In dieser Woche ging es für den Weizenmarkt deutlich nach oben – getrieben von geopolitischen Spannungen, witterungsbedingten Risiken und überraschenden Wendungen im Welthandel. Der schwelende Konflikt zwischen Israel und dem Iran sorgte für anhaltende Nervosität. Händler befürchteten Versorgungsengpässe bei Düngemitteln, da wichtige Produzenten aus der Region betroffen sein könnten. Auch wenn weder Israel noch der Iran eine bedeutende Rolle im globalen Weizenhandel spielen, hat die Zuspitzung der Lage die Risikowahrnehmung an den Agrarmärkten deutlich erhöht. Während sich zu Wochenbeginn eine diplomatische Lösung abzeichnete und die Märkte daraufhin leicht nachgaben, sorgte eine scharfe Kehrtwende in der US-Außenpolitik für einen neuen Kursschub. Aussagen über mögliche militärische Beteiligung der USA an Israels Seite riefen sofort Absicherungskäufe auf den Plan. Auch auf dem physischen Markt herrschte rege Aktivität. Besonders Algeriens Großauftrag über mehrere hunderttausend Tonnen Weizen lenkte den Blick auf die internationale Konkurrenzfähigkeit. Trotz hoher französischer Erwartungen setzte sich erneut Schwarzmeerware durch – ein Dämpfer für EU-Exporteure. Witterungsbedingt verzögerte sich die US-Winterweizenernte, während aus Russland Meldungen über Trockenheit und Notstand aus wichtigen Anbauregionen zusätzliche Unsicherheit brachten.
Am Maismarkt herrschte in der vergangenen Woche vergleichsweise Ruhe – zumindest auf den ersten Blick. Während der Weizen stark von geopolitischen Spannungen getrieben wurde, bestimmten beim Mais vor allem die Wetterbedingungen und Exportzahlen das Geschehen. In den US-Anbaugebieten sorgen regelmäßige Niederschläge weiterhin für gute Anbaubedingungen. Die Maisbestände zeigen sich in guter Verfassung, was die Hoffnung auf eine überdurchschnittliche Ernte nährt. Entsprechend gedämpft fiel die Kursentwicklung aus – auch trotz Vorgaben vom Weizenmarkt. Dennoch gab es Impulse von der Exportseite: Die US-Ausfuhren laufen weiterhin auf Hochtouren, das wöchentliche Volumen lag erneut deutlich über dem Vorjahresniveau. Zusätzlichen Rückenwind lieferte ein leicht erhöhter exportseitiger Ethanolbedarf. An der Euronext sah es diese Woche für den Mais insgesamt freundlicher aus.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Getreidemärkte bleiben anfällig für geopolitische Entwicklungen, insbesondere im Nahen Osten. Sollte sich der Israel-Iran-Konflikt weiter zuspitzen, könnten neue Versorgungsrisiken die Preise treiben. Gerade die heutige Meldung, dass der Iran bei Kriegseintritt der USA in Erwägung zieht die Straße von Hormus zu schließen, hätte große Verwerfungen zur Folge. Gerade durch dieses Nadelöhr geht ein maßgeblicher Teil des weltweiten Düngers. Gleichzeitig steht der Markt vor der wichtigen Phase der US-Ernte, bei der Wetterextreme jederzeit für Überraschungen sorgen können. Die Exportnachfrage bleibt ein zentraler Stabilisierungsfaktor – besonders für Mais. Insgesamt dürfte die Volatilität anhalten, mit kurzfristigen Schwankungen rund um Wetter, Politik und Fundamentaldaten.