Trotz absehbarer Ernteminderungen bleiben Preise auf schwachen Kurs
So fulminant der Monat Juli begonnen hat, so enttäuschend verlaufen die Getreidekurse zu Beginn des Monats August. Zugegeben der saisonale Erntedruck ist wenig dazu angetan, die Preisentwicklung zu beflügeln. Auch wird immer wieder auf die weltweit hohen Über-lagerungsbestände hingewiesen, so dass zurzeit kein Angebotsengpass zu erkennen ist.
Börsenkurse sind je nach Liefertermin auf die zukünftige Versorgungslage ausgerichtet. Die Aussichten einer überdurchschnittlich hohen Versorgungslage sind in diesem Jahr deutlich geschmälert. Die bisherigen Voraussagen zeigen übereinstimmend, dass das zukünftig zur Verfügung stehende Angebot deutlich kleiner ausfallen wird. Die zukünftigen Vorratsbestände der führenden Exportländer werden so gering wie zuletzt 2013/014 ausfallen.
Das mag bereits alles eingepreist sein. Aber die jüngeren Informationen absehbarer Ernteminderungen und Ertragsrisiken müßten eigentlich Grund genug sein, in Form von Risikoprämien die Börsennoteirungen zumindest zu stabilisieren.
Es zählen jedoch die Fakten. Weizen- und Maiskurse in Paris sind auf die Linie von 165 €/t gefallen. Noch vor einem Monat lagen die Weizenpreise bei 180 €/t. In Chicago wird Weizen und Mais umgerechnet bei rd 125 €/t notiert.Eine gewisse Rolle spielt der Umrechnungskursvon 1,185 $ je €. In beiden Fällen haben sich fallende Tendenzen noch nicht in eine deutliche Gegenbewegung entwickeln können.
Im Falle des Weizenmarktes hat die um rd. 25 % kleinere US-Ernte bereits für entsprechenden Preisauftrieb gesorgt. Die jüngsten sich abzeichnenden witterungsbedingten Ertragsbeeinträchtigungen in Kanada liefern bereits Hinweise auf Abschläge bei den Ernteerwartungen. In Europa leidet der Norden und Osten unter den hohen Niederschlägen, die nicht nur die Ertragsmengen beeinträchtigen, sondern auch bei der Qualitätsminderung eine Rolle spielen.
In Australien wird nach dem vorjährigen Rekordjahr mit einem 40%igen Ernterückgang gerechnet, auch wenn in jüngster Zeit einige allerdings nicht flächendeckende Niederschläge für etwas Entspannung gesorgt haben. Dennoch bleibt die kommende Ernte weit unter mehrjährigen Durchschnitt.
Dem stehen überraschend hohe Ernteprognosen bis zu 76 Mio. t Weizen in Russland gegenüber, die nicht von allen Marktbeobachtern geteilt werden. In jedem Fall ist damit zu rechnen, dass selbst bei einer weniger hohen russischen Ernte noch genügend große Überlagerungsbestände aus dem vorjährigen Rekorderntejahr für Exportzwecke zur Verfügung stehen. Wenn dazu noch der Rubelkurs etwas schwächer bleiben sollte, ist das russische Exportangebot wettbewerbsüberlegen – insbesondere gegenüber der EU.Damit wird zunehmend deutlicher, dass bei der Preisbildung im Weizensektor das Schwarzmeergebiet mit an vorderster Front steht.
Im Falle des Maismarktes sorgt das überdurchschnittlich hohe Angebot aus der brasilianischen Zweiternte für Preisdruck. In den USA gibt es widerstreitende Einschätzungen über die Ertragsentwicklung der kommenden Maisernte. Jedenfalls werden die Witterungsbedingungen im Monat August den entscheidenden Ausschlag geben. Zurzeit sind die Wetteraussichten in einigen US-Anbaugebieten durchaus vielversprechend, es gibt aber auch Regionen mit erheblichem Niederschlagsdefizit.
Für die weitere Kursentwicklung wird in allen Fällen der Wechselkurs $ zu € eine mitentscheidende Rolle spielen. Im Hintergrund steht dabei auch der sich stabilisierende Rohölkurs. Die handelspolitischen Einflüsse sind schwer kalkulierbar, jedenfalls tragen sie zu weiterer Versicherung bei.
In der kommenden Woche werden vom USDA-Bericht neue Eckdaten erwartet.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz absehbarer Beeinträchtigungen der laufenden Ernte bleiben die Getreidekurse schwach. Hohe aktuelle globale Überlagerungsbestände und der aktuelle Erntedruck sowie ein starker Eurokurs sind die aktuell entscheidenden Faktoren. Das zu erwartene hohe russiche Exportangebot wird zum dominanten Faktor der Preisbildung im Weizensektor. Wetterentwicklungen und Handelspolitik sorgen vorerst für anhaltende Verunsicherung.