Die Weizennotierungen standen in der vergangenen Woche durchweg unter Druck. An der CBoT verzeichneten sowohl SRW- als auch HRW-Weizen nacheinander neue Tiefststände, wobei der SRW-Märzkontrakt zwischenzeitlich auf das schwächste Niveau seit Oktober fiel. Hauptursache blieb das massive globale Angebot. Insbesondere Argentinien, wo die Ernteprognose auf den Rekordwert von 27,7 Millionen Tonnen erhöht wurde, sowie Australien lieferten bärische Impulse. Gleichzeitig drückten anhaltend hohe Lagerbestände auf der Nordhalbkugel und enttäuschende US-Exportdaten auf die Stimmung. So revidierte das USDA bereits eine Weizenbestellung Chinas nach unten, was Befürchtungen weiterer Stornierungen nährte. Hinzu kamen Spekulationen über Fortschritte in Friedensgesprächen im Ukraine-Krieg, was die geopolitischen Risikoaufschläge weiter reduzierte. Nur die russischen Exportpreise hielten sich aufgrund hoher Nachfrage stabil. An der Euronext folgte der Pariser Markt weitgehend den internationalen Vorgaben, auch wenn zum Wochenschluss eine leichte Erholung einsetzte. Der feste Euro und die angehobene EU-Ernteschätzung begrenzten jedoch die das Aufwärtsmomentum.
Auch die Maisnotierungen gerieten zunächst weiter unter Abgabedruck. Die erneut bestätigten Rekorderwartungen in Argentinien und nahezu ideale Bedingungen in Brasilien sorgten für eine Fortsetzung der Talfahrt bis zur Wochenmitte. Erst zum Donnerstag drehte der Markt. Ausschlaggebend war ein neues Allzeithoch bei der US-Ethanolproduktion, das auch durch sinkende Lagerbestände flankiert wurde. Unterstützend wirkten außerdem die wettbewerbsfähigen fob-Preise und robuste Exportzahlen. In Chicago schloss der Märzkontrakt zwei Tage in Folge im Plus. An der Euronext blieb der Handel hingegen weitgehend richtungslos, auch wenn zum Wochenschluss ein leichter Anstieg verzeichnet wurde.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz der leichten Kurserholung zum Wochenschluss bleibt das Bild am internationalen Getreidemarkt bärisch. Die starke argentinische Ernteprognose setzt neue Maßstäbe, während die Südhalbkugel insgesamt mit überdurchschnittlichen Erträgen rechnet. Der Weizenmarkt leidet zusätzlich unter möglichen chinesischen Stornierungen und der Erwartung einer anhaltend schwachen US-Exportnachfrage. Beim Mais bieten die starken Ethanolzahlen zwar kurzfristig Auftrieb, doch auch hier bleibt das globale Angebot komfortabel. Sollten sich die Friedenssignale aus Osteuropa weiter verdichten, könnte sich der Druck auf beide Märkte verstärken. Eine nachhaltige Trendwende ist daher vorerst nicht in Sicht.