Die Getreidemärkte standen in den vergangenen Tagen klar im Zeichen des WASDE-Reports. Bei Weizen führten im Wochenverlauf zunächst die Erwartungen einer nur leicht rückläufigen US-Produktion und steigender Exporte zu verhaltenen Kursbewegungen. Am Montag legten die CBoT Notierungen leicht zu, bevor der Bericht am Dienstagabend für kräftige Verluste sorgte. Die US-Ernteprognose wurde marginal auf 45,5 Mio. t gesenkt, die Exporte etwas nach oben korrigiert. Diese Signale wirken zwar tendenziell bullisch, doch der Schock bei den Aussichten für den Mais drückte die Stimmung auch hier. International war die Rede von leicht schwächere Gesamtaussichten vor allem in China, Argentinien und Brasilien. Nur die EU-Prognose wurde um 1 Mio. t nach oben korrigiert. Parallel dazu schloss die Winterweizenernte in den USA zu 90 Prozent ab, die Bewertungen verbesserten sich leicht auf 49 Prozent gut/ausgezeichnet. Nach einem Fünfjahrestief kam es Mitte der Woche zu einer leichten technischen Erholung, unterstützt von Erntefortschritten in Russland und Spekulationen um neue französische Exporte nach Ägypten. An der Euronext folgte Paris den US-Vorgaben und schwankte zwischen 192,75 € und 195,75 €/t.
Beim Mais löste der WASDE-Report eine deutliche Abwärtswelle aus. Das USDA überraschte mit einer stark angehobenen Prognose. Die Erntefläche soll 88,7 Mio. acre (~36 Mio. Hektar) erreichen, der Flächenertrag auf 188,8 bushel je acre (12,6 t/ha) wachsen. Dies würde neue Rekorde markieren und den höchsten Produktionswert in der Geschichte darstellen. Eine höhere Inlands- und Exportnachfrage können den massiven Angebotsanstieg nicht vollständig ausgleichen. Marktteilnehmer bewerten diese Zahlen als deutlichen Belastungsfaktor, da selbst ein lebhafter Exportmarkt die zusätzlichen Mengen kaum absorbieren dürfte. Entsprechend rutschten die CBoT Kurse am Dienstag und Mittwoch kräftig ab, teils auf Mehrmonatstiefs. Zwar kam es Mitte der Woche zu einer kurzen Erholung, die von festerer Ethanolproduktion und deutlich sinkenden Lagerbeständen begleitet wurde, doch bleibt der fundamentale Druck hoch. Auch international wirken die hohen US-Prognosen preisdämpfend, selbst wenn einzelne Länder wie Serbien und Teile der EU unter Hitzeschäden litten. In Paris verharrte der November-Termin zuletzt bei 187,50 €/t, nachdem die anfängliche Gegenbewegung rasch an Schwung verlor.
ZMP Live Expertenmeinung
Der WASDE hat vor allem den Maismarkt tief erschüttert. Mit der Aussicht auf die größte US-Ernte aller Zeiten dürfte das Angebot kurzfristig schwer zu verdauen sein, selbst bei steigender Nachfrage. Weizen hingegen steht fundamental stabiler da, bleibt aber in der Preistendenz vom schwachen Maisumfeld beeinflusst. Die leichte Erholung gegen Wochenmitte deutet auf technische Käufe hin, die jedoch ohne neue Impulse rasch auslaufen könnten. Beim Mais ist eine nachhaltige Erholung erst wahrscheinlich, wenn sich Wetter- oder exportseitig Angebotsrisiken zeigen. Bis dahin bleibt der Druck durch das Überangebot extrem hoch.