16.
06.13
08:49

Ernteschätzungen im Vergleich

Ernteschätzungen  2013/14 - In der Richtung gleiche, im Ausmaß unterschiedliche Ergebnisse.

 Fast zeitgleich wurden zwei neue Ernteschätzungen 2013/14 veröffentlicht, wobei die Prognose des USDA in Chicago mehr Aufmerksamkeit erregt als die der FAO in Rom. Die IGC-Prognose liegt bereits knapp 3 Wochen zurück. Die Ergebnisse bleiben weitgehend im Rahmen der zu diesem Zeitpunkt noch breit gestreuten Erwartungen. Die  Börsenkurse fielen in moderatem Maße, in Paris wurde der Preisdamm von 200 €/t Weizen nach unten durchbrochen. Kassakurse geben deutlich nach. Spekulativ gehortete Ware drückt!

 Zentrale Ergebnisse für den globalen Getreidesektor:

 1.     Vergleich der Ernteergebnisse

 E R N T E

USDA 12.06.2013

FAO  (11.05.2013)

IGC (25.05.2013)

In Mio. t

2013/14

2012/13

2013/14

2012/13

2013/14

2012/13

Weizen

696  (+ 40)

656

702 (+42)

660

682 (+27)

655

Mais

962  (+105)

857

960 (+90)

870

945 (+89)

856

Getreide ges.

1.946

(+163)

1.783,9

1.961,3 

(+141)

1.820

1.916

(+130)

1.786 

Da jede Institution ihre eigene Schätzmethode anwendet, sind nicht so sehr die absoluten Werte, sondern die Veränderungen von aussagefähigem Interesse.

Trotz bereits erfolgter Reduzierungen gegenüber der Mai-Schätzung bleibt das USDA mit +163 Mio. t um 22 Mio. t höher in der Vorhersage als die FAO mit +141 Mio. t und der IGC mit +130 Mio. t. Das liegt in 1. Linie an der um 15 Mio. t höheren Maisschätzung des USDA, Die Prognosen der Weizenernte fallen in fast allen bedeutenden Anbaugebieten unter-schiedlich aus. Die größte Unsicherheit besteht in den exportorientierten südlichen Teilen Russlands und der Ukraine, ob und inwieweit dort eine Trockenphase Ernteeinbußen verursacht hat. Für Verwirrung sorgt die russische Ankündigung, vermehrt Getreide für die Interventionsvorräte aufzukaufen.

Nimmt man die Differenzen der unterschiedlich geschätzten Erntezuwächse als Grundlage und bezieht sie auf die Gesamternte, kommt ein Schätzfehler in der Größenordnung von 1,5 % heraus.

 2.     Vergleich der Verbrauchsansätze

V E R - B R A U C H

USDA   12.06.2013

FAO  (11.05.2013)

IGC (25.05.2013)

In Mio. t

2013/14

2012/13

2013/14

2012/13

2013/14

2012/13

Weizen

694,5  (+19,5)

675

694 (+ 8)

686

680 (+ 6)

674

Übrig. Getreide

1.220  (+81)

1.139

1.217 (+49)

1.168

1.203 (+59)

1.144

Getreide gesamt

1.914,5

(+100,5)

1.814

1.911 

(+57)

1.854

1.883

(+65)

1.818

 Die Schätzungen der Verbrauchssteigerungen streuen in einem weiten Bereich. Erheblichen  Anteil daran hat der rd. 30 Mio. t höhere Futterverbrauchsansatz des USDA gegenüber der FAO.  Allerdings stecken auch nicht erklärbare Verlustgrößen im US-Futterposition. Die Schätzfehlerdifferenz liegt hier bei überschlägigen 2 %.

 3.     Vergleich der Endbestände

E N D-  

B E S T A N D

USDA   12.06.2013

FAO  (11.05.2013)

IGC (25.05.2013)

In Mio. t

2013/14

2012/13

2013/14

2012/13

2013/14

2012/13

Weizen

181  (+19,5)

180

173 (+ 9)

164

180 (+ 2)

178

Übrig. Getreide

183,6  (+81)

153,3

214 (+ 41)

173

187 (+31)

156

Getreide gesamt

365  (+ 32)

333

387 (+ 50)

337

367 (+33)

334

Stock to use ratio

19,06 %

18,35 %

20,25 %

18,18 %

19,5 %

18,37 %

 Die Endbestände 2013/14 sollen um 32 / 33 Mio. t (USDA, IGC) bzw. 50 Mio. t (FAO) steigen. Das preisentscheidende Verhältnis von Endbestand zum Verbrauch steigt im Falle der USDA-Schätzung auf 19 %, während sich aus den Zahlen der FAO wesentlich günstigere Versorgungskennwerte errechnen lassen. Dementsprechend kommt es zu unterschiedlichen Aussagen hinsichtlich der möglichen Preisentwicklung. Schätzdifferenzen liegen hier bei 4,5 %.

 Die Schätzungsdifferenzen halten sich zum jetzigen Frühstadium im üblichen Rahmen. Entscheidend für die Preisbildung ist die Veränderung der Versorgungslage gemessen am Endbestand zum Verbrauch. Die FAO-Schätzung sieht die Versorgungslage 2013/14 im oberen Durchschnittsbereich. Im  Falle der USDA- und IGC-Schätzung heißt das Ergebnis, dass zwar eine Verbesserung zum Vorjahr eintritt, aber die Versorgungslage immer noch unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegt.

ZMP-Meinung:  Die geschätzten überdurchschnittlichen Produktionsanstiege sind eine Kombination aus der sehr schwachen Vorjahresernte und unterstellter hoher Erntesteigerungen infolge von Flächenausdehnung und überdurchschnittlicher Ertragsannahmen. Zentrale Schlüsselrolle spielt die US-Maisernte mit 50 % des Weltzuwachses. Niedrige Anfangsbestände und Verbrauchssteigerungen zehren den Erzeugungszuwachs weitgehend auf, so dass für die Auffüllung der Vorratsbestände wenig übrig bleibt.

Beurteilt man die Versorgungslage mit der Kenngröße „stock-to-use-ratio“ kommt nur bei der FAO-Schätzung ein guter Durchschnitt von über 20 % heraus, entsprechend müssten die Preise unter Durchschnittsniveau kursieren. In den Fällen der USDA- und IGC-Schätzung sind zwar Verbesserungen zum Vorjahr festzustellen, die Kennzahlen bleiben aber unter den mehrjährigen Durchschnittswerten. Daraus leiten sich aus heutiger Sicht gut durchschnittliche Preise ab. Aber noch ist die entscheidende Ertragsbildungsphase nicht gelaufen!

Bullische Faktoren: Jüngste Beeinträchtigungen der Aussaatflächen sind noch unberücksichtigt.

Bärische Faktoren: "Rain brings Grain", wenn die Niederschläge nicht schon des Guten zuviel sind.

in beide Richtungen: die entscheidende Ertragsbildungsphase steht erst am Anfang

Ergänzende Lesehilfe zur Grafik für den HRW No 1 fob Golf-Preis: internationaler Leitpreis für Weizen, auf Schiff verladen am Golf von Mexiko. Je nach Marktlage und Dollarkurs liegt das deutsche Erzeugerpreisniveau um den Betrag von 123 je t darunter; Beispiel 2012/13: 337 $/t  - 113 => 224 €/t im Jahresdurchschnitt; Schätzung für 2013/14: 300 - 113 => 187 €/t

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