Die Rally beim Getreide hat sich in dieser Woche deutlich beruhigt, auf Sicht des bisherigen Wochenverlaufes haben die Preise für Weizen und Mais an der Börse in Paris sogar wieder etwas nachgegeben. Das gleiche Bild zeigt sich auch in Chicago. Schlusskurs beim Weizen war gestern Abend im Frontmonat September bei 258,50 Euro/t. Mais schloss in Paris im mittlerweile meistgehandelten August-Kontrakt bei 224,00 Euro/t.
Dass sich die Getreidepreise auf hohem Niveau etwa beruhigt hat, hat wieder einmal mehrere Gründe. Der Blick richtet sich wie so oft in den letzten Monaten auch nach Russland. Im Süden sind Niederschläge angekündigt. Auch die Bestände in der Ukraine profitieren von den Wetteraussichten. Ob sich damit die zuletzt reduzierten Ernteprognosen der russischen Analysten nachhaltig ändern, wird sich noch zeigen. Die EU-Kommission hat ihre Prognose für die Getreideproduktion im Vergleich zur letzten Schätzung kaum verändert. Die Weizenproduktion wird weiterhin bei 120,2 Mio. Tonnen vermutet und liegt damit um 4 Prozent hinter dem Vorjahreswert und 5,16 Prozent hinter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Überdurchschnittlich dürfte dagegen die Ernte von Mais ausfallen. Diese wird auf 68,40 Mio. Tonnen prognostiziert und damit um 2,69 Prozent höher als im Durchschnitt der letzten Jahre. Auch das Vorjahresergebnis von 62,97 Mio. Tonnen wir damit deutlich übertroffen. Auch die Erntemenge bei Gerste wird mit 54,32 Mio. Tonnen deutlich über dem Ergebnis 2023/24 und über dem Schnitt der letzten 5 Jahre gesehen. Wegen eines US-Feiertages am Montag wurden Zahlen erst mit Verzögerung. Die US-Winterweizenbestände werden mit 48 Prozent in einem guten oder sehr guten Zustand bewertet. Das sind 2 Prozentpunkte weniger als vor einer Woche aber deutlich besser als vor einem Jahr. Beim Mais ist die Aussaat trotz der Schlechtwetterfront gut vorangekommen, der durchschnittliche Erntefortschritt wird um 1 Prozentpunkt übertroffen. 58 Prozent der Flächen sind zudem angelaufen, das entspricht dem durchschnittlichen Wert zu diesem Zeitpunkt. Die letzten US-Exportzahlen bzw. Exportverladungen lagen wie zuletzt auf einem unterdurchschnittlichen Niveau.
Keine nachhaltige Kursbewegung verursachte der Beschluss der Europäischen Union, dass es ab 1 Juli Strafzölle auf russisches Getreide und auf Ölsaaten geben wird. Auch Lieferungen aus Belarus sind davon betroffen. An den hiesigen Kassamärkten hat sich der Handel wieder etwas beruhigt. Insbesondere Mühlen zeigen derzeit kein großes Interesse für Waren der letzten Ernte. Futtermittelqualitäten wurden seitens der Landwirtschaft zuletzt verstärkt angeboten, die Offerten werden aber nicht immer gesucht.
Getreide-Aktualisieren,
Weizen zeigt sich zu Wochenbeginn volatil. Zu Beginn der neuen Woche ging es für die Kontrakte an Matif und CBoT noch aufwärts. Im Laufe der Sitzung tendierten die Kontrakte dann aber in die Verlustzone. Auch heute geht es für Weizen in Paris und Chicago südwärts. Mais konnte im meistgehandelten August-Termin gestern zulegen, heute geben die Kontrakte aber über alle handelbaren Liefermonate nach. Einzig CBoT-Mais zeigt sich am späten Nachmittag heute mit grünen Vorzeichen.
Die Nachrichtenlage ist dabei weiterhin wettgestützt. Zwar hat sich die Lage im Süden Russlands verbessert durch einige Niederschläge, auch in der Ukraine haben Regenmengen Entlastung gebracht. Dennoch ist die Not wohl groß. Die Frostschäden in Russland aus der dortigen Kältewelle Ende April/Anfang Mai sind offenbar so nachhaltig, dass sich das russische Agrarministerium veranlasst, sieht den Notstand auszurufen. Gerüchte darüber kamen gestern auf. Mit diesem Schritt hätten die Landwirte in Russland Gelegenheit ihre Ausfälle bei den Versicherungen abzurechnen. Offiziell bestätigt sind diese Meldungen aber noch nicht. Insgesamt hatte sich zuletzt die Hoffnung abgezeichnet, dass die russischen Bestände wohl nicht so deutlich in Mitleidenschaft gezogen wurden und die jüngsten Niederschläge vor allem in den südlicheren Anbaugebieten die Ertragsaussichten verbessert haben könnten. In Deutschland bleibt der Handel mit Getreide insgesamt überschaubar. Regional hat der Feiertag in der vergangenen Woche die Aktivitäten so oder so begrenzt, aber wegen der aktuellen Entwicklung an den Börsen tuen sich Händler wie Erzeuger derzeit ebenfalls schwer damit Preise für die kommende Ernte zu verhandeln. Europas Weizenausfuhren in der laufenden Saison haben derweil ein Volumen von 28,169 Mio. Tonnen erreicht und liegen damit weiterhin unter dem Exportwert des Vorjahres zu diesem Zeitpunkt. Seinerzeit standen 29,56 Mio. Tonnen in der zollamtlichen Statistik der Kommission. Auch die Ausfuhren von Gerste sind geringer als im Vorjahr. In den USA zeigen sich die die wöchentlichen Exportverladungen der zurückliegenden Woche hingegen solide. In der Woche zum 30. Mai wurden 416.010 Tonnen Weizen ausgeführt, was gegenüber der Vorjahresvergleichswoche ein deutliches Plus entspricht. Dennoch liegen die US-Ausfuhren mit 18,7 Mio. Tonnen deutlich hinter dem Wert des Vorjahres als zu diesem Zeitpunkt bereits 19,8 Mio. Tonnen inspiziert wurden. Belastend wirken in den USA die beginnende Ernte. Aktuell sind 6 Prozent der Ausgangsareal eingefahren, im Schnitt der letzten fünf Jahre sind es Anfang Juni lediglich 3 Prozent. Ebenfalls zügig voran kommt die Maisaussaat. Die jüngsten Niederschläge im Corn Belt haben zu keinen nennenswerten Verzögerungen geführt. 74 Prozent der angepeilten Flächen sind bestellt, ein Prozentpunkt mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. 64 Prozent sind in einem guten oder sehr guten Zustand, das sind deutlich weniger als es die Analysten erwartet hätten.
ZMP Live Expertenmeinung
Wetter, Wetter Wetter. Das beschäftigt den Markt auch in dieser Woche. Nach der Rally der letzten Woche und der Meldung, dass die Trockenheit in Russland ein Ende finden könnte, geben die Preise wieder etwas nach. Die kommenden Wochen dürften wegen der aktuellen Pflanzenentwicklung spannend und volatil bleiben, eine Änderung an dem erhöhten Preisniveau ist aber derzeit nicht zu erwarten.