In der ersten Juniwoche zeigte sich der internationale Getreidemarkt zweigeteilt: Während die Weizenkurse auf der Suche nach Impulsen zwischen geopolitischer Unsicherheit und guten Ernteaussichten schwankten, blieben die Maispreise unter Druck – mit wenigen Erholungsversuchen.
US-Weizen profitiert weiterhin vom schwachen Dollar, der ihn auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig macht. Doch zugleich dämpfen gute Anbaubedingungen in den USA die Preisfantasie. Zwischenzeitlich sorgte die Eskalation im Ukraine-Krieg für Kursaufschläge, da Marktteilnehmer mögliche Störungen im Schwarzmeerhandel befürchten. Doch bereits zur Wochenmitte dominierten wieder die Fundamentaldaten: Die Winterweizenernte in den USA hat begonnen, die Bestandsbewertungen wurden vom USDA überraschend aufgewertet.
Der Maismarkt zeigte sich überwiegend schwach. Die gute Wetterlage im US-Corn Belt lässt auf eine üppige Ernte hoffen, was die Kurse belastet. Zwar blieb die Exportnachfrage zuletzt robust, und auch der Ethanolverbrauch bewegt sich auf hohem Niveau – doch die Aussicht auf volle Silos bremst die Preisentwicklung. Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte auch die Ukraine am Maismarkt. Das ukrainische Agrarministerium rechnet im Negativszenario mit einer Ernte von lediglich 26 Mio. t – deutlich unter den aktuellen USDA-Prognosen von 30 Mio. t. Neben dem Krieg spielen vor allem ungünstige Pflanzenentwicklungen eine Rolle.
Insgesamt bleibt die Stimmung an den Getreidemärkten gedämpft. Die gute Versorgungslage überlagert derzeit geopolitische Risiken – doch neue Impulse, etwa durch Wetterumschwünge oder politische Entwicklungen, könnten jederzeit für Bewegung sorgen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Märkte für Weizen und Mais stehen in einem Spannungsfeld aus guten Ertragsaussichten auf der Nordhalbkugel, robuster Exportnachfrage und geopolitischen Risiken. Der Fokus richtet sich zunehmend auf den Fortschritt der Ernte und auf die Wetterentwicklungen. Die Preisentwicklung dürfte in den kommenden Tagen davon abhängen, ob sich die Lage in der Ukraine zuspitzt und mit welcher Wucht Russland auf die jüngsten Ereignisse reagiert. Zusätzlich bleibt offen, ob die Annäherung von China und den USA nachhaltige Früchte trägt.