Die Getreidemärkte standen in dieser Woche zunächst im Bann der Trockenheit in den US Plains, ehe Wetterumschwung und geopolitische Entspannung die Stimmung drehten. Vor allem SRW Weizen an der CBoT bewegte sich zu Wochenbeginn nahe mehrjähriger Hochs, gestützt durch Sorgen vor einer möglichen Wiederholung der Dürre von 2012. HRW Weizen reagierte differenzierter, da die Regenprognosen für die südlichen Plains bereits früh für Zurückhaltung sorgten. Unterstützung kam zunächst auch von robusten US Exportzahlen sowie neuen Ausschreibungen aus Nordafrika. Zudem meldete Indien erstmals seit vier Jahren wieder kleinere Weizenexporte. Gegen Wochenmitte kippten die Märkte jedoch deutlich ins Minus. Niederschläge für die US Plains und große Teile Europas reduzierten die Wetterprämie spürbar. Gleichzeitig belastete der starke Rückgang der Rohölpreise nach Hoffnungen auf eine Entspannung im Konflikt um die Straße von Hormus. Zusätzlichen Druck erzeugten steigende kanadische Lagerbestände und bessere Ernteaussichten in Europa. Zum Wochenausklang sorgte eine niedrigere russische Exportprognose zwar kurzfristig für Aufmerksamkeit, konnte den Abwärtstrend jedoch nicht stoppen.
Auch Mais startete fest in die Woche. Hohe Exportnachfrage, starke Ethanolproduktion und die Rally am Rohölmarkt trieben die Kurse zeitweise auf den höchsten Stand seit Ende 2023. Mit der Entspannung am Energiemarkt setzte jedoch eine deutliche Korrektur ein. Zusätzlicher Druck kam von höheren Produktionsschätzungen für Brasilien sowie schwächeren US Exportzahlen gegen Ende der Woche.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Märkte haben einen großen Teil der zuvor aufgebauten Wetterprämie wieder abgegeben. Entscheidend dürfte nun sein, ob die angekündigten Niederschläge in den US Plains tatsächlich nachhaltig Entlastung bringen. Vor allem beim HRW Weizen bleibt die Lage trotz der Korrektur angespannt. Beim Mais richtet sich der Fokus zunehmend auf die Entwicklung der brasilianischen Zweiternte und die Dynamik der Ethanolnachfrage. Sollte der Ölpreis weiter nachgeben, könnte zusätzlicher Druck entstehen. Gleichzeitig bleibt die internationale Nachfrage robust genug, um stärkere Rückschläge vorerst zu begrenzen.