Die Weizenmärkte zeigten sich in der Berichtswoche volatil und reagierten stark auf externe Einflüsse. Während SRW- und HRW-Weizen an der CBoT zur Wochenmitte noch kräftige Zugewinne verzeichneten, sorgten steigende Ernteschätzungen aus Kanada sowie eine angehobene Prognose der EU-Ernte durch den Handelsverband Coceral gegen Ende der Woche für Druck. Auch der weltweite Ausblick des USDA war klar bärisch: Mit nun erwarteten 816,2 Mio. Tonnen Weizenproduktion und einem Anstieg der globalen Endbestände auf 264,1 Mio. Tonnen stellte das Ministerium die Angebotsseite deutlich stärker dar. Dennoch stützten bullische Impulse aus Russland zeitweise die Kurse. Die abrupt angehobenen russischen Exportzölle wirkten wie ein Bremsklotz für den Schwarzmeerexport, was insbesondere in Paris zu einer leichten Erholung führte. Auch eine kräftige Exportwoche der USA mit über 755.000 Tonnen konnte phasenweise für Rückenwind sorgen. Letztlich reichten die positiven Nachrichten nicht aus, um den schwächelnden Gesamttrend umzukehren.
Am Maismarkt dominierten widersprüchliche Impulse. Nach einem bullischen Auftakt, der vor allem von technischen Käufen getragen war, rückten erneut die fundamentalen Fakten in den Vordergrund. Das USDA hatte seine Ernteprognose für die USA auf 427,1 Mio. Tonnen erhöht, was den Preisauftrieb zunächst bremste. Doch Berichte über unterdurchschnittliche Ernteerträge in ersten Stichproben sorgten zur Wochenmitte für erneute Kursgewinne. Zudem blieb die Exportnachfrage hoch: Mit über 1,2 Mio. Tonnen lag das US-Exportvolumen deutlich über dem Vorjahr. Belastend wirkte hingegen ein Vorschlag der EPA, Beimischungsquoten für Biokraftstoffe neu zu verteilen, was für Unsicherheit sorgte. Der europäische Maishandel zeigte sich davon weitgehend unbeeindruckt und konnte sich dank stabiler Nachfrage leicht befestigen
ZMP Live Expertenmeinung
Der Getreidemarkt bleibt in einem Spannungsfeld zwischen globaler Angebotsausweitung und regionalen Unsicherheiten. Die russischen Exportzölle könnten EU-Weizen mittelfristig Wettbewerbsvorteile bringen, doch die jüngst angehobenen Ernteprognosen aus Kanada und der EU sprechen eher für ein anhaltendes Überangebot. Beim Mais ist die Unsicherheit über die tatsächlichen Erträge noch nicht ausgeräumt. Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass der Wasde-Bericht zu optimistisch war, könnten die Kurse erneut Boden gutmachen. Vor allem die Nachfragekomponente dürfte dabei eine tragende Rolle spielen. Kurzfristig ist eher mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen, wobei wetterbedingte und politische Impulse jederzeit für neue Dynamik sorgen können.