Auf Wochensicht ging es für die Weizenpreise in Paris und Chicago südwärts. Mit einem Schlusskurs von 338,75 Euro/t am gestrigen Donnerstag verlor der Frontmonat an der Euronext/Matif 12,00 Euro im Vergleich zum Settlement am letzten Freitag. An der CbOT ging es von 859,75 US-Cents/bu am letzten Freitag auf 849,25 US-Cents/bu am gestrigen Donnerstag nach unten. Auch Mais gab auf Wochensicht leicht nach, wenngleich auch am gestrigen Donnerstag deutliche Tagesgewinne auf der Anzeigetafel standen.
Die Blicke des Marktes richten sich auch weiterhin vor allem auf die Schwarzmeerregion. Die Spannungen rund um die Drohenangriffe auf die Hauptstadt Kiew, die Zurückeroberung großer Gebiete durch die ukrainischen Streitkräfte, die Teilmobilmachung und die offenen Gespräche zum Getreidekorridor schweben über den fundamentalen Daten des Marktes. Gesandte der Vereinten Nationen verhandeln derzeit in Moskau über die Zukunft des Getreidekorridors. Ein Vertreter äußerte sich Mitte der Woche verhalten optimistisch und bezeichnete die Gespräche als „konstruktiv und sachlich“. In Winterweizenaussaat in der Ukraine kommt nach verschiedenen Angaben schleppend voran. Wetter und die Kriegshandlungen erschweren die Aussaat. In Russland rechnet das Beratungshaus Sovecon damit, dass die Anbaufläche für Winterweizen bei der aktuellen Aussaat deutlich kleiner ausfallen könnte. Die diesjährige Ernte zeigt sich sehr üppig und sorgt für entsprechenden Preisdruck und sehr volle Lagerhallen. Die russischen Exporte werden zwar auch höher eingestuft, liegen jedoch derzeit deutlich hinter den Mengen des Vorjahres. Die europäischen Exporte zeigen sich mit 10,4 Mio. Tonnen bis einschließlich 17. Oktober knapp unter dem Wert des Vorjahres. Bis zur 16 Kalenderwoche des Wirtschaftsjahres waren es im Vorjahr 10,46 Mio. Tonnen Weizen, die in Drittstaaten ausgeführt wurden. Auf der Exportfront kommt den Europäern weiterhin das aktuelle Euro-Dollar-Verhältnis zu Gute. Anders sieht es da bei den amerikanischen Exporteuren aus. Die gestern veröffentlichten Exportsales enttäuschten auf ganzer Linie. In der Woche bis zum 13.10. wurden lediglich 163.100 Tonnen neu verkauft. In der Vorwoche waren es immerhin noch 211.823 Tonnen. Die Analysten hatten im Vorfeld mindestens mit 200.000 Tonnen gerechnet. In Argentinien kürzte die Getreidebörse ihre Erwartungen für die dortige Erntemenge. Das Land hat zum einen unter eine Dürre gelitten, zum anderen gefährden aktuell Temperaturen unter dem Gefrierpunkt die Weizenbestände. Gerechnet wird nun mit einer Erntemenge von rund 15,3 Mio. Tonnen. Kaum Beachtung fand die aktualisierte Prognose des Internationalen Getreiderates für Weizen. Die Einschätzungen wurden lediglich unwesentlich angepasst.
Mais startete an der Euronext/Matif mit Verlusten in diese Woche, konnte sich aber am Mittwoch und Donnerstag wieder erholen. Der deutsche Raiffeisenverband hat in seiner Oktoberschätzung die Körnermaisernte in Deutschland auf etwas weniger als 3,6 Mio. Tonnen gesenkt. Damit werden in diesem Jahr 20 Prozent weniger Mais eingefahren, als noch im Vorjahr. Die Erntearbeiten in Deutschland sind mittlerweile sehr weit vorangekommen. Restmengen dürften bis Anfang November eingebracht sein. In Argentinien kommt die Maisausssaat nur schleppend voran. Zuletzt war eine Fläche von rund 1,6 Mio. Hektar bestellt, im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt bereits 2,8 Mio. Hektar. In den USA kommt die Maisernte gut voran. Per 16. Oktober waren 45 Prozent der Bestände eingefahren, im Durchschnitt der letzten 5 Jahre sind es zu diesem Zeitpunkt gewöhnlich erst 40 Prozent. Die US-Ethanolproduktion hat wieder zugelegt und erstmals seit mehr als einem Jahr wieder die Marke von 1 Mio Barrel pro Tag erreicht. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat in seiner jüngsten Prognose die Maisernte nochmals deutlich nach unten korrigiert. Gegenüber der bisherigen Schätzung wurden 2 Mio. Tonnen in der Erntebilanz gestrichen. Die Endbestände sinken um deutliche 4 Mio. Tonnen.
Getreide-Aktualisieren,
Update Getreide vom Dienstag, 25.10.2022
Nach Kurszuwächsen am Freitag zeigen sich die Weizenpreise in Paris und Chicago zu Beginn der Woche wieder mit roten Vorzeichen. Nach wie vor ist die Situation rund um das Schwarze Meer die Stütze für die Preisentwicklung beim Weizen. Immer wieder aber bestimmen auch die weiteren fundamentalen Daten die Stimmung an den Märkten.
Nach ukrainischen Angaben haben aktuell sieben Schiffe mit Getreide über insgesamt 124.300 Tonnen zuletzt die drei Häfen in Odessa, Piwdennji und Tschornomorsk verlassen. Alle Schiffe sind Teil des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. Die Ukraine warf jüngst Russland vor, die vollständige Umsetzung des Getreidekorridors immer wieder zu blockieren. Russland wiederum verhandelt aktuell mit den Vereinten Nationen über die Fortsetzung des Getreidekorridors. Zuletzt hatten sich UN-Vertreter zuversichtlich gezeigt, russische Gesandte jedoch darüber beklagt, dass ihre Interessen kaum Gehör finden würden. Die russischen Exportpreise selbst fallen weiter. Die üppige Ernte drückt in die Läger und will exportiert werden. Die Aussaat hingegen stockt bzw. erste Stimmen kommen, dass die russische Weizenanbaufläche für die kommende Ernte kleiner ausfallen wird, als im letzten Jahr. Aktuell sind etwas mehr als 14 Mio. Hektar bestellt, im Vorjahr waren es per Mitte Oktober bereits über 15 Mio. Hektar. Auch die Anbausituation in der Ukraine ist schwierig. Ein Vertreter des Agrarbuisness Clubs der Ukraine äußerte sich wegen Problemen in der Logistik, der Versorgung und wegen verminten Äckern skeptisch, ob die Ukraine im kommenden Jahr überhaupt lieferfähig sein wird. Für Australien rechnet das USDA mit einer deutlich guten Erntebilanz. Erwartet werden 34 Mio. Tonnen, dass sind zwar etwas weniger als im Vorjahr, als die Farmer in Down Under 36,3 Mio. Tonnen von den Feldern geholt haben, jedoch wäre das immer noch die zweitbeste Ernte in der Geschichte Australiens. An der CBoT stehen die Weizenpreise vor allem wegen einem angekündigten regenreichen Wochenende in den Great Plains unter Druck. Hier war es zuletzt für die Winterweizenaussaat vielerorts viel zu trocken. Das Exportgeschäft drückt weiter auf die Stimmung. Die wöchentlichen Weizenverladungen zeigen sich nochmals geringer als in der Vorwoche.
Auch Mais gab gestern ab, zeigt sich heute jedoch bis zum Mittag uneinheitlich. Die EU-Prognoseagentur MARS hat in ihrer Oktober-Einschätzung die Hektarerträge nochmals gesenkt und erwartet Flächenerträge von durchschnittlich 6,34 t/ha. Für Deutschland senkte der Prognosedienst die Erwartung auf 8,57 t/ha. Der Deutsche Raiffeisenverband hatte in seiner Oktober-Ernteschätzung in der vergangenen Woche mit durchschnittlichen Erträgen in Deutschland von 7,61 t/ha gerechnet und die Gesamterntebilanz auf 3,543 Mio. Tonnen geschätzt. Das bedeutet ein Rückgang von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den USA neigt sich die Maisernte dem Ende zu. Bis zum 23.10. sind nach USDA Angaben 61 Prozent der Flächen geerntet worden. Im langjährigen Durchschnitt sind es zu diesem Zeitpunkt 52 Prozent.
ZMP Live Expertenmeinung
Eine klare Richtung zeigen die Getreidemärkte derzeit nicht. Über allem schwebt weiterhin die Situation am Schwarzen Meer. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen auf der einen Seite, der schwache Euro und die unsägliche Situation in der Ukraine auf der anderen Seite lassen die Getreidemärkte nichts an ihrer Volatilität verlieren. Trotz der jüngsten Wochenverluste dürfte das hohe und überdurchschnittliche Preisniveau anhalten, insbesondere beim Mais.