Rückgang des Rohölkurses, Argentiniens neue Agrarexportpolitik, US-Leitzinserhöhung - gemäßigte Auswirkungen auf Getreidekurse
Die massiv gefallenen Rohölkurse auf unter 40 $ je barrel bedeuten für diejenigen Agrarrohstoffe, aus denen Biokraftstoffe hergestellt werden, zunächst eine deutliche Schlechterstellung. Das gilt im Getreidesektor insbesondere für den Mais, aus dem in großem Umfange Bioethanol hergestellt wird. In den USA beträgt der Anteil 38 % der Maiserzeugung. Auch wenn der Beimischungszwang stärkere Nachfragerückgänge verhindert, wird nur gerade soviel Mais gekauft, wie unbedingt nötig. Ggfs. nimmt man sogar eine handelbare Strafabgabe in Kauf.
Die Agrarexportpolitik der neuen argentinischen Regierung hat die Exportzölle auf Weizen und Mais auf Null heruntergesetzt. Darüberhinaus ist der Peso freigegeben worden und wird voraussichtlich an Kaufkraft verlieren. Beide Faktoren sollen die Exporte u.a. von Weizen und Mais verbessern. Die argentinischen Farmer haben bisher Ausfuhren hinausgezögert, um sich gegen die Inflation im Lande abzusichern. Es wurde nur das notwendigste zur Liquiditätserhaltung verkauft und hohe Lagerbestände aufgebaut.
Unter den neuen Bedingungen könnte sich diese Lagerhaltungsmentalität ändern. Man schätzt, dass rd. 2 Mio. Mais und Weizen kurzfristig mobilisierbar sind. Aber noch hat sich der freie Wechselkurs nicht auf neues niedrigeres Niveau stabilisiert, so dass vorsichtiges Abwarten angesagt ist. An den Börsen wird jedoch ein größerer Angebotsschub aus Argentinien auf den globalen Agrarmärkten erwartet.
Die jüngste Leitzinserhöhung der US-Zentralbank liefert ein eindeutiges Signal einer wieder aktiven US-Zinspolitik. Höhere Zinsen in den USA sollten zu einem anhaltend stabileren Dollarkurs führen. Das erschwert die US-Getreideausfuhren auf der einen Seite, dürfte aber im Gegenzuge zu einer exportunterstützenden Euro-Schwächung beitragen.
Die vorgenannten Einflußfaktoren haben sich jedoch in einem gemäßigten Umfange auf die Börsenkurse für Mais und Weizen ausgewirkt. Einerseits waren einige dieser vorgenannten Entwicklungen bereits voraussehbar und bereits eingepreist. Auf der anderen Seite ist die Versorgungslage auf den globalen Getreidemärkten doch nicht risikolos, um Risikoprämien gleich über Bord zu werfen. Das El Nino-Wetter kann auf der Südhalbkugel noch für einige Verunsicherungen bei den Anschlussernten sorgen. Südafrika und Äthiopien melden höheren Einfuhrbedarf als Folge El Nino-bedingter Ausfälle an.
In Russland und mehr noch in der Ukraine werden die Wintersaatenbestände eher kritisch beurteilt. Für weite Teile Europas haben die milden Temperaturen und fehlende Schneedecken zu einer unzureichenden Ausbildung der Winterhärte bei den Getreidepflanzen geführt. Eine plötzliche Kältewelle könnte gravierende Folgen für die kommende Ernte haben.
Angesichts der noch ausstehenden Unsicherheitsfaktoren werden preissenkende Aspekte in überschaubaren Rahmen schnell durch Risikoprämienaufschläge teilweise wieder abgefangen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die jüngsten Preisrückgänge auf dem Rohölmarkt schränken die Nachfrage nach Agrarrohstoffen im Getreidesektor in überschaubaren Maße ein. Die neue Exportpolitik Argentiniens wird sich voraussichtlich weniger schlagartig auf die Angebotslage auswirken, sondern eine gewisse Anpassungsperiode durchlaufen. Die Leitzinspolitik der USA entwickelt für die USA Schattenseiten, für andere Konkurrenzländer aber positive Aussichten. Für eine durchgreifende Preisentwicklung in eine bestimmte Richtung gibt es noch zu viele Unsicherheiten und Risiken zu beachten. Daher reagieren die Börsenkurse auch eher moderat.