23.
11.13
Getreidenotierungen wieder fester - bleibt es dabei?

Getreide Cockpit, 23.11.2013

Bullish
  • starke Exportaktivitäten
  • intensive Nachfrage aus Brasilien und China
  • schwache Ernteerwartungen in Argentinien und Australien
  • geringe Abgabebereitschaft der US-Farmer
Bearish
  • überdurchschnittliche Maisernte
  • Schwarzmeergebiet hat noch Exportpotenzial
  • gute kanadische Ernte
  • preiswertes Weizenangebot aus Indien

Getreidekurse an der Börsen wieder angezogen

Ende November notieren die Weizenpreise an der Pariser Börse auf gleichem Niveau wie Mitte Oktober. Zwischenzeitlich gab es ein kräftiges Tauziehen, das von den fallenden US-Weizennotierungen ausging. Die fallenden US-Weizenkurse wiederum verdanken ihren Rückgang den kräftigen Preisabschlägen beim Mais.

Hintergrund dieser Entwicklung sind eine weiterhin knapp durchschnittliche Weltversorgungslage und eine weit überdurchschnittliche globale Maisernte mit besonderem Schwerpunkt in den USA.

In der abgelaufenen 47. Kalenderwoche haben die Kurse jedoch Boden unter die Füße bekommen. Im Maissektor waren die Gründe in den ungewöhnlich hohen US-Exportzahlen und den sehr festen Erzeugerpreisen zu finden. Farmer halten ihren Mais vorerst zurück in der Erwartung, dass die aktuell ungewöhnlich niedrigen Kurse im Verlaufe des Jahres noch zulegen werden. Handelbare Ware wird damit  begrenzt verfügbar und die Erzeugerpreise haben etwas angezogen.

Im globalen Weizenhandel macht  sich die relative Knappheit bemerkbar. Wesentliche Anstöße kommen aus Brasilien, dass seinen Importbedarf nicht wie gewöhnlich im benachbarten Argentinien decken kann, sondern sich in den USA überdurchschnittlich hohe Weizenmengen gesichert hat.  China’s Importhunger erstreckt sich mittlerweile auch auf Getreide in einer Größenordnung bis zu 20 Mio. t, fast das 10-fache dessen, das noch vor drei Jahren importiert wurde.

Die jüngsten Einschätzungen der Getreideanschlussernten auf der Südhalbkugel in Argentinien und Australien sind immer weiter reduziert worden. In Argentinien wird eine Exportsperre für Weizen nicht mehr ausgeschlossen, nachdem die ersten Druschergebnisse im Norden bei unter 1 t je ha ausgefallen waren. Man erwartet in den südlichen Provinzen deutlich höhere Erträge, aber bei 3,8 t /ha stößt man bereits an die Rekordmarken. Frosteinbrüche und Trockenheit werden als wesentliche Gründe für die schwache argentinische Ernte genannt, die zwischen 9 und Mio.  t eingestuft wird, rd. 30 % weniger als normal.

Auch in Australien waren es Trockenheit und in jüngster Zeit im SO des Landes unerwartete Frosteinbrüche, die erheblichen  Schaden angerichtet haben sollen. Etliche Weizenbestände werden nicht gedroschen sondern als Stroh an die Tiere verfüttert. Die Weizenqualität (Rohprotein)  ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass die gedroschene Ware als Futtergetreide vermarktet werden muss.  

Die europäischen Getreidekurse haben sich von den Vorgängen an der Chicagoer Börse nur wenig beeindrucken lassen. Die Notierungen haben nach ihrem Aufschwung aus der Ernte heraus nur wenig nachgegeben und sich oberhalb der Marke von 200 € je t festgesetzt. Kräftige Unterstützung kommt von der lebhaften Exportnachfrage aufgrund der günstigen europäischen Weizenqualitäten zu einem preiswerten Kurs. Die Konkurrenz aus den Schwarzmeerländern hat es in diesem Jahr schwer mit ihren niedrigen Qualitäten bei vergleichsweise hohen Preisen. Russischer Weizen mit 11,5 % Rohprotein kostet auf Schiff verladen 285 $ je t (rd. 211 € je t). Französischer Weizen ab Rouen notiert bei 206 € je t.

Üblicherweise gibt es zum Jahresende immer noch eine Kursrallye mit der Begründung, dass die Marktteilnehmer zum Jahresschluss ihre Bilanzen nochmal aufmischen wollen. Ob und wann das in diesem Jahr der Fall sein wird, ist noch offen. Das Potenzial für eine solche Entwicklung ist durchaus vorhanden.  

Getreidenotierungen wieder fester - bleibt es dabei?
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ZMP Live Expertenmeinung

Die hohe Weltgetreideernte 2013/14 hat zunächst zu einem deutlichen Preisrückgang auf knapp durchschnittliche Niveaus geführt. Mit dem Nachlassen des Erntedrucks kristallisiert sich eine festere Kursentwicklung auf etwas höherem Niveau heraus. Für die Zahlen der "Rekordernte" besteht noch Korrekturbedarf nach unten. Die Anschlussernten der südlichen Länder bringen keine Verbesserung der jetzigen Versorgungslage. Darüberhinaus sind Spekulationen nicht von der Hand zu weisen, dass in Südamerika mehr Soja anstelle von Mais angebaut wirde. Das gilt insbesondere für den Zweitfruchtanbau. Soja nach Soja anstelle von Mais nach Soja.

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