Am US-Weizenmarkt setzte sich das gemischte Bild der Vorwoche fort. SRW- und HRW-Weizen standen über weite Strecken unter Druck, wobei der Septemberkontrakt in Chicago zur Wochenmitte leicht nachgab und erst am Freitag durch eine technische Erholung Boden gutmachte. Belastend wirkten weiterhin die üppigen globalen Lagerbestände, wie sie unter anderem durch die jüngst angehobenen russischen Exportprognosen und die leicht gestiegene EU-Ernteschätzung untermauert wurden. Zwar markierten die physischen US-Ausfuhren mit rund 1 Mio. Tonnen ein Saisonhoch, doch schwächere Neubuchungen relativierten den Effekt. Bei Sommerweizen hielten sich die Verluste in Grenzen. In Europa verschärfte sich die Schwäche. Die Preise an der Euronext fielen auf neue Kontrakttiefs, getrieben von Billigangeboten aus dem Schwarzmeerraum und enttäuschenden Exportzahlen der EU, die sich gegenüber dem Vorjahr mehr als halbierten. Der französische Weichweizen zeigte qualitative Schwächen beim Proteingehalt, was zusätzlich Druck ausübte.
Der Maismarkt reagierte zunächst verhalten auf die erneut schwachen Witterungsbedingungen in Osteuropa, wo laut MARS-Bericht Dürre die Produktion stark einschränkt. Erst gegen Ende der Woche folgte eine moderate Preissteigerung an der CBoT, gestützt durch die Senkung der EU-Ernteprognose um rund 2,5 Mio. Tonnen. Zuvor hatten bärische Impulse aus Brasilien und der Ukraine das Geschehen geprägt. Dort zeichnen sich hohe Erträge beziehungsweise ein zunehmender inländischer Verbrauch ab. Die US-Exportzahlen präsentierten sich durchgehend robust. Dennoch blieb der Euronext-Mais unter Druck, was auf die starke Konkurrenz am Weltmarkt hinweist.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz vereinzelter bullischer Impulse – etwa durch die Kürzung der EU-Maisprognose – bleibt die grundsätzliche Stimmung am Getreidemarkt angespannt. Die globalen Weizenvorräte und das starke Exportangebot insbesondere aus Russland üben weiter Druck auf die Preise aus. Auch wenn die US-Ausfuhren bei Mais solide ausfielen, bleiben die europäischen Notierungen auffallend träge. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Witterungseinflüsse in der EU und die Entwicklung der Frühjahrsarbeiten in Nordamerika den Märkten neue Impulse geben können. Der Fokus dürfte zunehmend auf die Qualität der Ernten und die Bestätigung von Exporttrends rücken.