Nach einem freundlichen Start in den Handelstag mussten die Maismärkte gestern deutliche Verluste hinnehmen. Die vorderen Futures-Kontrakte schlossen mit einem Minus von 6 bis 7 Cent, die neue Ernte verlor ½ Cent. Belastet wurde der Markt, insbesondere durch rückläufige Ethanol-Daten sowie anhaltende Unsicherheit vor den kommenden USDA-Prognosen.
Die aktuellen Zahlen der EIA zeigen einen spürbaren Rückgang der Ethanolproduktion auf 1,02 Mio. Barrel pro Tag – ein Minus von 20.000 bpd. Auch die Lagerbestände sowie der Ethanolverbrauch durch Raffinerien und Exporte gingen spürbar zurück. Diese Daten deuten auf eine nachlassende Nachfrage aus dem Energiesektor hin, was dem Maismarkt die Dynamik nahm. Am heutigen Donnerstagmorgen wird mit Spannung der Exportbericht erwartet. Analysten rechnen für Altbestände mit einem Exportvolumen zwischen 0,7 und 1,4 Mio. Tonnen. Die Zahlen für die neue Ernte dürften hingegen verhalten ausfallen (Erwartung: 0 bis 300.000 Tonnen). Aus Brasilien kommen ebenfalls dämpfende Signale: Mit lediglich 178.347 Tonnen Maisexport im April meldet der größte südamerikanische Produzent einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vormonat – allerdings deutlich über dem Vorjahresniveau. Der Blick richtet sich nun auf die USDA-Schätzung in der kommenden Woche. Analysten gehen im Vorfeld von einem durchschnittlichen Ertrag von 181,1 bpa aus und erwarten eine Gesamtproduktion von rund 15,8 Milliarden Scheffel – ein potenzieller Preisdruckfaktor, sollten diese Zahlen bestätigt werden.
Auch beim Weizen starte die Woche volatil und die Weizenmärkte beendeten den Mittwoch mit weiteren Verlusten. Die SRW-Futures aus Chicago gaben leicht um 1 bis 2 Cent nach, während HRW-Kontrakte in Kansas City mit deutlicheren Rückgängen zwischen 7 und 9 Cent schwächer tendierten. Auch Frühjahrsweizen in Minneapolis verzeichnete Verluste von 7 bis 8 Cent je Scheffel. Meteorologen erwarten für die kommenden sieben Tage überwiegend trockenes Wetter in weiten Teilen der US-Anbaugebiete – insbesondere von Texas bis in die nördlichen Plains. Zwar könnten SRW-Anbauregionen leichte Regenmengen erhalten, insgesamt bleibt die Lage jedoch kritisch für die weitere Pflanzenentwicklung. Der Markt wartet auch hier gespannt auf den Exportbericht am Donnerstag. Erwartet werden bei Altbeständen Buchungen zwischen -100.000 und +150.000 Tonnen – also möglicherweise sogar Netto-Stornierungen. Die Erwartungen für die neue Ernte liegen bei 200.000 bis 400.000 Tonnen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem USDA-Erntebericht am kommenden Montag. Analysten gehen aktuell von einer Gesamternte von 1,885 Milliarden Scheffel aus, wobei 1,325 Milliarden auf Winterweizen entfallen sollen. Der HRW-Anteil wird mit 748 Mio. Scheffel beziffert, SRW mit 342 Mio. und White Winter mit 234 Mio.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Getreidemärkte stehen derzeit zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite sorgen Wetterrisiken, schwache Exporte aus Brasilien und Unsicherheiten vor den USDA-Berichten für potenzielle Preisimpulse nach oben. Auf der anderen Seite drücken schwache Energienachfrage, hohe Ernteprognosen und eine schleppende Exportentwicklung auf die Stimmung. Kurzfristig bleibt das Marktumfeld volatil. Die in Kürze anstehenden USDA-Zahlen könnten für eine Richtungsentscheidung sorgen