungen werden wohl noch einige Korrekturen vornehmen müssen. Die Konsequenzen für fortlaufende Preisanpassungen  liegen auf der Hand.

Für Verunsicherungen könnte die russische Exportpolitik sorgen. Ab 1. Juli gilt eine preisabhängige Exportsteuer mit progressiver Ausgestaltung. Die 1. Stufe mit 1 $ je t hört sich zunächst harmlos an, entwickelt  aber bei zunehmender Preissteigerung zusätzliche Verstärkungseffekte.

Unsicherheiten  gehen auch vom  zukünftigen Verlauf der  Wechselkurse aus. Dabei spielt das Griechenland-Problem eine  tragende Rolle. Je 0,1 Änderung Dollar zu Euro  ist mit Preisänderungen zwischen 1,5 bis 2 € je dt zu rechnen, wobei die fallende Richtung größeren Spielraum hat als die steigende.

 Obenstehende Zusammenstellung veranschaulicht den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen weltweiter Versorgungslage gemessen am % Endbestand zum Verbrauch (stock to use ratio) und dem Durchschnitt sowie der Spannbreite der jahresspezifischen Preise auf Börsen-  wie auf Erzeugerebene.

Sollten die bisherigen Schätzungen auf ähnlichem Niveau verbleiben,  ist mit Jahresdurch-schnittspreisen zu rechnen, die sich mind. auf dem Mittelwert des Vorjahres einpendeln.

Zu Beginn des Wirtschaftsjahres könnten die Preise niedriger ausfallen als im weiteren Jahresverlauf. Hohe Überhangbestände und eine gut durchschnittliche Ernte können in der Konkurrenz um die Lagerkapazitäten zum Wirtschaftsjahresbeginn zu einem Angebotsstau mit nachteiligen Folgen für die Preisentwicklung führen. Das könnte sich bei rasch aufein-ander folgenden Teilernten verschärfen bzw. bei gestrecktem Ernteablauf entspannen

Wenn der Weizen mit durchschnittlicher Qualität geerntet werden sollte, dürfte auch die vorjährige Preisspreizung nach unten  weniger breit sein.

Inwieweit sich die besondere Exportsituation des Vorjahres mit dem Teilausfall Russlands, einem schwachen Eurokurs und dollarbedingt wenig wettbewerbsfähigen US-Angeboten wiederholt, ist schwer voraussehbar. Die Importnachfrage der nordafrikanischen Länder fällt aufgrund der guten Ernten in den  westlichen Regionen etwas geringer  aus.

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