17.
05.14
Weizenpreise: Vordere Termine gefallen - spätere Liefermonate stabil bis zunehmend

Getreide Cockpit, 17.05.2014

Bullish
  • Witterungsbedingte Unsicherheiten in den nächsten Monaten
  • EL Nino - Schäden in den späteren Ernteterminen des Getreidewirtschaftsjahres
  • Ggfs politische Verunsicherungen
  • Nachholbedarf bei der notwendigen Bevorratung
Bearish
  • Aussichten für eine zweitbeste Getreideernte auf Weltebene
  • Schwache Futternachfrage infolge geringer Viehbestände
  • China-Faktor fällt 2014/15 kleiner aus
  • nachlassendes Weltwirtschaftswachstum mit Konsumbeschränkung

Terminkurse vom Stand 16. Mai 2014

Umgerechnet in € je t

Sept 14

Nov 14

Jan 15

März 15

Mai 15

Weizen, Paris

-        

199,25

199,50

199,75

200,00

Weizen, Chicago

181,95

 Dez. 14: 186,08

190,01

191,81

Getreidekurse geben nach - Weizen unter 200 €/t in Paris – 180 €/t in Chicago

Die USDA-Schätzung vom letzten Wochenende Anf. Mai hat mit verstärkten Kurssenkungen bei den vorderen Terminen nachgewirkt. Die Börsenteilnehmer gehen zunehmend von einer großen Welternte aus, die im Ergebnis zu einer gut durchschnittlichen Versorgungslage führen soll. Das jedenfalls kann aus den jüngsten Schätzergebnissen abgeleitet werden.

Dennoch gibt es eine Reihe von Vorbehalten und Unsicherheiten, die die Verlässlichkeit der anvisierten Preisentwicklungen in Frage stellen. Jedenfalls zeigen die hinteren Terminkurse an den Börsen eine vergleichsweise stabile Entwicklungserwartung an.

Zunächst scheint man sich in den USA damit abgefunden zu haben, das die US-Weizenernte und –export um rd. 10% schlechter ausfallen werden. Auch die drastische Reduzierung der kanadischen Weizenernte hinterlässt an den Börsen keinen nachhaltigen Eindruck mehr; man verweist auf die überdurchschnittlich hohen Überlagerungen in diesem Jahr. 

Im Schwarzmeergebiet widersprechen sich die offiziellen Ernteschätzungen zu denen aus privaten Markt-und Beraterkreisen. Im Falle der Ukraine müssen die Farmer mit 30 bis 50 % höheren Betriebsmittelkosten kalkulieren, die durch die Inflationierung bei den Preisen und durch die teuer gewordenen Kredite der schwachen ukrainischen Währung entstanden sind. Die Schätzergebnisse klaffen allein schon aufgrund der Anbauflächenreduzierungen um rd. 1 Mio. ha (10 %) auseinander. Aus Finanzgründen sparsam eingesetzte ertragssteigernde Betriebsmittel dürften nochmals bei den Durchschnittserträgen ihre Wirkung hinterlassen. Das Wetter spielt bis jetzt noch einigermaßen mit. Beim jüngsten Weizenexport nach Ägypten hat die Ukraine überraschenderweise den Zuschlag erhalten.

Russland meldet ungewöhnlich niedrige Auswinterungsschäden. Die Frühjahrsbestellungen sollen unter günstigen Bedingungen verlaufen sein. Allerdings machen die niedrigen Bodenwasservorräte Sorgen, denn in den kommenden Monaten wird üblicherweise nur noch wenig Niederschlag zu erwarten sein. In Zentralrussland und in der  nördlichen Kaukasusregion werden allerdings kritischere Töne bezüglich des Ernteausganges angeschlagen. Die geschätzten Überhangsbestände sollen kleiner ausfallen als bisher angenommen. Die russischen Ausfuhren und die Beteiligung an Ausschreibungen sind spürbar geringer geworden, um die Eigenversorgung nicht in Gefahr zu bringen.

Die agrarmeteorologischen Schätzungen der EU-Kommission haben die Ertragsprognosen für das EU-Gebiet nochmals heraufgesetzt. Unterstellt man die Ergebnisse, errechnet sich eine Ernte deutlich oberhalb der 300 Mio. t Marke und deutlich über der USDA-Schätzung mit nur 297 Mio. t.  Aller Voraussicht nach wird die EU im kommenden Jahr noch vor den USA die Spitzenstellung beim globalen Weizenexport einnehmen. Damit werden die fehlenden Mengen aus den Nordamerika und dem Schwarzmeergebiet zu einem beachtlichen Teil abgefangen. Die günstigen Transportwege zu den großen Importeuren an der Nordafrikanischen Mittelmeerküste unterstützen diese Entwicklung. Wenn der Eurokurs noch mitspielt, entsteht eine starke Wettbewerbssituation der EU auf dem Weltmarkt mit der Folge, dass ein erheblicher Teil der Mehrerzeugung in den Export marschiert. Die Perspektive hoher Ausfuhren stellt die erwartet hohe EU-Ernte in ein kritischer zu betrachtendes Versorgungsbild im Hinblick auf die Preisbildung. Diesbezügliches Anschauungsmaterial liefert der überverkaufte US-Sojamarkt.

Noch große Unsicherheit geht von der Wetteranomalie El Nino aus. Das wahrscheinliche Eintreffen wird auf über 70 % geschätzt. EL Nino fällt jedes Mal anders aus. Während auf der Nordhalbkugel kaum spürbare Auswirkungen zu erwarten sind, betrifft es Australien, Indien und weitere Teile SO-Asien unmittelbar. Auch Südamerika wird in Mitleidenschaft gezogen. In Bezug auf die Getreideernten werden vor allem trockenheitsbedingte Schäden in Australien und Indien erwartet, während in Südamerika sowohl Trockenheit wie starke Niederschläge zu befürchten sind.

Die starken Getreideimporte Chinas haben in den letzten Jahren für hohe Aufmerksamkeit gesorgt. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist eine unmittelbare Fortsetzung dieser Importaktivitäten in gleichen Umfang nicht zu erwarten. Von 18,5 Mio. t im Vorjahr sollen die Einfuhren 2014/15 auf 13 Mio. t zurückgehen. Die chinesischen Endbestände sollen um 5 Mio. t auf 142 Mio. t steigen, erheblich mehr als in den 7 führenden Exportstaaten zusammen.

Weltweit stagnierende bis rückläufige Viehbestände sorgen dafür, dass von der Nachfrageseite wenig Preisauftrieb zu erwarten ist. Dagegen sorgen die geringen Anfangsbestände für einen Nachholbedarf zur Auffüllung der als notwendig erachteten Vorratsbestände. Damit wird ein Teil der erwarteten Mehrerzeugung abgefangen. Die vorläufigen Schätzzahlen liefern im Ergebnis eine gut durchschnittliche Versorgungslage. Aus der langjährigen Beziehung zwischen Versorgungszahl „% Endbestand zum Verbrauch“ (Stock to use ratio) zum Weizenpreisniveau lassen sich durchschnittliche Preise im Jahresdurchschnitt herleiten. Die Börsenkurse der zukünftigen Monate zeigen ein diesbezügliches Niveau und die entsprechende Richtung an.

Weizenpreise: Vordere Termine gefallen - spätere Liefermonate stabil bis zunehmend
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ZMP Live Expertenmeinung

Die überhöhten Befürchtungen einer von Auswinterungs- und Trockenschäden geminderten US-Weizenernte haben sich etwas gelegt. Die Spannung um eine termingerechte US-Maisaussaat ist ebenfalls geringer geworden. Die eingepreisten Risikoprämien können auch im Falle des Schwarzmeergebietes etwas gekürzt werden. DIe Exporte aus einer guten EU-Weizenernte werden in eine gewisse Leitposition gehoben werden. Vorerst zeichnet sich eine gut durchschnittliche Versorgungslage auf dem Weltgetreidemarkt 2014/15 ab, zumal die Nachfrageseite keine überdurchschnittliche Wirkung entfaltet. Eine Preisanpassung nach unten passt in das aktuelle  Weltbild der Getreideversorgung.

Auf spätere Sicht drohen die unsicheren Schäden eines El Nino-Wetterphänomens und sorgen für feste Kurse in den hinteren Terminen des Getreidewirtschaftsjahres 2014/15. Weitere nicht vorhersehbare Risiken sind eingepreist. 

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