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17:45

Russlands Getreideproduktion kommt in die entscheidende Ertragsphase

Welche Rolle spielt Russland im Getreidehandel 2015/16?

Im ablaufenden Getreidewirtschaftsjahr hat Russland nach großem Anfangsschwung spätestens ab dem 1. Febr. 2015 seine Ausfuhren mit Hilfe einer drastischen Exportsteuer stoppen müssen. Die starke Abwertung des Rubel machte russisches Exportgetreide enorm wettbewerbsfähig. Der starke Verkauf ins Ausland verteuerte jedoch die Inlandsware. Die ohnehin durch den Importstopp von Nahrungsmittel hohen Inflationsraten bei den Ernährungsgütern drohte seinerzeit aus den Fugen zu geraten.

Die Freigabe der Exporte in jüngster Zeit beruht auf der Einschätzung einer großen russischen Ernte, die mit 100 Mio. t nur wenig hinter dem vorjährigen Rekordergebnis zurück bleiben soll. Die hohen Erwartungen an eine große Ernte wurden aufgrund einer günstigen Frühjahrsentwicklung mit ausreichenden Niederschlägen  entwickelt, die die Bestellungsprobleme im Herbst 2014 vergessen machten. Auch die Finanzierungsprobleme bei der Betriebsmittelbeschaffung infolge hoher Inflationsraten werden von den politisch Verantwortlichen weniger zur Kenntnis genommen als von führenden Beratungsinstitutionen der russischen Landwirtschaft.  Deren Ernteschätzungen liegen zwischen 90 und 95 Mio. t.

Für das tatsächliche Ernteergebnis spielt die Kornbildungsphase in den Monaten Juni bis Juli noch eine ausschlaggebende Rolle. Dabei sind die Wasserverhältnisse von zentraler Bedeutung. Die vorliegenden Messzahlen zeigen, dass in den zentralen Anbaugebieten Zentralrusslands, im südlichen Distrikt, in der Nordkaukasusregion und im Wolgagebiet die Bodenfeuchtigkeitsprozente nur bei knapp 40 % liegen. In bestimmten Räumen liegen die Werte auch noch darunter.

Die mehrwöchigen Wettervorhersagen für die russischen Weizenanbaugebiete zeigen eine niederschlagsarme Periode ab der 2. Juniwoche an. Wenn kein ausreichender  Regen mehr fallen sollte, wird die Kornausbildung zu Lasten der Hektarerträge  schwächer ausfallen, als bisher angenommen wurde. Derartige Wetterentwicklungen sind unter dem Stichwort Kontinentalklima mit heißen trockenen Sommern bekannt. In Russland tritt dieses Phänomen in bestimmter Regelmäßigkeit auf. Der letzte dramatische Fall war 2010 mit der Halbierung von Durchschnittsernten.

Eine deutliche Minderung der russischen Ernte hätte weitreichende Folgen für den Export. Die aktuelle in Kraft gesetzte Exportsteuer beginnt ab einem Ausfuhrpreisniveau von 210 € je t. Sollte diese Preismarke überschritten werden, könnte sich ein progressiv verlaufender Preisprozess entwickeln. Steigende Preise werden durch steigende Exportsteuern noch weiter in die Höhe getrieben.

Die enge Beziehung zwischen den Schwarzmeerausfuhrgebieten und den EU-Exportstaaten  im Wettbewerb um die Einfuhrländer an der nordafrikanischen Küste und des Nahen Ostens könnte sich in einem anderen Licht präsentieren. Der schwache Euro beeinträchtigt  die ausreichende Wettbewerbsfähigkeit der US-Exporte, so dass mehr als bisher prognostiziert  die EU-Ausfuhren größere Dimensionen annehmen können.

Das hohe Maß an unberechenbarer Wetterabhängigkeit in einem El Niño Jahr kann in den nächsten Wochen und Monaten noch zu erheblichen  Preisänderungen führen.

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