Die Weizennotierungen gerieten zu Wochenbeginn unter Druck, belastet durch die deutlich erhöhte Produktionsprognose aus Argentinien. Die Buenos Aires Grains Exchange hob ihre Schätzung auf 25,5 Millionen Tonnen an und verunsicherte damit die Märkte zusätzlich zu den bereits dominanten Exporten aus Russland. Auch in Australien zeichnen sich überdurchschnittliche Erträge ab. Während SRW- und HRW-Weizen an der CBoT zu Wochenbeginn Verluste verbuchten, erholten sich die Kurse zur Wochenmitte angesichts der verschärften Kriegslage im Schwarzen Meer. Drohnenangriffe auf russische Frachtschiffe und die Androhung einer Seeblockade durch Putin ließen Risikoaufschläge in die Kurse zurückkehren. Die Ausschreibung Algeriens trug ebenfalls zur Stabilisierung bei. Dennoch blieb die Stimmung angesichts der schwachen Exportzahlen aus den USA insgesamt verhalten. In Kanada überraschte das Statistikamt mit einer nach oben korrigierten Ernteprognose, was den Weizenpreisen gegen Ende der Woche erneut den Schwung nahm. An der Euronext schwankten die Kurse stark, erholten sich zur Wochenmitte, gaben am Freitag jedoch wieder nach.
Am Maismarkt setzte sich die Rally zum Wochenauftakt zunächst fort, angetrieben von alten USDA-Daten mit überraschend hohen Exportbuchungen. Gewinnmitnahmen setzten allerdings rasch ein, gestützt durch prall gefüllte Lagerbestände in Nordamerika. Zwischenzeitlich führten geopolitische Spannungen sowie Transportprobleme im Mittleren Westen zu steigenden Kursen, ehe die Nachricht über hohe brasilianische Exporterwartungen für Dezember die Notierungen erneut belastete. Trotz eines starken US-Exportberichts zum Wochenschluss blieben weitere Kursgewinne aus. An der Euronext zeigte sich der Markt durchweg schwächer und folgte dem US-Trend nur punktuell.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz geopolitischer Spannungen im Schwarzen Meer bleiben die fundamentalen Rahmenbedingungen für Weizen und Mais von einem komfortablen globalen Angebot geprägt. Die Ernten in Argentinien und Kanada entwickeln sich besser als erwartet und setzen die Preise unter Druck. Zwar führen kriegsbedingte Risiken immer wieder zu kurzfristigen Kursaufschlägen, doch bislang fehlen klare Signale für eine anhaltende Aufwärtsbewegung. Auch der Maismarkt zeigt sich trotz starker US-Exportzahlen volatil, da die Angebotsseite überwiegt. Sollte Brasilien im Dezember tatsächlich so umfangreich exportieren wie prognostiziert, könnte dies die Preise weiter belasten. Insgesamt bleibt der Markt in einer abwartenden Haltung mit leichter Tendenz zur Schwäche.