Am US-Weizenmarkt prägten die USDA-Berichte zu Wochenbeginn die Richtung. Sowohl SRW- als auch HRW-Weizen gerieten unter Druck, nachdem die globale Produktionsschätzung im Wasde-Bericht überraschend um 4,4 Millionen Tonnen angehoben wurde. Höhere Ernteschätzungen in Russland und Argentinien ließen die weltweiten Versorgungsaussichten freundlicher erscheinen. Auch die US-Weizenlager lagen mit 1,68 Milliarden Bushel über den Erwartungen, ebenso wie die Winterweizenaussaat, die höher ausfiel als vom Markt prognostiziert. Zwar stützten gute Exportzahlen kurzfristig, insgesamt blieb das Umfeld aber bärisch. In Kansas verstärkten trockene Aussichten für die südlichen Plains die Sorgen um die Bestände, die jedoch noch als insgesamt gut bewertet werden. An der Euronext bewegte sich der Weizen volatil, zeigte sich aber insgesamt stabiler als in Chicago. Die Aussicht auf eine große Ausschreibung Saudi-Arabiens sorgte gegen Ende der Woche für einen freundlichen Impuls, obwohl EU-Exportaussichten durch günstige Konkurrenz aus Argentinien gedämpft bleiben.
Der Maismarkt erlebte zu Wochenbeginn einen massiven Kurseinbruch. Unerwartet hob das USDA sowohl Anbaufläche als auch Flächenertrag deutlich an, was die US-Produktion auf einen neuen Rekordwert von 447,8 Millionen Tonnen steigen ließ. Diese Revision steht im Gegensatz zur bisherigen historischen Praxis und sorgt weiterhin für Rätselraten bei Analysten. Die Nachfrage zeigte sich indes solide: Ethanolproduktion erreichte ein neues Rekordhoch, Exportzahlen blieben robust. Auch der private Handel meldete umfangreiche Verkäufe. In Südamerika wirkte sich Trockenheit in Argentinien negativ auf die Bestandsbewertungen aus. Dennoch konnte sich Mais nur vorübergehend erholen. Erst gegen Ende der Woche stabilisierte sich der Kurs, wobei die Euronext sich phasenweise vom Abwärtstrend in Chicago abkoppelte.
ZMP Live Expertenmeinung
Nach der überraschenden USDA-Berichtsflut hat sich das Marktbild für Weizen und Mais deutlich eingetrübt. Besonders beim Mais sorgte die massive Anhebung der US-Anbaufläche für Verunsicherung, da diese Entwicklung weder historisch üblich noch durch offensichtliche Faktoren erklärbar ist. Das hohe globale Angebot bei beiden Kulturen drückt zusätzlich auf die Kurse. Auf der Nachfrageseite gibt es allerdings Lichtblicke, etwa durch die starke Ethanolproduktion und vereinzelte Großausschreibungen im Export. Die Märkte dürften sich kurzfristig auf technischer Ebene stabilisieren, bleiben aber grundsätzlich anfällig für weitere bärische Impulse.