Die Agrarmärkte erlebten in dieser Woche eine bewegte Entwicklung. Nach dem Preisrutsch der Vorwoche konnten sich die Weizen- und Maisnotierungen jedoch erstmal erholen. Vor allem technische Gegenbewegungen sorgten am Montag für grüne Vorzeichen, auch wenn fundamentale Faktoren weiterhin für Zurückhaltung sorgten. Mit Spannung blickte der Markt auf die Veröffentlichung des USDA-Quartalsberichts, der schließlich am Dienstag mit überwiegend bärischen Signalen aufwartete: Höhere Lagerbestände bei Weizen und solide Anbauflächen belasteten die Kurse, ebenso wie der zügige Fortschritt bei der US-Winterweizenernte.
Auch die globale Perspektive spielte eine Rolle. Der Internationale Getreiderat (IGC) hob seine Prognose für die weltweite Getreide- und insbesondere die Weizenernte leicht an. Zeitgleich sorgten gute Wetterbedingungen in Argentinien für positive Aussichten bei der Weizenernte. Die Exportzahlen der USA blieben dabei ein zweischneidiges Schwert: Zwar stiegen die Weizenverladungen im Wochenvergleich deutlich, dennoch hinkt der Saisonstart im Vergleich zum Vorjahr hinterher.
Im Wochenverlauf gewannen geopolitische Themen an Gewicht. Vor allem ein überraschender Handelsdeal zwischen den USA und Vietnam brachte neue Impulse. Die Einigung, wonach Vietnam auf US-Waren Zölle verzichtet, während Washington moderate Einfuhrabgaben beibehält, wurde am Markt als strategischer Erfolg gewertet – mit direktem Einfluss auf den Weizenmarkt, da Vietnam ein relevanter Importeur ist. Der Weizen legte zeitweise kräftig zu und lag für den Juli bei 556,00 US-Cent/bushel, was eine Steigerung von 18,60 US-Cent zum Vortag war.
Während sich der Weizen jedoch gegen Ende der Woche trotz stabiler Daten nicht weiter steigern konnte und Gewinne vom Vortag abgab, setzte Mais seine Erholung weiter fort.
ZMP Live Expertenmeinung
Im weiteren Verlauf dürfte der Getreidemarkt weiter zwischen wetterbedingter Unsicherheit und globalen Angebotssignalen schwanken. Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf die Erntebedingungen in den USA, Kanada und Russland – insbesondere bei Weizen könnten witterungsbedingte Ertragseinbußen noch preistreibend wirken. Gleichzeitig bleibt der Exportdruck hoch, vor allem durch aggressive Konkurrenz aus dem Schwarzmeerraum. Bei Mais dürften stabile Nachfrageimpulse aus dem Ethanolsektor für Unterstützung sorgen. Sollte sich das Wetter in den Hauptanbauregionen jedoch weiter verbessern, ist mit einem zunehmenden Preisdruck zu rechnen.