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IAMO: Schwarzmeerländer bleiben weit unter den Möglichkeiten ihrer Weizenerzeugung

Die Schwarzmeerländer schöpfen ihre Weizenproduktionskapazitäten nur zur Hälfte aus. (IAMO Institut Leibzig)

100 Mio. t Weizen pro Jahr werden in den Schwarzmeerländern Russland, Ukraine und Kasachstan bei günstigen Klimaverhältnissen produziert. Mit 15 % Weltmarktanteil gehören die 3 Länder zu den führenden Exportnationen. Nach der politischen Wende im Jahre 1989 fiel die Erzeugung zunächst stark zurück und erholte sich erst wieder Mitte des ersten Jahrzehnts des 2 Jahrtausend.

Das verfügbare Flächenpotenzial wird nicht voll ausgeschöpft. Kurzfristig könnten rd. 4,5 Mio. ha Brachland mobilisiert werden.  Aus früheren sowjetischen Zeiten wären sogar 10 Mio. ha denkbar, die aber schon 30 Jahre brach liegen und mittlerweile mit Bäumen zugewachsen sind.

Die Durchschnittserträge der Länder liegen mit 30 dt/ha in der Ukraine, 20 dt/ha in Russland und nur 10 dt/ha in Kasachstan erheblich unter den Mittelwerten aller EU-Länder mit rd. 55 dt/ha. Aber die Regionen sind sehr unterschiedlich klimatisch und hinsichtlich der Bodenqualität begünstigt. Die Spannbreite reicht vom Mittelmeerklima am Schwarzen Meer bis zu ausgeprägten Kontinentalklima mit einer frostfreien Vegetationszeit von weniger als 120 Tagen sowie heißen trockenen Sommern und kalten Winter mit Temperaturen bis zu -40 Grad C. Die Bodenverhältnisse decken die volle Bandbreite von fruchtbaren tiefgründigen Schwarzerdeböden bis zu Sandboden und Moorstandorten ab. Das Beregnungssystem stammt aus früheren Jahrzehnten.

Mit ziemlicher Regelmäßigkeit werden in allen 3 Staaten Missernten infolge von Trockenheit bei der Aussaat und Kornbildungsphase sowie hohen Auswinterungsschäden beobachtet. Die letzten großen Missernten fanden 2010 und 2012 statt, in denen Auswinterungsschäden und ein trockener Frühsommer das mögliche Ernteergebnis um rd. ein Drittel verminderte. Nach zwei guten Jahren wird für das kommende Jahr 2015 bereits jetzt schon aufgrund der unzureichenden Feldbestellungen, politischer,  inflationärer und finanzieller Schwierigkeiten der Betriebsmittelbereitstellung mit einer Minderung zum Vorjahr von 15 bis 20 % ausgegangen. Wie der Sommer wird, bleibt dabei noch offen.

Neue Berechnungen der Universität Leibzig (IAMO) zeigen, dass durch entsprechende Maßnahmen, wie der Rekultivierung jüngerer brachliegender Flächen, die Weizenproduktion allein in Russland um bis zu 50 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden könnte. Die Mobilisierung solcher Produktions- und Exportpotenziale hängt jedoch entscheidend von den künftigen Markt- und Wettbewerbsbedingungen sowie politischen Rahmenbedingungen ab.

Als Antwort auf die steigenden Weltmarktpreise für Getreide in den letzten zehn Jahren wurde mit einer Vielzahl an Exportbeschränkungen in Russland, der Ukraine und Kasachstan in die Märkte eingegriffen. Diese staatlichen Interventionen sollten die Getreide- und Brotpreise erschwinglich halten, führten jedoch dazu, dass die Märkte erheblich verunsichert, Exporte zeitweise ausgesetzt und eine geregelte Preisbildung außer Kraft gesetzt wurden.

Es bestehen Investitions- und Managementdefizite, die das betriebliche Wachstum und die effiziente Nutzung unternehmerischer Ressourcen hemmen. Die Transport- und Lagerkapazitäten stammen überwiegend noch aus sowjetischer Zeit, sind marode und genügen nicht mehr den modernen Ansprüchen einer schlagkräftigen Vermarktung. Lagerhaltung, Binnenlandtransport und Hafenkapazitäten arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen und kosten überdurchschnittlich hohe Vermarktungskosten, die 4 bis 5 mal höher sind als in der EU. Gelegentlich sind die Lieferkosten aus entfernt liegenden Regionen höher als der Wert der Fracht.

Aufgrund der bestehenden politischen und finanziellen Umstände ist nicht zu erwarten, dass Russland, die Ukraine und Kasachstan in absehbarer Zeit in der Lage sein werden, ihre Markt- und Wachstumspotenziale entsprechend auszuschöpfen. Politische und Finanzielle Stabilisierung sind dringend erfrorderlich Marktkonforme und exportorientierte Politiken sowie Investitionen in räumliche und betriebliche Infrastruktur müßten folgen.

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