Die Weizenkurse an den US-Börsen zeigten sich im Wochenverlauf schwankungsanfällig. Einem schwachen Wochenauftakt folgte eine Erholung zur Wochenmitte, bevor erneute Verluste durch gesteigerte russische Ernteschätzungen und eine zurückhaltende Exportnachfrage den Markt belasteten. Besonders die Prognose von Sovecon, die russische Weizenernte auf 87,2 Millionen Tonnen anzuheben, drückte auf die Stimmung. Zwar kamen gegen Ende der Woche Zweifel an dieser Schätzung auf, sie reichten jedoch nicht aus, um eine klare Trendwende einzuleiten. Die USDA-Daten zeigten zudem enttäuschende US-Weizenexporte, was zusätzlich belastete. In Europa blieb der Markt durch den Preisdruck aus dem Schwarzmeerraum geprägt. Eine leichte Erholung zum Wochenschluss konnte die Kursverluste nicht vollständig wettmachen.
Im Maishandel zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Frühere Gewinne wurden zur Wochenmitte wieder abgegeben, ehe sich die Kurse zum Freitag wieder stabilisierten. Marktteilnehmer positionierten sich im Vorfeld des WASDE-Reports, der mit hohen Produktions- und Lagerzahlen rechnungsgetragen wird. Der Markt reagierte vor allem auf die Aussicht einer starken zweiten Maisernte in Brasilien sowie auf eine Rekordernte in Argentinien. Auch wenn eine Abwärtskorrektur der US-Prognosen erwartet wurde, blieben die Gesamterwartungen hoch. Die wöchentlichen Exportdaten aus den USA fielen beim Übergang in die neue Vermarktungssaison solide aus. An der Euronext setzte sich das schwache Umfeld in leicht rückläufigen bis stabilen Notierungen fort.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz leichter Kursgewinne zum Wochenschluss bleibt der Weizenmarkt von Unsicherheit geprägt. Während russische Rekordprognosen auf den ersten Blick bärisch wirken, könnten die geäußerten Zweifel an der Plausibilität dieser Zahlen in den kommenden Wochen eine stützende Wirkung entfalten. Exportseitig zeigt sich der Markt derzeit schwach, was das Abwärtspotenzial kurzfristig erhöht. Beim Mais scheinen die tiefen Kurse nach den neuen Höchstprognosen aus Brasilien und Argentinien vorerst eingepreist. Entscheidend wird sein, wie stark das USDA tatsächlich an seinen bisherigen US-Prognosen festhält. Insgesamt bleiben die Fundamentaldaten belastend, doch die hohe Unsicherheit über reale Erntemengen und Wetterverläufe dürfte für anhaltende Volatilität sorgen.