17.
04.14
11:26

Die angespannte Situation in der Ukraine

Die angespannte Situation in der Ukraine ist nicht mehr zu verleugnen: Sie belastet nicht nur die Politik und Gesellschaft, sondern wirft Schatten auf die Weltmärkte. Die angekündigten zunehmenden Sanktionen nehmen Einfluss auf die Handelsabläufe insbesondere zwischen Russland und der westlichen Welt. Auf dem Agrarsektor nehmen die Schwarzmeeranrainer als eine der Kornkammern Europas eine herausragende Stellung ein. Im laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14 exportiert die Ukraine mit über 20 Mio. t (netto) nach den USA die zweithöchste Menge beim Grobgetreide (überwiegend Mais) und liegt damit noch vor den exportstarken Südamerikanern wie die Grafik zeigt. Auch beim Weizen haben die Ukrainer ein Netto-Exportvolumen von knapp 10 Mio. t und gehören somit zu den großen Exportnationen. Während die Mengen aus dem Wirtschaftsjahr 2013/14 schon weitgehend das Land verlassen haben, sind die vorgesehenen Exporte (und zunächst die Produktion) für das nächste WJ mit größeren Unsicherheiten belastet. Die bisherigen (noch sehr unsicheren) Prognosen (vom USDA, IGC, usw.) für das Wirtschaftsjahr 2014/15 gehen weltweit von einem Getreidejahresüberschuss (10-30 Mio. t) und damit einer weiteren Erhöhung der Endbestände aus. Aber schon an den vorher genannten Zahlen kann man erkennen, welchen Einfluss das weitere Geschehen in der Ukraine einnehmen könnte, welches in den letzten offiziellen Schätzungen noch nicht „eingerechnet“ ist. Von daher, wen wundert’s, die Unsicherheit beflügelt die Phantasie und lässt damit die Kurse an den Börsen steigen.

Neben dem Netto-Exportvolumen der einzelnen Länder muss man zur Beurteilung des Getreidemarktes auch auf die Produktions- und Verbrauchsdaten achten. Hier zeigt sich deutlich, dass bei den Weizen-Zahlen die EU, die Chinesen und die Inder mit Abstand die großen Drei sind. Bündelt man jedoch die Russen, die Ukrainer und die Kasachen zu den Schwarzmeeranrainern, müsste man von den großen Vier sprechen. Beim Grobgetreide spielt die „Musik“ in den USA, in China und in der EU. Dabei dürfte bei der Produktions- und Verbrauchssicherheit die EU eine starke und stabile Rolle spielen, während auch in den USA die Produktionsschwankungen sich stärker - wie auch die Mais(miss)ernte von 2012 eindrucksvoll belegte – auswirken können.

Insgesamt üben die Getreide-Mengen der Schwarzmeeranrainer einen starken Einfluss auf die Balance der Agrarmärkte aus. Trotzdem, und da sollte man realistisch bleiben, sind die Auswirkungen einer solchen Krise mehrfaktoriell und nicht nur einseitig zu bewerten. Betrachten wir einmal den Produktions- und Verbrauchsgiganten China. In den letzten Jahren prägen zunehmende Importe bei Getreide und Sojabohnen das Geschehen obwohl statistisch gesehen hohe Endbestände vorhanden sind. Auf den ersten Blick ein deutliches Missverhältnis gegenüber den anderen Ländern. Es belegt aber deutlich, dass sich ein so bevölkerungsstarkes Land eine Versorgungsknappheit (hungern) nicht leisten kann und will. Den Hunger kann man unterschiedlich stillen, z. B. durch verstärkte Fleischkonsum oder weniger veredelte Produkte wie Brot, Backwaren oder Reis. Die Wahl des Nahrungsmittels beeinflusst den gesamten Getreidekonsum enorm. Das bedeutet, dass letztlich der Wohlstand in der Welt den Getreideverbrauch maßgeblich beeinflusst und dabei spielt natürlich neben dem Einkommen der Bevölkerung die Höhe des Getreidepreises eine maßgebliche Rolle. Was damit gesagt werden soll: Die Ukraine-Krise kann natürlich – zumindest kurzfristig - die Getreidekurse erhöhen, kann aber mittelfristig gesehen die Kurse auch wieder deutlich drücken.

Von daher entsteht durch die aktuelle Situation beim Landwirt keine Notwendigkeit seine Teilmengen-Vermarktungsstrategie zu ändern. Wenn er für die Ernte 2014, 20-40 % vermarktet hat, ist sicherlich keine Eile geboten, er darf aber an eine (kleinere)Teilvermarktung der Ernte 2015 denken. Die Weizenkurse für die Ernte 2015 liegen „nur“ 10 Euro/t unter den 2014er Kursen und damit auf einem relativ guten und für die meisten Betriebe gewinnbringenden Niveau. Klar ist: Sicherheit kostet Geld, aber in der Sicherheit lässt sich besser leben und wirtschaften wie es auch die Bilder aus der Ostukraine täglich zeigen.

Die aktuelle Marktlage

Neben der Lage in der Ukraine „befeuert“ die aktuelle Trockenheit in Teilen von Westeuropa und den USA - dort auch mit zusätzlichem Frosteinbruch verbunden - die Preisphantasien an den Börsen. Gleichzeitig gaben technische Gründe – Fälligkeit der Mai-Weizen-Option in Paris – den Kursen weiteren Auftrieb. Der Kassamarkt reagiert dagegen etwas gelassener und folgt nur zögernd den steigenden Kursen an der Börse was man an der zunehmenden negativen Basis erkennen kann. Die Fachleute am Kassamarkt mutmaßen, dass durch die Witterungsumstände das „Kind noch nicht in den Brunnen gefallen“ ist und ausreichende Niederschläge in den nächsten Wochen und Monaten die Situation an der „Wetterfront“ wieder normalisieren könnten. Die Situation in der Ukraine wird jedoch mit einer steigenden Risikoprämie belegt, was sich in den steigenden Kassakursen ausdrückt.

Der Markt bleibt spannend und für den Ackerbauern wird sich die rechtzeitige richtige Einschätzung deutlich im Portmonee auswirken.

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