Seit Beginn der Woche standen die Weizen-Futures an allen drei US-Börsen unter Druck. Auch beim gestrigen Handel ging es, für die Futures weiter bergab. An der Börse in Chicago lag der Settlementkurs des Märztermins bei umgerechnet 192,07 Euro/Tonne, was einem Rückgang von 3,75 US-Dollar entspricht. In Kansas und auch in Minneapolis setzten sich die roten Vorzeichen durch. Die MPLS-Frühjahrsweizen-Futures schlossen mit einem Minus von 3 bis 5 Cent. Vor allem die mehr als soliden Ernteaussichten in Australien und Argentinien dämpften die Kauflaune. Auch die Meldung, dass die Analysten von Sovecon davon ausgehen, dass die Ernte auf 78,7 Mio. Tonnen schrumpft, konnte den Bullen nicht zur Führung verhelfen. Zusätzlich üben günstige Offerten aus Argentinien Druck auf die internationalen Weizenpreise aus. Händlern zufolge sollen die Angebote teils sogar die Preise der Russen unterschreiten. Auch die derzeitige Entwicklung des US-Dollars trübt die Stimmung der US-Händler. Der wieder festere Wechselkurs schmälert die Attraktivität von US-Erzeugnissen, und Importeure ziehen günstigere Angebote, wie aus Argentinien, vor. Das USDA wird am heutigen Donnerstagmorgen die neuesten Exportverkaufsdaten veröffentlichen, wobei der Handel mit Weizenverkäufen zwischen 225.000 Tonnen und 550.000 Tonnen für 2024/25 und 0-50.000 Tonnen für 2025/26 rechnet. Derweil zeigen sich erneut Importländer wieder aktiv am Markt. Die staatliche Getreidegesellschaft sucht in einer Ausschreibung 100.000 Tonnen Weichweizen sowie Durum-Weizen. Bis heute Abend läuft die Ausschreibung. Algerien hat in den vergangenen Tagen bereits gekauft, so wird von einer Menge von 350.000 bis 500.000 Tonnen berichtet. Die Preisspanne soll zwischen 340 und 352 US-Dollar pro Tonne liegen. Als Bezugsländer werden die USA, Kanada und Australien vermutet. Auch Südkorea sucht Getreide. Ein Importeur sucht 90.000 Tonnen Weizen aus den USA sowie Kanada. Davon müssen 50.000 Tonnen aus den USA selbst stammen.
Der Wochenverlauf zeigte sich für den Mais bisher nicht positiv. Den fünften Handelstag in Folge verbuchten die Mais-Futures überwiegend Verluste. Für bärische Stimmung sorgte vor allem der Sojamarkt. Vor allem auf der Südhalbkugel wird mit einer sehr guten Ernte gerechnet. Aber nicht nur bei den Ölsaaten sehen die Ernteprognosen gut aus. Auch beim Mais selbst entwickeln sich die Anbaubedingungen sehr gut, sodass sehr gute Erträge erwartet werden. Gebremst wurden die Verluste von der gestrigen Meldung der US-Regierung. Nach Regierungsangaben soll es erlaubt sein, bis zu 15 % Ethanol in die Kraftstoffe zu mischen und das über das ganze Jahr hinaus. Bisher durfte im Sommer, von Juni bis September, kein Ethanol zugemischt werden. Marktteilnehmer und Händler erhoffen sich dadurch eine steigende Nachfrage nach Ethanol.
ZMP Live Expertenmeinung
Auf den Getreidemärkten stehen derzeit vor allem die Anbaubedingungen und die Ernteprognosen der großen Erzeugerländer im Fokus. Vor allem in Südamerika und Australien erwarten sehr gute Erträge, was wiederum immer wieder für Preisdruck an den Börsen sorgt. Die gekürzte russische Ernteprognosen hingegen konnte noch nicht den Bullen nachhaltig die Führung ermöglichen. Markteilnehmer betonen jedoch weiterhin, dass anziehenden Exportpreise am Schwarzen Meer für bullische Impulse sorgen könnten. Ob die am Ende allerdings ausreichen, um den Markt zu drehen, bezweifeln viele Analysten. Es bleibt weiterhin volatil, und besonders die weitere Entwicklung der Getreidebestände könnte die Richtung weisen.