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05.15
09:56

Droht Russland eine Trockenheit?

Welche Rolle spielt Russland auf dem Getreidemarkt im WJ 2015/16?

Im Mittelpunkt des aktuellen  Interesses steht der Beschluss Russlands, die Exportsteuern bei der Getreideausfuhr in Höhe von rd. 35 €/t ab sofort auszusetzen. Erst im Juli soll eine Abgabe in Höhe von 1 €  je t dann erfolgen, wenn die Exportpreise über die Marke von 240 $ je t steigen sollten.

Der schwache Rubel erlaubte der russischen Exportwirtschaft noch im Herbst 2014 zu weltweit günstigen Preisen Getreide für Importländer anzubieten. Der drohende Ausverkauf hatte um den Jahreswechsel zu erheblichen Preissteigerungen im Inland geführt. Ab 1. Febr. 2015 verhinderte die eingeführte Exportsteuer eine weitere Minderung der russischen Versorgungslage.

Die jetzige Aufhebung der Steuer versetzt die russische Exportwirtschaft wieder in die Lage äußerst konkurrenzfähig auf dem Markt aufzutreten. Von dieser Entwicklung ist die EU in 1. Linie betroffen. Vorher hat die EU-Ausfuhr von den russischen Exportrestriktionen profitiert, jetzt hat man das Nachsehen bei den Importausschreibungen.

Für das restliche und kommende Wirtschaftsjahr befürchten EU-Getreideexporteure erhebliche Einbußen beim Drittlandgeschäft. In allen Prognosen werden die Exportmengen der EU deutlich heruntergesetzt.

Die russische Ernte soll nach den Hochrechnungen zwar kleiner ausfallen, jedoch der Export nur unwesentlich vermindert werden. Nach anfänglichen Trockenheitsproblemen in der Herbstphase 2014 und massiven Befürchtungen um unzureichende Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen infolge finanzieller Schwierigkeiten änderte sich die Einschätzung der kommenden russischen Ernte durch ergiebige Niederschläge in den Frühjahrsmonaten. Diese Beurteilung schlug sich bis in die jüngsten internationalen Prognosen durch.

Jetzt bereiten altbekannte Anzeichen für eine nicht auszuschließende Trockenperiode in den kommenden Wochen und Monaten Sorgen um den Ernteausgang. Die Erfahrungen aus früheren Jahren zeigen, dass in den Frühsommermonaten in 3 bis 5 jähriger Abständen erhebliche Niederschlagsdefizite in unterschiedlichem Ausmaße auftreten. Zuletzt traten solche Ernteminderungen im Jahre 2010 mit 60 % und 2012 mit 70 % des heutigen Erntepotenzials auf. Damals wurden u.a. die Exportverbote bereits kurz nach der Ernte erlassen.

Eine witterungsbedingte Beeinträchtigung der russischen Ernte könnte die bisherigen Prognosen gut durchschnittlicher Versorgungsverhältnisse für das kommende  Wirtschaftsjahr weltweit in Frage stellen. Damit wird auch das Preisniveau auf eine höhere Ebene anzusiedeln sein, als es jetzt der Fall ist. Eine erste Korrektur wurde bereits vollzogen.

Das russische Problem ist nur ein Teilaspekt. Witterungsbedingte Ernteminderungen werden auch in anderen Teilen der Welt durch das Wetterphänomen El Nino erwartet.

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