22.
03.14
Weizenpreise auf vorläufigen Höhepunkt?

Getreide Cockpit, 22.03.2014

Bullish
  • globale Überhangbestände nur knapp durchschnittlich
  • Auswinterungsschäden in beduetenden Produktionsregionen
  • suboptimale Niederschlagsmengen und Bodenwasservorräte in Teilgebieten
  • Mögliche Einschränkungen bei den Sommersaaten
  • Nicht vorhersehbare Risiken bei der Ertragsbildung und Erntezeit
  • Handelsunsicherheiten durch Ukraine-Krise
Bearish
  • Bisherige Versorgungslage im knappen Durchschnitt bei Weizen
  • Überdurchschnittliche Versorgungslage bei Mais
  • verhaltener gewordene Nachfrage

Weizenpreise über Durchschnittsniveau - Wie hoch ist der Einfluss der Krise in der Ukraine?

US-Weizenpreise haben nach monatelanger Abwärtsbewegung seit Jahresbeginn eine Preissteigerung von mehr als 25 % vollzogen. Die europäischen Kurse haben dagegen im Herbst 2013 zunächst eine steigende Entwicklung gezeigt, die in engen Zusammenhang mit den überdurchschnittlich hohen Exporten gebracht werden können. Der Kurseinbruch um den Jahreswechsel dauerte nicht lange. Der US-Kurssteigerungen haben die Pariser Börsennotierungen fast parallel um fast 20 % seit Mitte Jan 2014 nach oben gezogen.

Die zukünftigen US-Terminkurse zeigen im weiteren Verlauf des Jahres 2014 weiterhin eindeutige Aufwärtstendenzen, während in Paris eher eine feste Notierung für den maßgeblichen Nov.-Termin 2014 vorherrscht.

Zur Einschätzung der weiteren Entwicklung ist die Frage nach den Antriebskräften für den bisherigen Verlauf zu beantworten.

Naheliegend ist zunächst die Vermutung, dass die Krise in der Ukraine einen wesentlichen Teil der Ursachen geliefert hat. Die Begründung wird überwiegend im Risiko der Exportunsicherheiten gesehen. Tatsächlich haben die ukrainischen Ausfuhrhäfen Odessa und Umgebung keine erkennbaren Rücknahmen ihrer Umschlagsaktivität gezeigt. Die wenigen Verladungen und ihre Störungen in den Häfen der Krim sind mit 5 % von untergeordneter Bedeutung.

Der Kursanstiege haben jedoch schon früher begonnen, als die Zuspitzung in der Ukraine noch wenig erkennbar war. Der Einfluss der politischen und finanziellen Krise in der Ukraine auf die Weizenkurse hat insofern als aktueller Verstärkungsfaktor gedient.   

Tatsächlich sind die Ursachen fundamentaler Art bedeutsamer. Es beginnt mit den zunehmend höher geschätzten Auswinterungsschäden an Winterweizen in den USA seit Jahresbeginn. Eine Verschärfung einer schwachen US-Weizenernte wird in den geringen Niederschlagsmengen in Form von Schnee und Regen in den zentralen Anbaugebieten gesehen. Auch wenn in den nächsten Wochen wieder mit durchziehenden Niederschlagsfronten gerechnet wird, ist die Bodenwasserversorgung relativ gering einzustufen.

In der Zentral- und Ostukraine sind den Satellitenaufnahmen zufolge Auswinterungsschäden bei den Wintergetreidearten zu befürchten, weil bei Temperaturen um  -15 Grad Mitte Jan.2014 keine ausreichende Schneedecke festzustellen war. Das Schadensmaß wurde bislang nicht beziffert.

Für die Sommersaaten wird in den USA aufgrund der großen Bodenfrosttiefe mit einer erheblichen Verspätung der Bestellungen mit Schwerpunkt in den nördlichen Anbaugebieten gerechnet. Es muss davon ausgegangen werden, dass damit Ertragseinbußen einhergehen, zumal die Vegetationsperiode in diesen Regionen durch Frühfröste recht eng begrenzt ist. Soweit der Mais indirekt eine Rolle für den Weizenpreis spielt, ist auch die mögliche Vergrößerung der Sojafläche zu Lasten des Maisanbaus in die Beurteilung einzubeziehen.

Die Bestellarbeiten der Sommersaat im Schwarzmeergebiet werden aufgrund der geringen Niederschläge als günstig bezeichnet, weil die Befahrbarkeit der Böden gut ausfällt. Aber die geringen Niederschläge in Form von Schnee versprechen keine hohen Bodenwasservorräte. Außerdem hat es in den letzten Monaten  Febr. und März kaum Niederschlag gegeben und die Wetteraussichten zeigen für die Ukraine weiterhin Trockenheit an. Inwieweit die finanziellen Voraussetzungen reichen, die notwendigen Betriebsmittel an Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und Treibstoffe termingerecht zu beschaffen, wird kontrovers diskutiert.

In Europa reduzieren Niederschlagsdefizite in Ostdeutschland und Polen trotz günstiger Saatenstände in anderen EU-Regionen die Ernteerwartungen. Auswinterungsschäden in den baltischen Staaten sollen überdurchschnittlich hoch ausgefallen sein. Überwiegend wird mit einer kleineren EU-Ernte als im Vorjahr gerechnet. Die Europäische Versorgungslage 2014/15 wird dadurch noch verschärft, dass die Überhangbestände aufgrund der hohen Exportaktivität im laufenden Jahr niedrig ausfallen.

Nach aktuellem Kenntnisstand deuten die jetzt erkennbaren Perspektiven auf feste Kurse im oberen Durchschnittsbereich hin. Es verbleibt jedoch die große Ungewißheit der Witterungsentwicklung in den maßgeblichen Zeitspannen der Ertragsbildung im Mai, Juni bzw. im August dieses Jahres. Der Spielraum für beachtliche Preisschwankungen ist wieder größer geworden. Das Risiko einer optimalen Vermarktung ist wieder gestiegen.   

Weizenpreise auf vorläufigen Höhepunkt?
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ZMP Live Expertenmeinung

Der Kursauftrieb bei den Weizenpreisen ist überwiegend auf Auswinterungsschäden sowie reduzierten Erwartungen an  die Wintersaatenerträge für die Ernte 2014 zurückzuführen. Einschränkungen für die Sommersaaten spielen eine indirekt ergänzende Rolle.

Die Krise um die Ukraine enwtwickelt sich  infolge der Unsicherheiten über die weiteren Ausfuhraktivitäten als Verstärkungsfaktor. Tatsächlich haben die ukrainischen Exporte noch nicht gelitten. Fehlende ukrainische Teilnahme an künftigen Ausschreibungen erregt jedoch Aufmerksamkeit.

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