Der Weizenmarkt hat in dieser Woche eine volatile Bewegung durchlaufen, die zunächst von weiteren Kursverlusten geprägt war. SRW- und HRW-Weizen rutschten am Montag auf neue Mehrjahrestiefs, unter anderem infolge robuster Produktionsprognosen für Russland und die Ukraine. Auch Argentinien erwartet eine starke Weizenernte, was zusätzlich belastete. Die Euronext konnte sich dem negativen Umfeld nicht entziehen und verzeichnete ebenfalls Abschläge. Eine gewisse Gegenbewegung setzte zur Wochenmitte ein, nachdem die Exportinspektionen des USDA (die trotz Shutdown vorlagen) sich leicht über dem Vorjahresniveau befanden. Auch spekulative Impulse trugen zu kurzfristigen Aufschlägen bei. Dennoch blieben die Ausschläge begrenzt, da die globale Versorgungslage weiterhin komfortabel erscheint. Exportausschreibungen aus Saudi-Arabien und Algerien sorgten punktuell für Interesse, zumal französische Anbieter zuletzt kaum zum Zug kamen. Gegen Ende der Woche rückten vermehrt die Wetterprognosen in den USA in den Fokus, da die Fundamentaldaten ausblieben. Grund ist nach wie vor der Regierungsshutdown. Trotz leichtem Aufwind fehlen dem Markt Impulse. Insgesamt überwogen an der Euronext die roten Vorzeichen.
Im Maismarkt sorgten politische Spannungen zu Wochenbeginn für Unruhe. Die überraschende Zolldrohung des früheren US-Präsidenten Trump gegenüber China führte kurzfristig zu Verwerfungen, obwohl sich die Lage rasch entspannte. Gleichzeitig belastete der zügige Erntefortschritt in den USA die Kurse. Während die Exportinspektionen schwächer als erwartet ausfielen, blieb das saisonale Gesamtvolumen deutlich über dem Vorjahr. Die Märkte reagierten zur Wochenmitte uneinheitlich, konnten zum Wochenschluss jedoch zulegen. Gründe waren unter anderem Importnachfragen aus Taiwan und Südkorea sowie Sorgen um die Versorgungslage in Europa infolge einer unterdurchschnittlichen französischen Ernte. Vor allem aber sorgte die gesteigerte Ethanolproduktion für Euphorie. Die Euronext zeigte sich am Freitag stabiler, blieb im Wochenvergleich jedoch insgesamt auf tiefem Niveau.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz zwischenzeitlicher Erholungstendenzen bleibt das fundamentale Umfeld für die Getreidemärkte belastend. Die globalen Weizenbestände sind üppig, und neue Höchststände in Sibirien sowie optimistische Ernteaussichten in Argentinien verstärken den Druck. Selbst Exportimpulse konnten diesen Trend nur kurzzeitig aufhalten. Beim Mais bieten robuste Exporte und eine solide internationale Nachfrage kurzfristig Unterstützung. Entscheidend für die Kursentwicklung wird jedoch der weitere Ernteverlauf in den USA sein. Sollten keine größeren witterungsbedingten Störungen auftreten, dürfte der Preisdeckel bestehen bleiben. Eine nachhaltige Trendumkehr scheint daher aktuell nicht in Sicht.