01.
03.14
Ukraine stiftet Unruhen bei den Getreidekursen - IGC-Schätzung 2014/15

Getreide Cockpit, 01.03.2014

Bullish
  • Rückschlag der Getreideausfuhren der Ukraine
  • Verkaufszurückhaltung und Vorratssicherung
  • Abstriche bei der kommenden Ernte 2014/15
Bearish
  • beruhigend hohe Überhangbestände

IGC schätzt Welternte 2014/15 schwächer ein – .Wirtschaftliche und politische Instabilität der Ukraine sind besorgniserregend

Der Internationale Getreiderat hat in seiner jüngsten Monatsausgabe seine ersten Einschätzungen  zur kommenden  Getreideernte abgegeben.

Die Weizenernte 2014/15 werde zwar durch eine um 2 % höhere Anbaufläche gefördert, aber eine Wiederholung der überdurchschnittlich hohen Hektarerträge des ablaufenden Jahres soll es nicht geben.  Die globale kommende Weizenernte schätzt der IGC um 2 % niedriger auf unter 696 Mio. t (Vorjahr 707 Mio. t) ein.  Ein hoher Anfangsbestand sorgt zwar für eine günstige Angebotssituation, aber die starke Nachfrage mit 698 Mio. t (Vorjahr 691 Mio. t) soll dazu beitragen, dass die Endbestände nur knapp das Anfangsniveau halten werden.

Die globale Maisernte wird um 5 Mio. t niedriger auf 954 Mio. t eingeschätzt. Im Vordergrund der Argumentation steht die Annahme von Durchschnittserträgen, die unter dem Niveau des vergangenen Jahres liegen. Insgesamt rechnet man mit einer Ausdehnung der Anbauflächen in China und möglicherweise der Ukraine, gemindert durch geringere Maisflächen in den USA und der EU. In den USA soll die Maisfläche von der wettbewerbsfähigeren Sojabohne um 1,5 % verdrängt werden.

Die hohen Überlagerungsbestände beim Mais werden dafür Sorge tragen, dass die Angebotssituation im Jahre 2014/15 weiterhin günstig bleibt. Das Verhältnis von Endbestand zum Verbrauch errechnet sich auf überdurchschnittliche 16,5 %.

Die Handelsaktivitäten 2014/15 schätzt der IGC um 5 Mio. t niedriger ein mit der Begründung, dass China und die Türkei weniger Importbedarf haben könnten als im ablaufenden Jahr. Hingewiesen wird auch auf die hohen Erwartungen an  steigende indische Exporte. Die Begründungen werden in der gestiegenen indischen Anbaufläche gesehen, allerdings bleibt die Frage nach ausreichenden Niederschlägen noch offen. Die Anzeichen für eine „El Nino“ Wetteranomalie verstärken sich.

Für die EU erwartet man eine ähnlich starke Exporttätigkeit wie im ablaufenden Jahr, wobei es wesentlich darauf ankommt, welche Ausfuhren aus der politisch und finanziell angeschlagenen Ukraine umsetzbar sind. Die jüngsten Unruhen auf der Halbinsel Krim verursachen große Bedenken, ob die über das Schwarze Meer abgewickelten Ausfuhren gesichert sind. Außerdem trägt die finanziell schwache Situation dazu bei, dass die Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger, PSM und Treibstoffe nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Inwieweit die erwartet steigenden Maisernten in der Ukraine verwirklicht werden, bleibt eine offene Frage.

An den Börsen herrscht angesichts der Unruhen in der Ukraine Alarmstimmung. Inwieweit die angekündigten großen Exportmengen der Ukraine tatsächlich zur Auslieferung kommen, ist fraglich. Auf der Verkaufsseite übt man sich in Zurückhaltung angesichts der hohen Inflation und auf der Kaufseite beeilt man sich, ausreichende Vorräte anzulegen. Beide Tendenzen treiben die Kurse wieder in die Höhe, nachdem man schon wieder auf „Seitwärtskurs“ eingestellt war.

Ukraine stiftet Unruhen bei den Getreidekursen - IGC-Schätzung 2014/15

Getreide-Aktualisieren,

Update vom 03.03.2014:

Die sich zuspitzenden Unruhen in der Ukraine haben die Börsennotierungen beachtlich in die Höhe getrieben. An der Pariser Matif notierte Weizen zwischen 6 und 8 € t höher und überschritt dabei die Marke von 200 € t in beachtlichen Umfange. Es besteht die Befürchtung, dass trotz gegenteiliger Meldungen aus dem Schwarzmeergebiet, die Lieferungen von Weizen und Mais durch die russische Intervention gestört werden können.  Auch die kommende Ernte könnte infolge nicht ausreichender Betriebsmittel mangels Finanzierbarkeit in Mitleidenschaft gezogen werden. Angesichts der schwierigen politischen Situation ist nicht absehbar, wann wieder eine beruhigende überschaubare Phase eintreten wird.

ZMP Live+ Logo

ZMP Live Expertenmeinung

Der Beginn einer möglichen Neurorientierungsphase bei der Preisfindung im Hinblick auf den Rest des Getreidejahres unter Berücksichtigung der ersten Anzeichen der kommenden Ernteperiode wird durch die Unruhen in der Ukraine abrupt unterbrochen. Die Schwarzmeerhäfen sind zentrale Umschlagplätze für Getreide aus Russland, Ukraine und Kasachstan und wirken sich daher auf den globalen Getreidehandel aus. Verkaufszurückhaltung angesicht hoher Inflationsraten und Hamsterkäufe auf der anderen Seite treiben die Kurse nach oben. Ein politischer und finanzieller Stabilisierungsprozess in der Ukraine wird eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Russsische und EU-Interessen sind dabei mit im Spiel.

Die absehbare Verunsicherung wird ein prägendes Element der zukünftigen Kursfindung sein.

ZMP Marktbericht kompakt
Aktuelles von den Märkten kompakt für Sie zusammengefasst

Achtung, du siehst derzeit historische Daten da du entweder kein ZMP Live+ Mitglied oder nicht eingeloggt bist. Hol dir jetzt den Informationsvorsprung!

11.
05.24
09:06

1. USDA-Schätzung: Weltgetreidemarkt 2024/25 mit wenig Veränderung zum Vorjahr In ihrer jüngsten Mai-Ausgabe hat das US-Agrarministerium (USDA) eine erste Schätzung der Weltgetreideversorgung 2024-25 veröffentlicht. Dabei werden die weltweite Erzeugung und Verbrauch nur geringfügig erhöht. Tendenziell geht die Versorgungslage im Vergleich zum…

04.
05.24
09:15

FAO aktualisiert Weltgetreideschätzung 2023/24 – Kürzungen Ernteschätzung 2024/25 Die Agrar- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat in ihrem jüngsten Mai-24-Bericht die bisherigen Ergebnisse der Weltgetreideernte 2023/24 einschl. Reis auf den neuesten Stand gebracht. Gleichzeitig wurden erste Prognosen für 2024/25 deutlich…

24.
04.24
09:29

MARS schätzt EU-Weizenerträge geringfügig über Durchschnitt Das Agrarmeteorologische Institut der EU-Kommission (MARS) hat in seiner neuen Apr.-24-Ausgabe auf der Grundlage der Klimadatenauswertung von 1. Mrz. bis 13. Apr. 2024 seine Ertragsprognosen aus dem Vormonat auf den neuesten Stand gebracht. Die Vergleiche werden sowohl zum Vorjahr als auch…

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Jetzt registrieren

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich