Die Weizenmärkte standen in der vergangenen Woche unter Druck, vor allem aufgrund schwächerer Exportzahlen und zunehmender handelspolitischer Unsicherheiten. In den USA liegt die Winterweizenernte mit etwa 53 % Eingebracht-Status auf Vorjahresniveau, jedoch leicht unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Der Zustand der Bestände hat sich leicht verschlechtert. Positiv wirken sich zwar weiterhin hohe Exportverkäufe aus, vor allem an Länder wie Mexiko, Brasilien, Indonesien und Südkorea, doch dämpfen Ankündigungen höherer Zölle auf Waren aus asiatischen Ländern sowie die Senkung der russischen Exportsteuer auf null Prozent die Stimmung. Durch die Wegnahme der Exportsteuer in Russland erhöht sich der Wettbewerbsdruck auf dem Weltmarkt deutlich, was Weizenpreise unter Druck setzt. Auch die EU exportierte im jüngsten Vermarktungsjahr deutlich weniger Weizen als im Vorjahr, was den globalen Angebotsüberhang verstärkt. An den europäischen Terminbörsen wie der Euronext zeigte sich der Weizenpreis in einer Seitwärtsbewegung mit leicht steigender Tendenz zum Ende der Woche. Vor dem anstehenden USDA-WASDE-Bericht herrscht Zurückhaltung, doch die Erwartung einer geringeren US-Produktion und etwas sinkender Lagerbestände sorgt für Unterstützung.
Der Maismarkt reagierte ebenfalls empfindlich auf die Handelspolitik: Die Ankündigung der US-Regierung, ab August die Zölle auf Waren aus Südkorea und Japan zu erhöhen, belastete die Preise spürbar. Trotz der politischen Unsicherheiten bleibt die Exportnachfrage robust. Wöchentliche Exportzahlen zeigen einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, mit starken Käufern wie Mexiko, Japan und Südkorea. Gleichzeitig verbessern sich die Zustandsbewertungen der Maisbestände in den USA, und das gute Anbauwetter sorgt für optimistische Ertragserwartungen. Brasilien hob zudem seine Ernteschätzung deutlich an, was das weltweite Angebot weiter erhöht und den Preisdruck verstärkt. Die Maispreise an der Euronext bewegten sich im Wochenverlauf schwankend, tendierten aber insgesamt leicht nach unten. Mittelfristig könnten jedoch eine steigende Ethanolproduktion und sinkende Lagerbestände in den USA preisdämpfend wirken. Vor dem USDA-Bericht wird zudem mit einer reduzierten US-Anbaufläche und damit leicht sinkender Produktion gerechnet, was den Markt stabilisieren könnte.
Insgesamt zeigt sich bei beiden Getreidearten eine Gemengelage aus politischen Spannungen, exportseitigen Unsicherheiten und verbesserten Ernteaussichten, die die Märkte in der letzten Woche bewegt haben. Die Preise tendieren zwar leicht fallend bis seitwärts, mit einzelnen Erholungen gestützt durch Exportnachfrage und anstehende USDA-Daten.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Getreidemärkte zeigten sich zuletzt volatil. Weizen wurde durch den Wegfall der russischen Exportsteuer und neue US-Zollmaßnahmen belastet, während starke US-Exportzahlen mittelfristig stützten. Beim Mais drücken gute Witterungsbedingungen und steigende Bestände kurzfristig auf die Preise. Gleichzeitig sorgen erhöhte Ethanolproduktion und starke Exporte für Unterstützung. Vor dem anstehenden USDA-Bericht bleibt der Markt vorsichtig, mit Potenzial für Kursanstiege bei ungünstigem Wetter oder Angebotsengpässen. Politische Entscheidungen und Ernteprognosen bleiben entscheidend.