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12.14
16:33

Fallender Rubelkurs sorgt für Wirbel auf den Agrarmärkten

Rubel: die russische Währung fällt im Außenwert um 70 % in einem Monat - Folgen für den internationalen Agrarhandel und  Agrarpreise

In einem sich beschleunigendem Tempo hat die russische Währung um mehr als 70 % gegenüber dem Euro an Wert verloren. Konnte man noch Anfang Oktober für einen Euro 50 Rubel bekommen, sind es jetzt rd. 85 Rubel, wobei diese Relationen einen steigenden Aufwärtstrend zeigen. Noch Anfang des Jahres 2014 erhielt man 45 Rubel für einen Euro.

Die westlichen Wirtschaftssanktionen und der Rohölpreisverfall seien die letzten Auslöser für den Niedergang der russischen Währung. Der Staatsbankrott stehe vor der Haustür, sind häufige Meinungen.

Die russische Zentralbank hat die Zinsen von 10 auf 17 % angehoben, um den Abfluss russischen Geldes zu verhindern. Das hat jedoch keine Wirkung gezeigt. Offensichtlich ist das Vertrauen in die staatlichen Institutionen wenig ausgeprägt.   

Der Ursprung des Wertverfalls sei nicht erst eine Frage der westlichen Sanktionen gegen Russland oder des Preisrückganges beim Rohöl als Russlands wichtigste Einnahmequelle, sondern die seit Jahren fehlende wirtschaftliche Entwicklungsdynamik der russischen Wirtschaft. Kaum Innovationen, veraltete Technologie, wenig Fortschritt, Kommandostrukturen nach alter Planwirtschaftsmanier seine die prägenden Merkmale.

Die Last tragen die russischen Verbraucher mit durchschnittlichen Inflationsraten von über 10 % mit steigender Tendenz.

Für den Agrar- und Nahrungssektor sind die Verhältnisse besonders kritisch. Veredlungsprodukte wie Fleisch und Milch sind bereits durch den russischen Importstopp erheblich teurer geworden. Angesichts früherer Selbstversorgungsrade zwischen 65 % und 80 % war man auf den preisgünstigen Import aus Agrarüberschussregionen dringend angewiesen. Ersatzlieferungen aus weniger leistungsfähigen Exportstaaten verteuerten sich in dreifacher Weise: zunächst die höheren Transportkosten, dann die nachfragebedingt steigenden Einkaufspreise in den Ursprungsländern und schließlich die langsam, aber sicher schwindende Kaufkraft des russischen Währung.

Der zunehmende Ausfall eines großen Importlandes bei den Einfuhren an veredelten Produkten wie Milch und Fleisch erreicht über die komplexe Verknüpfung der Marktbeziehungen untereinander fast alle exportorientierten Staaten. Die EU-Preise sind bereits auf ein niedriges Niveau gefallen, jetzt beginnt ein deutlicher Abwärtstrend in den USA. Die amerikanischen Exportaktivitäten stoßen auf verstärkte Konkurrenz anderer Ausfuhrländer, die ihre Ware nicht mehr in vollem Umfange in Russland absetzen können.

Auf der anderen Seite werden durch den Verfall des Rubel russische Agrarexporte enorm preisgünstig. Das feuerte  den Getreideexport an mit der Folge, dass im eigenen Lande die Ware knapp zu werden drohte. Die Brotpreise stiegen um bis zu 10 % an.

Eine erwartete schwache Ernte 2015 läßt weitere Verknappungen befürchten. Mittlerweile hat die Regierung eine erste Notbremse gezogen. Getreideausfuhren werden nur aus den staatlichen Interventionslägern genehmigt. Die Zahl der aufnehmenden Bestimmungsländer ist begrenzt auf wenige traditionelle Abnehmer russischen Getreides in den nordafrikanischen Mittelmeerstaaten. Auf diese Weise soll die preisberuhigende Versorgung im eigenen Lande gesichert werden.

An den weltweiten Börsen reagierten die Weizenkurse mit einem deutlichen Anstieg der Notierungen. Die russischen Exportkürzungen sind für den internationalen Getreidehandel von wesentlicher Natur. Allerdings produziert die Unkalkulierbarkeit der politischen Entscheidungen in Russland hohe Risiken bei der Vermarktung.

Politische Umwälzungen will man in Russland nicht mehr ausschließen.

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