22.
07.13
12:20

Versorgung auf dem Weltgetreidemarkt 2013/14 - Wird die zukünftige Lage überschätzt?

Versorgungslage mit Getreide auf dem Weltmarkt nach aktueller Schätzgrundlage

Alle Welt erwartet eine Weltgetreideernte auf Rekordniveau. Entsprechend tief sind die Terminkurse an den Börsen gefallen. Mit weiter günstiger Wetterentwicklung geben die Notierungen zusätzlich nach. Hierzulande unterbieten sich an den Kassamärkten die Gersten- und Roggenpreise weit unter 16 €/dt.

Für das Preisniveau ist aber das grundsätzliche Angebots-Nachfrage-Verhältnis entscheidend, nicht das Ernteergebnis allein. Dabei ist eine Bilanz aufzumachen, bei der auf der Angebotsseite Anfangsbestände und Ernte stehen. Die Anfangsstände dieses Jahres liegen um 35 Mio. t unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Dieser Betrag muss erst mal berucksichtigt werden.

Auf der Verbrauchsseite werden die menschliche Ernährung, der Futterverbrauch, der industrielle Verbrauch (u.a. Bioethanol) und das Saatgut zusammengezählt. Zum Schluss errechnet sich aus dem Angebot abzüglich  Verbrauch der Endbestand. Wenn der Endbestand größer als der Anfangsbestand ausfällt wird eine verbesserte Versorgung anzunehmen sein und sinngemäß umgekehrt. Der Verbrauch nimmt durchschnittlich jährlich um 40 Mio. t zu, wenngleich im letzten  Jahr der Industrieverbrauch keine boomende sondern eher stagnierende Entwicklung gezeigt hat.

Die Daten des katastrophalen Vorjahres sind jedoch kein geeigneter Vergleichsmaßstab zur Beurteilung der Marktlage

Als sinnvolle Meßgröße für die Beurteilung einer jährlichen Versorgungslage hat sich der Prozentsatz des Endbestandes zum Verbrauch herausgestellt („stock-to-use-ratio). Im langjährigen Durchschnitt sollte er bei knapp 20 % liegen.

Berechnet man diese Kenngröße für das laufende Jahr 2013/14 auf der Grundlage der vorhandenen Schätzungsunterlagen, kommt eine Größenordnung von rd.18,5 % heraus. Diese Größenordnung liegt zwar höher als im abgelaufenen Jahr mit unter 18 %, liegt aber beachtlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Dementsprechend sollten die Durchschnittspreise für das Jahr 2013/14 zwar etwas niedriger liegen als im abgelaufenen Jahr, aber sich mindestens auf dem mehrjährigen Durchschnittsniveau bewegen.  Für die Preisfindung ist jedoch nicht nur schematisch vorzugehen, sondern es ist darüber hinaus zu berücksichtigen, wie die Versorgungslage in den bedeutenden Getreideexportländern ausfällt. Dabei stehen die USA, das Schwarzmeergebiet und die EU-28 ganz vorne an. Das deutlich verbesserte Endbestands-Verbrauchsverhältnis in diesen Regionen signalisiert eine höhere Bereitstellungskapazität ans Ausfuhrgetreide für die bedürftigen  Importländer. Daraus entsteht ein preisdeckelnder Effekt, der das Preismanometer  über den mehrjährigen Durchschnittswerten hin in deutlich Schach hält.

Wie immer im Marktgeschehen braucht es seine Zeit bis ein auf aktuell unsicheren  Wissensstand versorgungsgerechtes Preisniveau ausgependelt ist. Bis wieder was Neues kommt.

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