Die Veröffentlichung des jüngsten Wasde-Berichts prägte den Wochenstart an den Weizenmärkten und sorgte zunächst für Ernüchterung. Die deutlich nach oben revidierte globale Produktionsschätzung sowie ein unerwarteter Anstieg der Welt-Endbestände belasteten SRW- und HRW-Weizen gleichermaßen. An den Folgetagen konnten sich die Notierungen jedoch teilweise erholen. Stützend wirkten Aussagen des ehemaligen US-Präsidenten Trump, wonach China bald größere Mengen Weizen aus den USA ordern könnte, auch wenn es bislang an belastbaren Exportnachweisen mangelt. Unterstützt wurde die Kursentwicklung zusätzlich von bullischen Impulsen aus dem Sojamarkt sowie technischen Zukäufen. Dennoch blieben enttäuschende Exportinspektionen und die hohen Weltbestände ein dämpfender Faktor. Gegen Ende der Woche fiel der Fokus dann auf die US-Exportverkäufe, die mit knapp 888.000 Tonnen ein Jahreshoch markierten. Trotz dieses bullischen Signals überwogen wieder bärische Einflüsse: Die fortbestehende Unsicherheit über Chinas tatsächliches Kaufinteresse drückten die Kurse erneut. Auch die Euronext folgte diesem volatilen Muster mit moderaten Auf- und Abwärtsbewegungen, beeinflusst von Wechselkursschwankungen, schwacher Exportnachfrage sowie dem Abgleich mit der Schwarzmeer-Konkurrenz.
Im Maismarkt verlief die Woche durchweg von bärischen Signalen geprägt. Zwar sorgten feste Weizen- und Sojavorgaben zwischenzeitlich für eine leichte Erholung, doch die Enttäuschung über den Wasde-Bericht und die nur geringfügig gesenkten US-Ertragserwartungen bestimmten das Bild. Stabilisierend wirkten teils robuste Exportzahlen: Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen auf hohem Niveau, ebenso die jüngsten Verkaufszahlen, die ein neues Jahreshoch erreichten. Dennoch überwogen belastende Einflüsse wie die anhaltend hohe brasilianische Exporttätigkeit. Die Euronext bewegte sich in engen Bahnen und beendete die Woche ebenfalls schwächer.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Kursentwicklung an den Getreidebörsen zeigt sich derzeit stark von Stimmungsimpulsen und Spekulationen geprägt. Besonders beim Weizen könnten sich die Hoffnungen auf chinesische Käufe als trügerisch erweisen, sollte es nicht zeitnah zu offiziellen Bestätigungen kommen. Die gestiegenen Welt-Endbestände bleiben ein Belastungsfaktor. Zwar zeigten die US-Exportverkäufe zuletzt Stärke, doch wetterbedingte Verbesserungen und die Konkurrenz aus dem Schwarzmeerraum dürften die Aufwärtsdynamik bremsen. Beim Mais bleiben trotz robuster Ausfuhren die überdurchschnittliche Ernte in Brasilien und die nur leicht gesenkten US-Ertragsschätzungen im Fokus. Insgesamt dürften beide Märkte kurzfristig volatil bleiben, mit einer leichten Tendenz zur Schwäche, sollten weitere Impulse ausbleiben.