Die Weizenkurse standen in der abgelaufenen Handelswoche deutlich unter Druck. Insbesondere der Quartalsbericht des USDA sorgte für einen Kursrutsch, da sowohl die US-Weizenbestände als auch die Produktionsprognose die Markterwartungen klar übertrafen. Die Winterweizenernte wird nun mit 1,4 Mrd. Bushel taxiert, was ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch die Bestände zum 1. September lagen mit 2,12 Mrd. Bushel auf Fünfjahreshoch. Die Reaktion an den Börsen war prompt: Die Notierungen für SRW- und HRW-Weizen gaben zur Wochenmitte spürbar nach. Sommerweizen wurde im USDA-Bericht zwar etwas niedriger beziffert, blieb jedoch über den Erwartungen. Belastend wirkte zudem die Ankündigung des US-Shutdowns, der die Veröffentlichung wichtiger Marktberichte verzögerte. Auf globaler Ebene sorgte Russland für Schlagzeilen. In der Region Rostov wurde ein nationaler Notstand ausgerufen, nachdem eine Dürre die Ernte auf über einer Million Hektar beschädigte. Außerdem ist zu vermuten, dass Russland durch die stetigen Angriffe auf die Raffinerien durch die Ukraine auch Engpässe beim Diesel erfährt. Analysten rechnen damit, dass Rostov erstmals seit zehn Jahren nicht mehr die führende Weizenregion Russlands ist. Dennoch wurde die Exportprognose von Sovecon lediglich leicht gesenkt. Die Euronext folgte den schwachen Impulsen aus Übersee. Hinzu kam die angehobene Produktionsschätzung der EU-Kommission, die ein Zehnjahreshoch von 132,6 Mio. Tonnen in Aussicht stellt.
Im Maismarkt bestimmten ebenfalls die USDA-Zahlen das Geschehen. Zwar blieb die neue Produktionsschätzung nahezu unverändert, doch die Bestände zum 1. September lagen mit 1,532 Mrd. Bushel rund 200 Mio. Bushel über den Erwartungen. Die Reaktion folgte prompt mit Kursverlusten an der CBoT. Zusätzlich sorgten Rekordertragserwartungen und ein flächenbedingt verzerrtes Bild beim Erntefortschritt für Druck. In Argentinien führte die zeitweise ausgesetzte Exportsteuer zu einem Abverkauf großer Lagermengen. An der Euronext rutschten die Maisnotierungen ebenfalls ab, zeigten gegen Ende der Woche jedoch erste Stabilisierungstendenzen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die abgelaufene Woche hat das Marktbild für Weizen und Mais deutlich eingetrübt. Die aktuellen USDA-Daten belegen, dass die Lager weiterhin gut gefüllt sind und neue Produktionsprognosen wenig Entlastung bringen. Vor allem bei Weizen zeigen sich fundamentale Überhänge. Die geopolitischen Risiken aus Russland könnten mittelfristig bullisch wirken, doch derzeit überwiegen die bärischen Impulse. Bei Mais wirkt der Markt stark angebotsdominiert, auch wenn die physische Ernte verzögert erscheint. Für beide Märkte dürften wichtige Impulse nun vom Wetter in den USA sowie den Exportzahlen der kommenden Wochen abhängen. Solange die Marktdynamik von hoher Versorgungslage geprägt ist, bleibt eine nachhaltige Kurserholung vorerst unwahrscheinlich.