11.
11.22
Getreidepreise geben nach - Sorgen um argentinische Ernte

Getreide News, 11.11.2022

Bullish
  • Dürre in Argentinien
  • Ukrainekrieg
  • Ungewissheit Zukunft Getreidekorridor
  • Wechselkursverhältnis nach wie vor für Europas Exporte günstig
  • schlechte Zustandsbewertungen US-Winterweizen
Bearish
  • globale Konjunktursorgen
  • Chinesische Corona-Politik
  • Ernteprognosen Australien
Kassamärkte im Blick           Euro/Tonne
Brotweizen 13. Okt. 20. Okt. 27. Okt. 3. Nov. 10. Nov.  +/-
Hamburg 375,00 360,00 362,00 364,00 355,00 -9,00
Niederrhein 371,00 356,00 358,00 362,00 353,00 -9,00
Oberrhein 375,00 360,00 362,00 361,00 352,00 -9,00
Ostdeutschland 359,00 344,00 346,00 348,00 339,00 -9,00
Futterweizen            
Hamburg 373,00 358,00 360,00 362,00 353,00 -9,00
Oldenburg 367,00 352,00 354,00 356,00 347,00 -9,00
Futtergerste            
Hamburg 322,00 305,00 304,00 302,00 304,00 2,00
Ostdeutschland 304,00 285,00 286,00 284,00 286,00 2,00
Körnermais             
Südoldenburg 345,00 330,00 332,00 334,00 328,00 -6,00

Die Weizenpreise haben an beiden Börsen auf Wochensicht nachgegeben. Stand am vergangenen Freitag für den Dezember-Kontrakt an der Euronext/Matif in Paris ein Settlement von 339,25 Euro je Tonne auf der Anzeigetafel, waren es am gestrigen Donnerstag noch 328,25 Euro/t. Matif-Mais im neuen Frontmonat März 2023 verlor im selben Zeitraum 12,25 Euro je Tonne und schloss am Donnerstag bei 321,25 Euro/t. Mit Handelsstart am heutigen Freitag zeigen sich leicht grüne Vorzeichen zum Wochenausklang.

Nach wie vor blicken die Getreidemärkte auf die Situation in der Ukraine. Am 19. November läuft der bisherige Deal aus, eine Verlängerung ist noch nicht bekannt. Sowohl von russischer Seite als auch von ukrainischer Seite kamen entsprechende Forderungen zur Zukunft des Getreideabkommens. Auch die Vereinten Nationen bekräftigten ihren Willen, das Abkommen fortzusetzen. Ob die Forderungen insbesondere Russlands nach mehr westlichen Importen von russischen Agrargütern umgesetzt werden können ist derweil aber weiter fraglich.

Am Mittwoch veröffentlichte das USDA seine monatliche WASDE mit Einschätzungen zu den globalen Produktions- und Verbrauchszahlen sowie den Endbeständen. Zwar reduzierte das Agrarministerium die Produktionseinschätzungen für Europa und Argentinien, global können diese Mindermengen jedoch durch bessere Ernten in Australien oder Kasachstan deutlich aufgefangen werden. Die Experten des USDA erhöhten die globalen Produktionsmengen leicht und erwarten auch trotz leicht anziehender Verbräuche höhere Endbestände im Vergleich zur Oktober-Schätzung. Gegenüber dem Vorjahr werden die Endbestände jedoch wie bisher deutlich geringer eingeschätzt. Für Europa erwartet das USDA weiterhin eine Exportmenge von 35 Mio. Tonnen. In der aktuellen Exportstatistik haben die europäischen Exporte bis jetzt rund 12 Mio. Tonnen erreicht und liegen damit über den Mengen des Vorjahres. Der günstige Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar hatte zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Weizenpreise gesteigert. In dieser Woche stabilisierte sich der Euro jedoch wieder und handelt mittlerweile seit dem 7. November oberhalb der Parität.

Meldungen aus Argentinien bestätigten die Vermutung einer deutlich unterdurchschnittlichen Weizenernte in dem Land. Nach rund 22,15 Mio. Tonnen Weizenernte im vergangenen Jahr wird dürrebedingt durch das USDA nur noch mit einer Ernte von 15,5 Mio. Tonnen gerechnet. Die Getreidebörsen in Argentinien sind da schon skeptischer. Gestern senkte die Börse in Rosario ihre eigene Schätzung um 1,9 Mio. Tonnen auf 11,8 Mio. Tonnen Weizenernte, die Getreidebörse in Buenos Aires hatte in der letzten Woche ihre Prognose auf 12,4 Mio. Tonnen reduziert. Die Dürre in dem Land belastet das Pflanzenwachstum deutlich.

Schwächelende Exportzahlen beim US-Mais und negative Vorgaben von den Weizenmärkten sorgten auch auf beiden Seiten des Atlantiks für nachgebende Maispreise. In der WASDE kürzte das USDA nochmals die Prognose für die europäische Maisernte, was den Kontrakten in Paris keinen Auftrieb verlieh. Global wurden die Produktionsmenge in der November-WASDE im Vergleich zum Oktober kaum verändert, die Endbestände wurden ebenfalls leicht nach unten korrigiert. Sehr dynamisch zeigen sich die europäischen Maisimporte. Bis zum 30.10. liegen diese bei 9,57 Mio. Tonnen und damit mehr als doppelt so hoch wie zum selben Zeitpunkt des Vorjahres.

Getreide-Aktualisieren,

Update-Getreide vom Dienstag, 15.11.2022

Mit Spannung richten sich die Blicke der Getreidemärkte auf Genf. Dort verhandeln die Vereinten Nationen mit der Ukraine und Russland über die Zukunft des Getreideabkommens über das Schwarze Meer. Die letzten Äußerungen eines Kremlsprechers klangen dabei durchaus optimistisch.

Die Weizenpreise starteten in Europa mit negativen Vorzeichen und setzten damit ihren Trend fort. An der CBoT hingegen konnten die Kurse für Weizen gestern leicht zulegen, starten aber heute mit deutlich negativen Vorzeichen in den Dienstagshandel. In Folge der gefallenen Börsenkurse in Paris zeigten sich auch die Kassamarktnotierungen schwächer. Zu den aktuell aufgerufenen Kursen sind die Landwirte aber überwiegend nicht bereit ihren Weizen zu veräußern. Entsprechend wenige Umsätze werden darum gemeldet. Die letzten veröffentlichten Exportzahlen der Europäischen Kommission zeigen, dass mittlerweile 12,52 Mio. Tonnen Weichweizen in Staaten außerhalb der Europäischen Union ausgeführt wurden. Frankreich führt dabei weiterhin die Mengenliste an. An der CBoT enttäuschten gestern die Exportzahlen deutlich. Gerad einmal 76.000 Tonnen Weizen wurden in den US-Häfen für den Export verladen. Damit hinken die US-Ausfuhren weiterhin deutlich dem Vorjahr hinterher. Der US-Dollar hatte zuletzt jedoch nachgegeben und stützte damit die Kurse an der CBoT. Die US-Winterweizenaussaat ist mittlerweile nach Angaben des USDA zu 96 Prozent abgeschlossen und befindet sich damit auf der Zielgraden.

In Paris ging es für Mais im Umfeld des gestern schwachen Marktumfeldes ebenfalls südwärts und mit Eröffnung des Handels am heutigen Dienstag notiert Mais ebenfalls deutlich schwächer. Gestern Abend lautete der Schlusskurs für den März-Kontrakt 317,75 Euro/t. Die EU-Maisimporte haben mittlerweile die Marke von 10 Mio. Tonnen geknackt. Auch wenn Brasilien mit etwas mehr als die Hälfte weiterhin Europas wichtigster Lieferant für Mais ist, zeigt sich, dass auch die Ukraine zuletzt deutlich an Lieferfähigkeit gewonnen hat. Wegen der hohen Vorräte aus dem Vorjahr, die kriegsbedingt nicht abtransportiert werden konnten, konnte die Ukraine nach eigenen Angaben im Oktober eine Rekordmenge an Mais ausführen. Normalerweise sind im Oktober die Landwirte und die Exporteure mit der Durchführung und Abwicklung der Maisernte mehr als ausgelastet.
In den USA zeigten sich gestern wieder etwas schwächere Maisexporte. Doch die inländische Logistik hat sich deutlich verbessert, da der Mississippi wieder deutlich mehr Wasser führt und die Binnenschiffe darum besser ausgelastet werden können. Die US-Maisernte befindet sich ebenfalls auf der Zielgraden. 96 Prozent sind eingefahren.

Mit Handelsstart heute zeigen sich an der CBoT für Mais und Weizen rote Vorzeichen. Auch Matif-Weizen verliert im Handelsstart in Paris heute weiter.

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ZMP Live Expertenmeinung

Die geopolitischen Spannungen bleiben. Noch ist kein Durchbruch für das Getreideabkommen in Sicht. Die Chancen für eine Fortsetzung haben sich zuletzt aus Sicht der Märkte verbessert. Die üppige russische Ernte bleibt ein Belastungsfaktor, ebenso die schwachen US-Exportnachfragen. Auch wenn in dieser Woche die Preise nachgegeben haben, spricht wenig dafür, dass das generelle Preisniveau alsbald verlassen wird – sowohl nach oben als auch nach unten.

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