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01.15
12:29

Eurokurs stürzt ab

Eurokurs im Sturzflug – Folgen für die Agrarpreise

Nach der überraschenden Abkopplung des Schweizer Franken von der europäischen Einheitswährung beschleunigte sich der Kaufkraftverlust des Euro in rasantem Tempo. Seit Mai 2014 bis Mitte Jan 2015 hat der € mehr als 15 % seines Wertes verloren.

Die Schweiz ist zwar hinsichtlich der Warenwirtschaft kein großes Gewicht, hat aber im Finanztransfer erhebliche Bedeutung. Noch wichtiger ist das große Ansehen. Daher entwickelt die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro eine starke Signalwirkung für die Einschätzung der Stabilität des Euro.

Möglicher Anlass für die Schweiz sind die bevorstehenden Wahlen und deren ungewisser Ausgang in Griechenland. Das ungelöste Währungsproblem mit Griechenland kommt damit wieder auf den Tisch. Es ist zu erwarten, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldschleusen weiter öffnen wird mit belastenden Folgen für alle, die daran gebunden sind. Die Schweiz wollte sich diesem Risiko nicht aussetzen und nahm schwerwiegende Folgen einer Abkopplung in Kauf.

Wie weit der Kursrückgang des Euro anhalten wird, bleibt vorerst offen. Von Dollarparität ist nicht erst seit gestern die Rede. In jedem Fall wird sich der internationale Handel neu positionieren müssen. Das trifft auch für die ex- bzw. importorientierte Agrarwirtschaft zu.

Grundsätzlich gilt die Regel, dass eine schwächer werdende Währung den Import verteuert, während sich auf der Exportseite günstigere Wettbewerbspositionen ergeben.

Wichtige Einfuhrgüter für die Agrarwirtschaft sind Eiweißfuttermittel, Raps, Mais, Düngemittel, Energie sowie Nahrungsmittel südländischer Herkunft. Wenn man den Termin Mitte Dez.-2014 mit einem Eurokurs von 1,25 zugrunde legt, errechnet sich rd. ein 7 %-iger Kaufkraftverlust innerhalb von 1 Monat.

Im Fall von Sojaschrot als gängigem Eiweiß-FM ist eine währungsbedingte Preiserhöhung von 2 € je dt zu veranschlagen. Die dollarnotierten Preisminderungen der letzten Zeit werden auf die Weise fast wieder aufgefangen. Diese Entwicklung läßt sich unmittelbar an den Chicagoer Sojaschrotnotierungen im Vergleich zur Hamburger Notierung beobachten.

 Im Düngemittelmarkt haben die Preise einen deutlichen Ruck nach oben gemacht, auch wenn ein Großteil der Einkäufe schon vertraglich abgesichert ist. Die dollarnotiert fallenden Energiepreise werden durch die schwache Kaufkraft des Euro zu beachtlichen Teilen aufgefangen.

Auf der Exportseite sind die Weizenausfuhren, Fleischexporte mit dem Schwerpunkt Schwein und der Verkauf von Milchprodukten in Drittländer begünstigt. Allerdings läßt sich der internationale Handel nicht von jetzt auf gleich organisieren, sondern es bedarf der gesamten logistischen Abwicklung bis hin zum Finanzrücktransfer. Außerdem wird die Anbieterkonkurrenz nicht tatenlos zusehen, sondern ihrerseits geeignete Aktivitäten entwickeln.

Bei der Getreideausfuhr lässt sich ein währungsbedingter Wettbewerbsvorteil von 1 bis 1,5 € je dt errechnen. Die Nähe zu wichtigen Importländern (Mittelmeerstaaten) kommt hinzu. Allerdings bewegt sich die dollarnotierende Konkurrenz mit ihren Preisen stark nach unten.

 Bei den international handelsfähigen Teilstücken vom Schwein (kein Frischfleisch!) beträgt der währungsbedingte Vorteil rd. 0,10 bis 0,15 €/kg, wenn man Durchschnittsverkaufswerte um die 2 € je kg unterstellt. Hier spielen die hohen Transportkosten (nach Asien) eine erschwerende Rolle.

Milchprodukte mit ihrer weit streuenden Wertigkeit von billigem Molkenpulver über Vollmilchpulver und Butter bis hin zu teurem Käse erfahren ebenfalls Wettbewerbsvorteile. Die Absatzgebiete sind jedoch unterschiedlich verteilt. Für Milchpulver kommen Algerien und der nahe Osten als große transportnahe Absatzregionen in Frage. Bei anderen Produkten ist Russland ausgefallen, so dass Asien - vor allem China - die Orientierung vorgibt.

Per Saldo importiert Deutschland mehr Agrargüter als exportiert werden. Der hohe Einfuhrbedarf entsteht schwerpunktmäßig aus den Südfrüchten und den Eiweißfuttermitteln. Deutschland steht direkt nach den USA an zweiter bzw. dritter Stelle in der Weltrangliste. Der deutsche Handelsanteil an den global gehandelten Agrargütern bewegt sich zwischen 5 bis 7 %.       

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