Die Weizenmärkte standen in der vergangenen Woche unter dem Eindruck schwacher internationaler Preisvorgaben und einer insgesamt komfortablen globalen Versorgungslage. In Chicago fielen SRW- und HRW-Notierungen zu Wochenbeginn auf neue Mehrjahrestiefs, belastet durch eine weitgehend reibungslos verlaufende Ernte auf der Nordhalbkugel und stabile bis sinkende Exportpreise im Schwarzmeerraum. Während das USDA solide wöchentliche US-Exportinspektionen meldete, war der Rückgang der EU-Weichweizenexporte im Saisonverlauf ein klares Warnsignal. Gegen Mitte der Woche stabilisierten sich die Kurse leicht, ehe sie am Donnerstag von einem deutlichen Anstieg der US-Wochenexportverkäufe und einer südkoreanischen Ausschreibung spürbar Auftrieb erhielten. Die Euronext folgte den Schwankungen mit zeitweisen Short-Eindeckungen, die jedoch zwischenzeitlich wieder verpufften.
Am Maismarkt dominierten bärische Ernteschätzungen. Analysten rechnen mit einer US-Rekordernte, unterstützt durch vorteilhafte Anbaubedingungen und stabile Bestandsbewertungen. Selbst wiederholte USDA-Meldungen zu größeren Verkäufen und solide Exportinspektionen konnten den Abwärtstrend zunächst nicht stoppen. Belastend wirkte zudem die schwache Ethanolproduktion in den USA sowie Sorgen, dass Trumps neue Zölle die Nachfrage dämpfen könnten. Erst zum Wochenschluss kam es zu einer Erholung, getragen von sehr hohen Neuernte-Verkäufen und moderaten Gewinnen an der Euronext. Internationale Impulse setzten die schwächeren brasilianischen Juli-Exportzahlen, die jedoch im Monatsvergleich anstiegen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Getreidemärkte präsentieren sich weiterhin wetter- und exportgetrieben, doch der übergeordnete Trend bleibt bei Mais klar bärisch, solange die Rekorderwartungen Bestand haben. Weizen hat durch die jüngsten starken Exportverkäufe kurzfristig Rückenwind erhalten, steht jedoch weiter unter Druck durch eine komfortable globale Versorgungslage. Entscheidend für die kommenden Tage wird sein, ob institutionelle Investoren beginnen, ihre Short-Positionen im Weizen aufzulösen – dies könnte einen schnellen Richtungswechsel einleiten. Bei Mais dürften die Marktteilnehmer vor allem die Witterungsentwicklung im Maisgürtel im Auge behalten, da eine Hitzewelle regional Ertragspotenzial kosten könnte. Der Einfluss des US-Dollars und der internationalen Handelspolitik bleibt als Unsicherheitsfaktor bestehen. Insgesamt gilt: Erholungen sind derzeit eher technische Gegenbewegungen im Abwärtstrend.