Der Weizenmarkt zeigte sich zur Wochenmitte erneut schwächer. In Chicago gaben die SRW-Weizenkontrakte am Donnerstag um 3 bis 5 US-Cent nach. Auch in Minneapolis schlossen die Termine für Sommerweizen mit Verlusten von 3 bis 4 US-Cent. Lediglich der Markt in Kansas City (HRW) konnte sich dem übergeordneten Abwärtstrend teilweise entziehen und notierte uneinheitlich. Belastet wird der Markt weiterhin durch hohe globale Vorräte sowie ein insgesamt schwächeres Handelsumfeld. Damit hat sich der anfängliche bullische Trend zum Beginn der Woche nicht weiter durchgesetzt. Positiv wirkten jedoch die aktuellen Exportzahlen: Für die neue Ernte 2025/26 wurden in der Berichtswoche bis zum 15. Mai 882.202 Tonnen US-Weizen verkauft – ein Höchststand im laufenden Wirtschaftsjahr. Besonders hervorzuheben ist die breite Abnehmerstruktur mit größeren Mengen für unbekannte Destinationen (153.300 t), die Philippinen (137.000 t) und Japan (102.400 t). Dem gegenüber stehen negative Signale bei den Altbeständen: Für die laufende Saison wurden Netto-Reduktionen von 13.373 Tonnen gemeldet – deutlich unter dem Erwartungsband von 100.000 bis -200.000 Tonnen. Diese rückläufigen Bestände deuten auf ein fortgesetztes Nachfragedefizit. Zudem meldete der internationale Getreiderat (IGC) in seiner Monatsauswertung eine stabile globale Weizenerzeugung von 806 Mio. Tonnen für 2025/26, bei gleichzeitiger Senkung der prognostizierten Nutzung um 1 Mio. Tonnen. Die globalen Lagerbestände steigen damit um 2 Mio. Tonnen auf 262 Mio. Tonnen – ein Signal für ausreichende Verfügbarkeit und preisdämpfenden Überhang.
An der Euronext konnten sich die Weizenfutures sich den schwachen Vorgaben nicht entziehen und rutschten in die Verlustzone. Der Septembertermin verbuchte einen Rückgang von 2,75 Euro/Tonne auf 209,25 Euro/Tonne.
Der Maismarkt zeigte sich am Donnerstag mit uneinheitlicher Tendenz. Während der Juli-Kontrakt an der CBoT um 2 US-Cent zulegen konnte, notierten die übrigen Termine zwischen 1 und 3 US-Cent schwächer. Auch der durchschnittliche nationale Barpreis (CmdtyView) stieg um 2,5 US-Cent auf 4,36 ¼ USD/bushel. Die Handelsaktivität wurde maßgeblich von den aktuellen Exportzahlen und globalen Angebotsdaten beeinflusst. Stützend wirkte das Exportgeschäft: Die US-Exportverkäufe für Mais beliefen sich in der Berichtswoche bis zum 15. Mai auf insgesamt 1,19 Mio. Tonnen und lagen damit im Rahmen der Erwartungen. Auch wenn dies ein Rückgang von 29 % gegenüber der Vorwoche darstellte, lagen die Verkäufe dennoch rund 30,7 % über dem Vorjahreswert – ein positives Signal für die langfristige Nachfrage. Die wichtigsten Käufer waren Japan (370.900 t), Mexiko (219.300 t) und Kolumbien (153.100 t). Für die neue Ernte 2025/26 wurden 218.371 t Mais verkauft, vor allem nach Kolumbien (100.000 t) und Costa Rica (75.400 t), was ebenfalls auf ein solides Frühinteresse hindeutet. Gebremst werden bullische Impulse derzeit von der globalen Angebotslage. aut aktuellem Bericht des internationalen Getreiderats (IGC) wird die weltweite Maisproduktion für das Vermarktungsjahr 2025/26 um 3 Mio. Tonnen höher eingeschätzt. Die globalen Endbestände steigen parallel ebenfalls um 3 Mio. Tonnen auf 284 Mio. Tonnen. Diese Ausweitung des Angebots dämpft die Markterwartungen und erhöht den Preisdruck auf längere Sicht.
An der Euronext konnten sich die Maiskontrakte entgegen dem Weizen behaupten und notierten moderate Gewinne. Für den August ging es um 2,00 Euro/Tonne auf 207,25 Euro/Tonne. Inwieweit sich die aktuelle Wetterlage und die Dürre auf die Bestände auswirkt, steht derzeit im Fokus. Marktbeobachter und Wetterexperten befürchten, dass es erhebliche Ertragseinbußen die Folge sein könnte.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Märkte für Weizen und Mais stehen aktuell unter dem Einfluss gegenläufiger Impulse. Während robuste Exportzahlene für Nachfrageoptimismus sorgen, belasten steigende globale Lagerbestände und ein schwächeres Handelsumfeld das Preisniveau. Die kurzfristige Entwicklung dürfte stark von Wetterereignissen und weiteren Nachfrageimpulsen abhängen und damit die Börsen weiter volatil bleiben. Eine klare Richtung scheinen die Futures derzeit nur schwer zu finden.