19.
09.13
Weizenkurse - durch Maisnotierungen gedeckeltes Aufwärtspotenzial

Getreide Cockpit, 19.09.2013

Bullish
  • Knappe Versorgung im globalen Weizensektor
  • beachtlich steigende Importnachfrage aus China
  • schwache Anschlussernten auf der Südhalbkugel in Aussicht
Bearish
  • Weltweite Rekordernte mit deutlich über 700 Mio t
  • Beachtlicher Erntezuwachs und leichter Bestandsaufbau
  • Rekordernte an Mais verdrängt Futterweizen
  • geringere Importnachfrage aus den nordafrikanischen Ländern
  • Druckfaktor Schwarzmeergebiet, aber mit Fragezeichen

Weizenkurse auf der Suche nach Orientierung

Seit Ende Juli 2013 pendeln die Weizenkurse schon zwei Monate lang an der Pariser Börse zwischen 182 und 192 € je t und an der Chicagoer Börse zwischen 6,4 $ je bu (umgerechnet 17,82 € je dt) und  6,7 $ je bu (umgerechnet 18,65 € je dt). Die Auf- und Abwärtsbewegungen stehen in engen Zusammenhang mit den witterungsbedingt unterschiedlichen Ernteschätzungen mit besonderen Schwerpunkt der US-Maisernte. Die allerjüngste Aufwärtsbewegung findet jedoch ihre wesentliche Begründung in der Entscheidung der US-Zentralbank, weiterhin eine expansive Geldmarktpolitik zu betreiben. Ein schwacher Dollar begünstigt die US-Exporte und liefert Ansatzpunkte zu stabilen Weizenkursen.

Die weltweite Weizenversorgung bleibt auch im laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14 unterdurchschnittlich. Die Stock to use ratio errechnet sich unter 25 % gemessen an mehrjährigen Durchschnittswerten von 26,5 %. Die knappe Versorgungslage beim Weizen allein rechtfertigt einen deutlich höheren Kurs als im Augenblick an den Börsen notiert wird.

Aber der Weizenmarkt mit seinen rd. 700 Mio. t ist nicht isoliert zu betrachten, sondern im Verbund mit dem gesamten Getreidemarkt zu betrachten. Im Grenzbereich geht es darum, wieviel Futterweizen in Konkurrenz zum übrigen Futtergetreidemarkt gebraucht wird. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Maismarkt, der mit einer geschätzten Rekordernte von 950 Mio. t zu großen Teilen noch nicht gedroschen ist und sicherlich noch einige Risiken in sich birgt.

Eine besondere Aufmerksamkeit erfährt die US-Maisernte mit erwarteten 350 Mio. t und einer Steigerung von rd. 75 Mio. t gegenüber dem trockenen Vorjahr.  Auch in diesem Jahr werden Trockenschäden aufgrund der unterschiedlichen und ungleich verteilten Niederschläge im US-Cornbelt befürchtet, aber noch sehr unterschiedlich beurteilt. Bei Vergleichen wird auf die späte Aussaat hingewiesen, auf Regionen mit absoluter Trockenheit zu anderen Regionen, die ausreichende Regenmengen erhalten haben sollen sowie auf die Gunst der Witterung in der Kornbildungsphase auf den verschiedenen Standorten. Selbst die Anbaufläche wird immer noch unterschiedlich eingeschätzt. Frühfroste werden nach den Wettervoraussagen zurzeit  wenig in Aussicht gestellt, so dass die Abreife und mögliche Ernte nicht besonders gefährdet erscheinen.

Erste gute Maisdruschergebnisse in den südlichen Staaten sind noch von geringer Aussagekraft. Entscheidend werden die Hauptanbaugebiete um Iowa herum sein.

In den nächsten Wochen wird die ernteabhängige Maispreisentwicklung den Weizenpreis zu einem beachtlichen Teil mitbestimmen. Im weiteren Verlauf des Okt/Nov.-13 wird sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Anschlussernten auf der Südhalbkugel in Argentinien und Australien richten. In beiden Gebieten sind die Aussichten auf eine knapp unterdurchschnittliche Ernte und deutlich zurückgehenden Weizenexporten ausgerichtet. Noch sind Ernterisiken größeren Umfanges nicht auszuschließen. Insbesondere Qualitätsweizen wird in diesem Jahr nicht reichlich zur Verfügung stehen.   

Weizenkurse - durch Maisnotierungen gedeckeltes Aufwärtspotenzial
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ZMP Live Expertenmeinung

Die diesjährige Rekordernte an Weizen darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die weltweite Versorgungsbilanz nur knapp unterdurchschnittlich ausfällt. Allerdings sind die Exportpotenziale der Ausfuhrländer gewachsen, so dass im Bedarfsfalle geliefert werden kann. Herausragend sind in diesem Jahr die prognostizierten steigenden Importmengen Chinas auf über 8 Mio. t.

Die Weizenkurse werden aber durch die konkurrierenden Maispreise im Futtergetreidesektor infolge der hohen Ernteerwartungen  gedeckelt. Jede Abweichung der Ernteschätzungen im Maissektor wird daher seinen Niederschlag in den Weizenkursen finden. Dass die Weizenernten in der südlichen Hemisphäre zu keiner großen  Verbesserung der aktuellen Versorgungslage beitragen werden, scheint bereits weitgehend eingepreist zu sein. Schwächere als bisherige Ernteschätzungen in Australien und Argentinien könnten daher für einen leichten Preisaufschwung sorgen. Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel.

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